Wo bleiben die Jugendlichen?

Sie sind das Tafelsilber eines Vereins, doch die meisten Vereine verzichten darauf. Wo bleiben die Jugendlichen in den Vereinen ? Weniger als 4% aller Vereine im SCV haben einen Jugendchor.

 

Millionen Menschen sitzen jede Woche vor ihrem TV-Gerät und fiebern mit den jungen Gesangstalenten in der Sendung DSDS. Und während Deutschland den Superstar sucht, bleiben die meisten Wünsche unerfüllt, weil die Jugendlichen singende Amateure sind, sich nicht einschätzen können, ihre Stimme nicht kennen, rhythmische und Intonationsschwierigkeiten haben. All das ließe sich in einem Jugendchor beheben. Aber Jugendchöre sind „Problemkinder“ eines jeden Verbandes. Das Singen ist der Gesellschaft abhanden gekommen. Es muss in der Zeit passiert sein, in der aus der schönsten und natürlichsten Art zu Musizieren die „Sängersache“ wurde. Warum sollten Jugendliche Interesse am Singen haben, wenn ihre Eltern nichts damit anfangen können. Hinzu kommen die starke Beanspruchung in der Schule (G8 !), die Fluktuation, bedingt durch Studium und Beruf, das Fehlen qualifizierter Jugendchorleiter.

 

Ein guter Jugendchorleiter müsste der am höchsten bezahlte sein in der Hierarchie Jugendchor – Kinderchor – Frauenchor – Gemischter Chor – Männerchor. Stimmbildung zwischen Kinder- und Erwachsenenstimme ist schon ein Spezialgebiet für sich. Hinzu kommen umfangreiche Literaturkenntnisse, choreografische Kenntnisse, rhythmische Sicherheit und die Beherrschung eines Begleitinstruments. Eine umfangreiche Ausbildung für Chorleiter! Gäbe es sie, gäbe es auch mehr Jugendchöre im Deutschen Chorverband.

 

Ein paar Zahlen (Stand 20.8.2009)

 

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Im DCV singen insgesamt 21.354 Chöre, davon 612 Jugendchöre. Das sind 2,866 %. D.h. dass in Deutschlands Chorverbänden 612 Jugendchöre einer „Armada“ von 20.742 Männer-, Frauen- und gemischten Chören gegenüberstehen. Spitzenwerte für den SCV  Spitzenreiter bei den Landesverbänden ist übrigens erstmals der Schwäbische Chorverband, nicht nur bei der Gesamtzahl der Chöre, sondern auch bei der Gesamtzahl der Jugendchöre und der Kinderchöre. Am 20.8.2009 gehörten dem SCV an:

 

120 Jugendchöre (3,8% aller SCV-Chöre)
371 Kinderchöre (11,9%)
138 Kinder- und Jugendchöre (4,4%)

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629 Kinder und Jugendchöre insgesamt (20%)

 

Vergleichen wir die SCV-Zahlen mit Nordrhein-Westfalen, dem einwohnerstärksten Bundesland und bislang größten Chorland im DCV, das 2009 erstmals vom SCV überrundet wurde. Hier bilden die Kinder- und Jugendchöre nur 9% vom Gesamtkuchen , also weniger als die Hälfte beim SCV. Bei den Jugendchören selbst sieht es noch schlechter aus. Da sind es 1,5% vom Gesamtkuchen.

Die Zahlen schrecken im ersten Moment, obwohl sie einen positiven Trend enthalten. Gehen wir 6 Jahre zurück. Damals gab es 2904 Kinder- und Jugendchöre im DCV. Heute sind es immerhin 123 mehr. Im Schwäbischen Chorverband sangen damals 2750 Chöre, heute sind es 375 Chöre mehr. Das bedeutet, dass der Schwäbische Chorverband durch eine kluge Politik seine Chorzahlen in den letzten sechs Jahren um 13,6% steigern konnte. Und das in Zeiten, in denen die (Chor)Welt vom Chorsterben spricht. Gibt es hier ein Patentrezept?

 

Entscheidend waren und sind die vielen unterschiedlichen Aktivitäten und Veranstaltungen für alle Altersgruppen sowie ihre Vernetzung miteinander. Ein Beispiel soll das verdeutlichen: „Open Sound“, das Festival Junger Chöre. Es war viele Jahre lang „nur“ ein Festival für die Elterngeneration. Deswegen musste es sich irgendwann einmal den Kindern und Kinderchören öffnen. Dies tat es erfolgreich in den letzten beiden Jahren. Heute präsentiert es sich als phantastisches Familienfestival.

