Verlage sind keine Metzgereien und Vereine keine Melkkühe

Beispiele in Singen 8/9 zum Kopieren waren daneben

Eines vorneweg: Dieser Beitrag soll kein Aufruf zum Kopieren von Noten sein aber die Beispiele in der Sängerzeitung 8/9 waren so daneben, dass ich mir über das Notenkopieren so meine Gedanken gemacht habe.

Es wir argumentiert, dass eine Metzgerei wohl nicht für zu wenig bestellten Schweinebraten verantwortbar gemacht werden könnte. Als ob ein Notenverantwortlicher bei zu wenig Noten je an den Verlag herangetreten wäre, mit der Bitte um kostenlose Noten. Oft werden die wenigen Exemplare, die eben zu dem sonntäglichen Essen (sprich aktuellen Konzert) noch benötigt werden, von den Verlagen gar nicht versandt, sondern nur eine Mindestmenge und das Kopieren dieser Mindestmenge ist nun die strafrechtliche Verfehlung.
Wir kaufen eine Couch und wollen das Sitzmöbel schonen; soll die Möbelfirma eine zweite Couch zur Verfügung stellen? So ein doofes Beispiel, als ob aus diesem Grund je ein Notenverantwortlicher einen Verlag angegangen hätte.
Aber teure Möbel dürfen geschont werden, dazu gibt es Schonbezüge oder es wurden früher Schondecken gehäkelt.
Dass bereits gekaufte Noten aus Schonungsgründen nicht vervielfältigt werden dürfen, ist nichts anderes als Geldmache der Verlage.
Da wird an das Rechtsempfinden der Vereine und insbesondere an die Pflicht der Vereinsvorsitzenden appelliert, ja alles bei der GEMA zu melden, alle Mitglieder beim Verband zu melden und alle Noten, möglichst mit Zuschlag, zu erwerben. Pro gemeldetes Mitglied sind das über 10 Euro Verbandsabgaben und dazu kommt locker der gleiche Betrag für neue Noten hinzu. Dass Chorleiter auch nicht mehr umsonst (kostenlos) arbeiten, hat sich inzwischen herumgesprochen und so stellt sich den geplagten Vorsitzenden die Frage: „Woher das Geld nehmen?“
Natürlich gibt es Vereine, für die diese Beträge Peanuts sind, da sie von den Städten oder anderen Trägern unterstützt werden, aber der Großteil der Vereine hat nur sein Aufkommen über die Mitgliederbeiträge. Da wird dann gerne argumentiert: „Erhöht doch den Beitrag auf 100 Euro pro Jahr“. Klar kann man das propagieren aber wie rechtfertigen? Damit dass Verbandskosten einfach so hoch sein müssen oder dass Notenverlage für teilweise schlechte Noten solch hohe Preise verlangen – wohl kaum.
Vielleicht wäre es eine Möglichkeit, dass der Chorverband, wie mit der GEMA, eine Möglichkeit findet, eine Verrechnung zu finden und einen bestimmten Betrag pro Sänger als Notenabgabe abzuführen. Damit kämen die Vorsitzenden aus dem Dilemma als Notenverbrecher durchs Leben zu gehen und die Verbandszugehörigkeit hätte einen weiteren Grund.

Siegmar Schmidt

Schmidt, 1. Okt 2007, Oberschwäbischer Chorverband, Singen und Stimme, Vereinsführung, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentare geschlossen.

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