Festwoche 125 Jahre Oberschwäbischer Chorverband

Eine musikalische Reise durch Oberschwaben

Die Steigerung von Schwaben sei Oberschwaben. So brachte es Dr. Lorenz Menz in seiner Begrüßungsrede beim Festakt des Oberschwäbischen Chorverbands, anlässlich des 125- jährigen Bestehens auf den Punkt.
Was der OCV hier auf die Beine gestellt hat, ist schon eine echte Glanzleistung, so das Credo des Präsidenten vom Schwäbischen Chorverband (SCV).

Der Festakt in der Biberacher Gigelberghalle war der Ausgangspunkt zu einer Konzertreihe unter dem Motto „Das besondere Konzert an einem besonderen Ort“. Mit einem Stehempfang, für die zumeist geladenen Gäste, eröffnete der Präsident des OCV, Achim W. Schwörer, die musikalische Reise durch Oberschwaben.
Wir wollen uns nicht selbst feiern, sondern ganz Oberschwaben zum Mitfeiern einladen. Mit wachsender Begeisterung verfolgten die Gäste den Festvortrag von Prof. Beidinger von der Universität Potsdam zum Thema „Singen als Beitrag zur Musikalisierung des menschlichen Lebens“. Musikalisch gestaltet wurde die Feier durch die beiden Verbandschöre, dem Frauen- und Männerchor des OCV, einem Projektchor, bestehend aus drei Jugendchören der Region Biberach, sowie dem Orchester „Württembergisches Allgäu“.

Nicht nur die OCV- Chöre, sondern auch der Beitrag des Jugendchors, der eindrucksvoll unter Beweis stellte, dass Singen begeistern kann, lässt die Sängerschar hoffnungsvoll in die Zukunft blicken.

Der Samstag war dann den Frauenstimmen gewidmet. Tagsüber waren gleich zwei Workshops für Frauen im Angebot. Nämlich „Trommeln für Frauen“ mit Marcel Mbamba und „Singen und Bewegung“ mit Thimea Toth. Das abendliche Konzert wurde dem Tagesmotto entsprechend nur von Frauen bestritten.

Unter Beteiligung des OCV- Frauenchors, des Frauenchors Rißegg (FIS), des Frauenchors Alberweiler sowie des Frauenchors „Allegro“ aus Tettnang erlebten die Konzertbesucher im ausverkauften Bibliotheksaal in Bad Schussenried ein wahres Feuerwerk der Chormusik.Als dann noch die Teilnehmerinnen der beiden Workshops ihr Erlerntes zum Besten gaben, kannte die Begeisterung keine Grenzen.

Ebenfalls Teilnehmer aus den beiden Workshops für Kinder und Jugendlichen, die in Rot an der Rot und Ochsenhausen abgehalten wurden, trafen sich zu einem Werkstattkonzert im Bräuhaussaal der Landesakademie in Ochsenhausen. Was die Dozenten Uli Führe und Gundula Hense den Jugendlichen vermitteln konnten, war beeindruckend. Ein Erlebnis, das sicher allen noch lange in Erinnerung bleiben wird.

„Schulchöre und Vereine singen gemeinsam“ war das Motto des Kooperationskonzerts, das im Rahmen der Festwoche vom SCV in Zusammenarbeit mit dem Kultusministerium veranstaltet wurde. Der „Besondere Ort“ war diesmal der Schlosshof von Schloss Zeil.
Von den vielseitigen Möglichkeiten, die eine solche Kooperation bietet, konnten sich die Zuhörer, unter ihnen der Hausherr, Seine Durchlaucht Georg Fürst von Waldburg Zeil mit seiner Gattin, Abteilungsdirektorin Dr. Susanne Pacher vom Regirungspräsidium Tübingen, Oberbürgermeister Hans-Jörg Hänle sowie SCV- Präsident Dr. Menz, überzeugen. Dass er innerhalb von drei Tagen schon das zweite Mal in Oberschwaben zu Gast sei, lasse fast vermuten, dass Oberschwaben süchtig mache, meinte dann auch der SCV- Präsident scherzhaft.