 

„Attraktion Chorgesang“

Worin besteht nun die Attraktion „Chorgesang“ für junge Sängerinnen und Sänger? Das Handbuch Chormanagement des DCV formuliert es so: „Zugkräftig sind vor allem Chöre mit einem ausgeprägten „jungen“ Führungsstil, also ohne hierarchische Strukturen, mit ausreichend Mitwirkungsmöglichkeiten für jeden Aktiven. Gesucht wird ein kreativer und anspruchsvoller Chorleiter und ein musikalisches Repertoire, das zur Leistung herausfordert.“ Wie schwer es ist, nicht nur einen guten, sondern überhaupt einen Jugendchor zu finden, haben wir schon festgestellt. Aber es gibt Alternativen, die ihrerseits dazu führen, dass Jugendchöre inzwischen dem Artenschutz näher stehen als der Artenvielfalt. Sie stellen eine echte Alternative zum Jugendchor dar.

 

Alternative I – Der Junge Chor

Moderner Führungsstil, moderne Literatur – genau das finden Jugendliche heute in vielen Jungen Chören. Sich einem funktionierenden Chor anzuschließen ist etwas anderes als einen eigenen Chor zu gründen. Das hat nicht unbedingt etwas mit Faulheit zu tun, im Gegenteil. Wer im Chor singen möchte, will erst einmal singen und sonst nichts. Nicht organisieren, sich nicht um Noten kümmern, einfach nur singen! Das bestätigen uns immer wieder die jungen Mentorinnen und Mentoren, die bereits heute in unterschiedlichsten Chören tätig sind, von der Schule über die Kirche bis zum Verein. Der Junge Chor hat hier anscheinend die frühere Funktion der Liederkränze übernommen, dem Nachwuchs eine sängerische Heimat zu geben.

 

Alternative II – Das A-Cappella-Ensemble

Die besonders kreativen und individuellen Beiträge zum gemeinsamen Singen finden heute in A-Cappella-Ensembles statt. Sie haben vielerorts die Jugendchöre abgelöst. Sie garantieren optimale Umsetzungsmöglichkeiten der eigenen Ideen, zielorientiertes Proben und wirksame Bühnenpräsenz.

 

Alternative III – DSDS

Der TV-Wettbewerb DSDS zeigt, was vielen Jugendlichen wichtig ist, unabhängig vom Karrieretraum: die Selbstdarstellung, die mediale Präsenz. Ein großer Teil der Jugend funktioniert heute nach medialen Gesichtspunkten. Für sie ist die soziale Gemeinschaft

Jugendlicher in der traditionellen Jugendgruppe kein Thema. Jugendliche sind in diesem Alter wandelnde Litfaßsäulen mit dem Plakat „ICH“. Das „Ich“ wird gerade noch in der Popgruppe mit gleichermaßen „exzentrischen Ichs“ befriedigt, aber nicht mehr im Jugendchor.

 

Wo und wie funktionieren Jugendchöre noch?

Es muss keine der drei genannten Alternativen sein. Jugendliche gehören in einen Jugendchor, zusammen mit Jugendlichen ihres Alters, um altersspezifische Erfahrungen machen zu können. Wann funktionieren Jugendchöre noch?

Wenn sie

 

– einem intakten Verein mit mehreren Abteilungen angehören,
– in einer Kooperation mit der Musikschule arbeiten (Beispiel Schramberg),
– im sportlichen Bereich kooperieren in einem GUSV (Gesang- und Sportverein)
– im kirchlichen Bereich regelmäßige klar umrissene Ziele haben
– sich im dörflichen, stadtfernen Bereich befinden
– einen „Eingang“ (Kinderchor) und „Ausgang“ (Junger Chor) besitzen

 

Einen Jugendchor gründen – so geht´s gut! 

http://www.s-chorverband.de/Chorliteraturchorpraxisjugendchor.htm
Unter diesem Link erwartet Sie ein 43 Seiten langer Leitfaden, den Sie sich unbedingt

herunterladen und genau studieren sollten. Vier weitere Tipps sollten Sie in Ihre Überlegungen

mit einbeziehen:

 

 – Warum muss bei Jugendchören immer alles billig oder gar kostenlos sein? Es muss nicht und es darf nicht. Qualität kostet – egal ob im Sport oder in der Musik. Machen Sie nur Angebote, die Optimales bieten und dementsprechend etwas kosten. Warum sollte ein qualifizierter Verein mit Kinder- und/oder Jugendchor z.B. nicht einen regelmäßigen Kurs einführen, in dem Jugendliche für eine Teilnahme bei DSDS fit gemacht werden?

 – Je besser der/die ChorleiterIn, desto höher das Honorar, desto sicherer der Erfolg. Sparen an der falschen Stelle bringt Misserfolg an der falschen Stelle. Wichtig sind eine funktionierende Planung und ihre Kontrolle.

 – Ein Jugendchor ist so gut wie die öffentliche Meinung von ihm. Junge Leute müssen sich in den Medien wiederfinden. Regelmäßig! Deswegen ist Öffentlichkeitsarbeit ein wichtiges Standbein für den Erfolg. Jeder Auftritt, jede Aktion (vom Christbaumsammeln bis zum Altpapier), jede gute Idee, jedes neue Mitglied, jeder gut einstudierte Song (YouTube) – sie alle müssen sich wiederfinden im Medienmenue. Das stärkt das eigene Selbstbewusstsein und die Meinung der anderen.

 – Ein Jugendchor muss spüren, dass der Verein ihn mag. Ohne „Nestwärme“ kein Selbstbewusstsein, ohne Komplimente aus den eigenen Reihen keine Identifikation mit dem eigenen Verein, ohne Konzertbesucher aus dem eigenen Verein keine tatsächliche Verankerung des Jugendchores im Verein.


Stimmen erfahrener „Jugendchorarbeiter“

SINGEN hat vier Chorleiter aus unserem Verband befragt, die sowohl aktiv an der Basis in ihren Vereinen als auch im Verband Jugend- und  Jugendchorarbeit betreiben. Und das waren die beiden Fragen:

 

Frage 1: Was ist das Geheimnis einer funktionierenden Jugendchorarbeit?
Frage 2: Warum verschwinden Jugendchöre zunehmend und wie kann man dagegen vorgehen?

 

Jugendchorarbeit muss sehr viel stärker zielgerichtet sein als in Erwachsenenchören. Die Qualifikation des Chorleiters und die pädagogischen Fähigkeiten des Leiters sind hier sehr wichtig. Jugendlichen stimmen eher mit den Füßen ab, als dass sie ihrem Verein „die Treue“ halten. Aus diesen Gründen wird klar, dass einfache pianistische Fähigkeiten keine ausreichende Qualifikation für Kinder- und Jugendchorleiter sind. Es ist eine hohe Qualifikation gefordert – und die hat auch ihren Preis. Wer als Chorleiter im Kinder- und Jugendchor besteht wird im Erwachsenenchor kaum Schwierigkeiten haben.

 

Gaby Knorpp – Vorsitzende der Chorjugend im SCV

Ein Geheimnis ist es nicht, aber es braucht Menschen, die von der Idee, gute Jugendarbeitanzubieten, begeistert sind und eine Vorstandschaft, die die Umsetzung unterstützt, sowohl ideell als auch finanziell. Bei uns im Verein, denke ich, funktioniert der Jugendchor deshalb so gut, weil eine solide Basis in den vergangenen 10 Jahren aufgebaut wurde, die eine qualitativ gute Chorarbeit möglich macht. Etwa 90% der jungen Sängerinnen und Sänger sind seit vielen Jahren aktiv und etwa 80% davon waren schon bei uns im Kinderchor dabei.

 

Ich befürchte, dass viele Vorstände aus lauter Sorge, die Älteren vom Kinderchor könnten abspringen, diese so früh wie irgend möglich in den Erwachsenenchor integrieren möchten. Aber für Jugendliche von 14/ 15 oder 18 Jahren braucht es eine andere Probendidaktik als bei Erwachsenen. Um diese Zielgruppe zu begeistern und zu motivieren braucht man sehr gute Chorleiter, die die manchmal schwierige Lebensphase eines Jugendlichen nachvollziehen können und die mit Sachverstand, Geduld und Humor auf diese zugehen können.