Die Region Bodensee war am nächsten Tag das Ziel der musikalischen Reise. Gastgeber war die MTU Friedrichshafen, die ihr Casino für diesen Event zur Verfügung stellte. Der Projekt- Männerchor der Region Bodensee, der Chor „KressCendo“aus Kressbronn sowie das Bläserensemble der MTU repräsentierten in ein drucksvoller Weise die Region um den Bodensee.
Beim gemeinsam vorgetragenen Schlusschor „Ich war noch niemals in New York“ sprengten die Akteure fast den Bühnenbereich und die begeisterten Zuhörer bekamen die frenetisch geforderte Zugabe.

Die von Dominikus Zimmermann gestaltete Kirche im Kloster Sießen mit ihrer hervorragenden Akustik war der ideale, besondere Ort, an dem sich die „Jungen Chöre“ präsentieren konnten.
„Gospel and more“ lockte trotz Blitz und Donner in die barocke Klosterkirche. Die fünf jungen Chöre aus Bolstern, Eberhardzell, Deuchelried, Eintürnen und Winterstettenstadt gaben ein Konzert der Spitzenklasse. Den Abschluss bildete dann ein voluminöser Gesamtchor, der trotz nur einer kurzen, gemeinsamen Probe die Besucher zu Standing Ovations animierte.

Der Unternehmer und Kunstmäzen Siegfried Weishaupt stellte sein „Weishaupt-Forum“ in Schwendi dem OCV für einen denkwürdigen Konzertabend zur Verfügung. Denkwürdig, weil es etwas Besonderes ist, in diesem architektonisch wohl einmaligen Gebäude ein Konzert zu veranstalten. Denkwürdig aber auch, weil sich die schon tot geglaubte Chorregion Laupheim so lebendig präsentierte, als sei dies der Startschuss zu einer neuen Ära gewesen. Die Chöre, die sich aus diesem Anlass zu Chorgemeinschaften zusammenschlossen, sprühten vor Freude an der Musik. Was hier als Projekt gestartet wurde, könnte vielleicht ein Zukunftsmodell werden.

Dass die Halle zwei Mal an einem Tag gefüllt ist, das schafft nicht mal unsere glorreiche Narrenzunft. Dieser Satz stammt vom Eberhardzeller Bürgermeister Hans-Georg Maier.
Darauf können wir stolz sein, stellte dann auch der Präsident des Oberschwäbischen Chorverbands, Achim W. Schwörer, in seiner Begrüßungsrede beim Konzert der Kinder- und Jugendchöre in der Eberhardzeller Turn- und Festhalle fest.
Was für einen Stellenwert die Jugend im OCV einnimmt zeigte sich, indem die Verbandsjugendchorleiterin Marianne Braunmüller bei ihrer Begrüßungsrede das gesamte Präsidium begrüßen konnte.

Der Nachmittag begann mit der Verleihung des Qualitätszeichens „Felix“ an den Kindergarten Eberhardzell. Was hier in den Kindergärten geleistet wird, lässt hoffen, dass dies der Samen für unsere Kinder- und Jugendchöre ist, der dann hoffentlich reiche Früchte trägt. Der gastgebende Kindergarten Eberhardzell, der Kindergarten der Paulinenpflege Wain und der Kath. Kindergarten St. Franziskus aus Gutenzell geizten nicht mit quicklebendigen Darbietungen.

Der Kinderchor „Young Voices“ Gutenzell, der Kinder- und Jugendchor Eintürnen, der Kinderchor Bolstern, der Jugendchor der Singschule Beuren, der Kinderchor „KressCindo“ und der Kinder- und Jugendchor Eberhardzell waren die Akteure beim anschließenden Konzert für Kinder- und Jugendchöre.
Von Elton Johns „Hakuna Matata“ bis hin zum besinnlichen Volkslied von der „Loreley“ reichte das Spektrum der Literatur bei dieser gelungenen und heiteren Veranstaltung.
Den ganzen Saal mit einem, wie Birgit Barth vom gastgebenden Liederkranz ankündigte, doofen Lied vom Hocker zu reißen, ist schon etwas „Besonderes an einem besonderen Ort“, wie das Motto der Konzertreihe während der Festwoche des OCV nicht besser hätte beschrieben werden können.

Nach einem Tag Ruhepause lud der OCV zu einem „Tag der Chöre“ ins Bauerhausmuseum nach Wolfegg ein.Trotz der für eine Freilichtveranstaltung nicht gerade idealen Witterung, beteiligten sich dann doch zahlreiche Chöre. Nach dem Motto: Es gibt kein schlechtes Wetter – nur eine schlechte Kleidung“ fanden sich über ein Dutzend Chöre auf den zwei Bühnen zu ihren Auftritten ein.
Sogar die Entenfamilie, die sich unter die Zuhörer mischte, fand Gefallen an der Vielfalt der Chormusik.