Thomas Preiß, Verbandsjugendchorleiter des SCV und des DCV

Ich sehe meine Vereine als Einheit mit mehreren Chören. Jeder Chor bringt das, was er am besten kann, in die Jahresplanung und in die Konzerte ein. So kann jede Chorgruppe – also auch der Jugendchor – das singen, was der jeweiligen Chorgattung entspricht, und trotzdem können mit den unterschiedlichsten Chorgruppen abwechslungsreiche und interessante Konzerte aufgeführt werden. Sehr bereichernd ist es auch, über den eigenen Tellerrand des einzelnen Chores hinauszuschauen und mehrere oder auch alle Chöre eines Vereines gemeinsam auftreten zu lassen. So lernen alle Chorgattungen auch die Literatur des anderen kennen und überwinden die Scheu, andere und neue Wege zu gehen.

 

Ein weiterer und äußerst wichtiger Aspekt ist die Öffnung nach außen. Kooperationen (Schulen, Kirchen, andere Vereine, Firmen, Organisationen usw.) sind einerseits ein hervorragender Motivator für den Chor, weil hier neue Wege außerhalb der eigenen

Vereinsstruktur gegangen werden.Andererseits hat man mit Partnern weitere Ziele, auf die man hinarbeiten kann. Jede gelungene

Aufführung bringt einen Chor ein Stück weiter nach vorne.

Die Gründe sind sicher nicht pauschal zu nennen. Es ist wichtig, vor Ort und individuell die Situation einzuschätzen. Sicherlich kann es an mangelnder oder ungeschickter Öffentlichkeitsarbeit liegen, aber es muss auch alles andere stimmen: Eignung des Chorleiters, Stöbern nach entsprechender Chorliteratur, Angebot an überfachlicher Jugendarbeit usw. Jugendliche haben einen (musikalischen) Anspruch, der nur von einem geschulten Chorleiter erfüllt werden kann. Man sollte einem Jugendchor niemals das Gefühl geben, nur geduldetes Zubrot als Alibi für eine nach außen hin funktionierende Vereinsarbeit zu sein.

 

Andreas Schulz – Beirat der Chorjugend, Jugendchorleiter

Ich fange mit der Beantwortung der Fragen hinten an, ich glaube so kann ich mich dem Thema besser nähern. Vielleicht kann man die Fragestellung auch noch etwas anders aufsplitten. Das heißt: Warum verschwinden zunehmend die Jugendchöre oder was macht das Funktionieren eines Jugendchores so schwierig.

 

Ich denke das sind zum einen gesellschaftliche Tendenzen allgemein. Das bezieht sich nicht nur auf das Singen, sondern auf Vereinsarbeit allgemein und nicht nur auf Jugendliche sondern auch auf Erwachsene. Die Gesellschaft entwickelt sich meiner Ansicht nach immer mehr weg von der Gemeinschaft hin zum Individualismus. Weg von einer längeren verantwortlichen Bindung

hin zum kurzfristig Verfügbarem ohne Konsequenzen und Verantwortung. Es geht in unserer Gesellschaft mehr um Selbstverwirklichung als um Rücksichtnahme und Kompromisse um auf andere ein zu gehen. Und das überträgt sich meiner Meinung nach inzwischen auch schon sehr früh auf die Kinder und Jugendlichen.

 

Ein weiterer Grund ist unsere heutige mediale Vernetzung, die sich vor allem bei den Musiktreibenden niederschlägt. Es sind jederzeit und völlig unaufwändig Beispiele jeglichen Niveaus verfügbar, sei es durch Internet, Fernsehen oder sonstige Aufnahmen. So ist alles, was man musikalisch macht, jederzeit vergleichbar mit Beispielen auf höchstem, oft sogar professionellem Niveau, gerade auch bei Jugendlichen. (Vielleicht ganz grob vereinfacht formuliert „wenn ich nicht so gut sein kann wie die auf YouTube, dann lass ich‘s lieber gleich, das ist ja dann peinlich). Was speziell die Jugendlichen betrifft kommt noch hinzu, dass die

verfügbare Zeit immer knapper wird, sei es durch G8, oder durch immer mehr Nachhilfe oder ähnliches.