Der Gospelchor „Joy of Voice“ unterhielt mit seinen futuristischen Darbietungen im Haus „Gessenried“ bis zur stattfinden Bekanntgabe der Preisträger des vom OCV ausgeschriebenen Kompositionswettbewerbs. Dieser fand im Vorfeld der Jubiläumswoche regen Zuspruch unter den Komponisten.
Drei der preisgekrönten, von einer unabhängigen Jury ausgewählten Werke, wurden dann in der Zehntscheuer „Gessenried“ vom Vocalensemble „Cantobello“ unter der Leitung von Prof. Wilfried Maier dem Publikum vorgestellt.

In der bis auf den letzten Platz gefüllten Basilika in Weingarten zu singen ist ein Traum. Dieser Traum ging für den OCV-Männerchor am Tag der Männerstimme in Erfüllung. Leider war die Bühne für den Chor in einem Seitenflügel platziert, sodass die Liedvorträge während des Festgottesdienstes nicht im ganzen Kirchenraum klanglich gut zu vernehmen waren.
Die über 100 Sänger aus dem Oberschwäbischen Chorverband unter der Leitung von Verbandschorleiterin Anne-Regina Sieber erzeugten beim Auftaktlied „Am kühlenden Morgen“ mit einem einfühlsamen Piano und einem ausdrucksstarken Forte den Kirchenbesuchern eine Gänsehautatmosphäre.
Was sich im Verlauf unserer musikalischen Rundreise immer wieder bestätigte: Jede Veranstaltung und jedes Konzert war anders geartet und hatte seine punktuellen Reize. So auch der Gottesdienst in der Basilika.
Mit dem differenziert vorgetragenen „Das ist der Tag des Herrn“ und dem Schlusschor „Sancta Maria“ machte sich der OCV- Männerchor selber und den Kirchenbesuchern ein herrliches Geschenk.

Die Matinee mit Männerchören aus der Region Schussen war wegen des kühlen Wetters in die Aula der benachbarten PH verlegt worden. Moderator Bernhard Bitterwolf führte souverän und mit markigen Sprüchen, die manche Lachsalve durch den voll besetzten Saal schwappen ließ, durch das Programm.
Erstaunlich, dass sich nach dem großen Männerchorsterben in den 70er-Jahren im OCV- Gebiet doch recht viele und stattliche Männerchöre behaupten konnten. Dies demonstrierten die Chöre bei dieser Matinee zum „Tag der Männerstimme“ in Weingarten.
Der Männerchor der Region Schussen unter Leitung von Irene Streis bezeugte die gute Zusammenarbeit unter den Vereinen, die doch immer wichtiger zu werden scheint.

Nicht verwunderlich war dann beim Abschlusskonzert mit den „Limburger Domsingknaben“ die doch etwas enttäuschende Besucherzahl.
Wenn man jedoch bedenkt, dass diesem Event innerhalb der Festwoche viele hochkarätige Veranstaltungen vorangegangen waren, und regional ebenfalls zahlreiche musikalische Veranstaltungen stattfanden, war bei den Liebhabern des Chorgesangs der Bedarf gesättigt.
Doch diejenigen, die diese Gelegenheit nutzten, um den doch im semiprofessionellen Bereich angesiedelten Domchor zu erleben, haben dies sicher nicht bereut.
Hier konnte jeder erleben, was man durch Stimmbildung und gesangliche Ausbildung erreichen kann. Nicht umsonst sind aus diesem Chor schon viele nationale und internationale Sänger und Solisten hervorgegangen.

Am Ende unserer musikalischen Reise durch Oberschwaben lässt sich der Slogan, der auf allen Printmedien zu lesen war, doch trefflich interpretieren: „Oberschwaben singt“.
Nun bleibt nur noch der Wunsch des Oberschwäbischen Chorverbands, diese Begeisterung, die diese Festwoche in ganz Oberschwaben ausgelöst hat, in die Vereine weiter zu tragen und den Menschen die Tatsache zu vermitteln, dass „Gesang etwas Wunderbares“ ist!

Ihr Pressereferent

Klaus Haid

Klaus Haid, 31. Mai 2010, Gaue und Verbände, Oberschwäbischer Chorverband, Singen und Stimme, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentare geschlossen.

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