Als drittes Problem ist sicher das Image des Chorsingens anzuführen. Die Freizeitaktivitäten der Jugendlichen müssen vor Freunden und auch anderen, z.B. Klassenkameraden gerechtfertigt werden. Und dabei dem medial vermittelten Bild von „cool“ entsprechen. Man muss herausstechen aus der Masse, man muss vergleichbar und besser als die anderen sein, Eigenschaften, die dem

Chorsingen genau entgegen stehen. Das ist sicher auch der Hauptgrund warum Jungs noch viel weniger als Mädchen in Jugendchören anzutreffen sind.

 

Wie kann dann ein Jugendchor funktionieren? Ich denke das ergibt sich im Großen und Ganzen schon aus der Formulierung der Probleme. Das fängt an bei der Qualität. Das ist zum einen die Qualität des Chorleiters. Nicht nur die musikalische Kompetenz, sondern auch die pädagogische und soziale Kompetenz des Chorleiters sind dabei wichtig. Und ich denke, da herrscht oft das falsche Gefühl, dass eine ausreichende Qualität proportional zum Alter der Singenden ist. Ich denke eher das Gegenteil ist der Fall, denn bei den Jugendlichen ist es genau das Alter, bei dem man für das weitere Leben die Weichen stellt, man kann viel kaputt machen, man kann aber auch viel Gutes auf den Weg bringen. Auch die Qualität, welche von den Jugendlichen gefordert wird ist entscheidend. Zwar steht kurzfristig auch der Spaß im Vordergrund, aber wenn ein Jugendchor auf lange Sicht angelegt sein soll, muss von den Jugendlichen Qualität gefordert werden und sie müssen Fortschritte erleben können. Weiter ist es meiner Meinung nach sehr wichtig, dass sich die Jugendlichen mit dem Jugendchor identifizieren können, d.h. dass sie es als ihr eigenes ansehen. Das bedeutet, dass man unbedingt vermeiden sollte, das ein Jugendchor entweder als Anhängsel des Erwachsenenchores oder vielleicht auch als Anhängsel eines Kinderchores gesehen wird und sogar noch vom Erwachsenenchor fremdbestimmt wird.

Ich denke, wenn sich die Jugendlichen weitestgehend selbst organisieren, ist die Identifikation am größten. Das heißt nicht, dass sich ein Jugendchor vom Gesamtvereinsleben abkapselt, aber das erfordert von den Erwachsenen eine gewisse Gelassenheit auch einfach eigene, vielleicht neue Wege eines Jugendchores zuzulassen.

Genauso wie man Jugendliche nicht als kleine (oder halbe) Erwachsene sehen darf, so darf man einen Jugendchor auch nicht als Abbild eines Erwachsenenchores (vielleicht eines „traditionellen“ Chores) begreifen. Wo man bei diesen gerne auf Bewährtes zurückgreift, sei es das man Lieder aus dem Repertoire auffrischt oder das man Veranstaltungen macht, weil sie schon seit Jahrzehnten gut funktionieren, steht bei Jugendlichen eher noch der die Neugier im Vordergrund, der Reiz was Neues zu probieren. Sei es bei der Literatur (ich nehme eigentlich keine Lieder die wir schon mal gesungen haben, sondern studiere jedes Jahr ein komplett anderes Programm ein) oder auch Veranstaltungen, wo irgendwelche Events, sei es Chortreffen oder Konzert reisen oder auch im kleineren Rahmen immer wieder Motivation geben.

 

Bleiben noch die zwei Punkte Image und Zeitproblem. Ich denke beim Image kann man kurzfristig nichts ändern, sondern nur durch qualitative Jugendchorarbeit auf Dauer entgegenwirken. Das Zeitproblem kann man zwar nicht lösen, aber durch Gewohnheit etwas

entschärfen. D.h. es ist aus mehreren Gründen sinnvoll, wenn zu einem Jugendchor ein Kinderchor, am besten mit dem selben Chorleiter, dazu gehört. Zum einen sind die Jugendlichen optimaler Weise daran gewöhnt regelmäßig zum Singen zu gehen, zum zweiten hat man Nachschub an Sängern, um den Schwund oben, durch Weggang wegen Studium oder Ausbildung, von unten wieder aufzufüllen. Und drittens ist es auch wieder ein qualitativer Aspekt; mit einem Jugendlichen der schon jahrelang in einem Kinderchor gesungen hat, kann man ganz anders arbeiten, als mit einem ungeübten Sänger, was dann auch gleich wieder die Qualität des Jugendchores steigert. (Beitrag: Wolfgang Layer; Interviews: Katrin Schwarz)

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