Musiklotsen – Wir machen Musik, wir leiten Musik

Die ersten Musiklotsen haben ihren Abschluss gemacht

Was als Idee des SCV- Musikdirektors Marcel Dreiling und als „Pflänzchen“ mit dem gar nicht botanischen Namen „Chorlotse“ vor 3 Jahren im Schwäbischen Chorverband begonnen hat, ist inzwischen ein junger Baum mit mehreren Ästen geworden. Aus den Chorlotsen wurden „Musiklotsen“ und aus dem Träger SCV der gesamte Landesmusikverband Baden-Württemberg, unterstützt vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg und dem Landesinstitut für Schulsport, Schulkunst und Schulmusik. Eine Erfolgsgeschichte, die der Laienmusik noch lange Freude machen wird!

Vor 3 Jahren haben wir in SINGEN (April 2008) begeistert über die Ausbildung von 14 Chorlotsen berichtet. In unserer August-Septemberausgabe 2010 stellte Barbara Weiß, Projektleiterin der Ausbildung und stellvertretende Vorsitzende der Chorjugend im SCV, die neue Musiklotsenausbildung vor, die nun erstmals an zwei verschiedenen Orten stattgefunden hat: In der Jugendherberge Murrhardt und in der Musikakademie Staufen des Bundes Deutscher Blasmusikverbände.

Gedacht ist die Musiklotsen-Ausbildung für Schülerinnen und Schüler der Haupt-, Werkreal- und Realschulen in Baden-Württemberg mit einem Mindestalter von 13 Jahren.

60 Musiklotsen in zwei Lehrgängen

Aus den 14 Chorlotsen 2008 sind drei Jahre später 60 Musiklotsen geworden, davon 25 in Murrhardt, wo sich 10 Jungs und 15 Mädels aus allen Teilen des Schwäbischen Chorverbands vom 7. – 11. Februar trafen und eine Woche lang Dinge lernten, die sie vorher z.T. nicht einmal vom Hörensagen kannten. Ihre Dozenten waren Barbara Weiß, Annika Mock, Michael Zonsius, Thomas Faupel, Kathrin Osswald-Mosthaf und Wolfgang Layer. Betreut wurden sie von Carolin Weiß und Oliver Schretzmeier.

Ideal war, dass 21 von 25 dieser Musiklotsen ein oder gar mehrere Musikinstrumente spielten. So gab es in den Pausen die unterschiedlichsten Ensemble-Kombinationen. Interessant ist die Verteilung der Instrumente, die in der Haupt- und Realschule Spitzenreiter sind. An der Spitze steht die Gitarre, knapp gefolgt von Klavier und Blockflöte. Im einzelnen waren es 8x Gitarre, 7x Klavier und Keyboard, 5x Blockflöte, 2 Klarinetten und je einmal Querflöte, Tenorhorn, Trompete, Akkordeon, Saxophon und Schlagzeug. Da ließ sich einiges kombinieren, auch eine kleine Rockband fand sich zusammen, die der Abschlussveranstaltung die akustische Krone aufsetzte.

Die Ausbildung der Musiklotsen  beschränkte sich nicht auf musikalische Inhalte. Sehr wichtig war z.B. das Fach Rhetorik, das der Theaterpädagoge Thomas Faupel  so gar nicht trocken und theoretisch servierte. Stattdessen brachte er 9 Szenen aus 9 Theaterstücken mit, vom Jugendtheaterstück „norway.today“ bis zu Kleists „Michael Kohlhaas“. Die galt es zu sprechen, zu gestalten, auf der Bühne darzustellen. Eine enorme Leistung, auch wenn man den Text lesen durfte!

Bei diesem Solostück telefoniert die Tochter mit ihren geschiedenen Eltern, um jeweils dem einen vom anderen etwas auszurichten.

Der Stundenplan

Er verband, wie gesagt, Musikalisches und Außermusikalisches miteinander. Und so sahen die Themen aus:

– Ich nehme die Zügel in die Hand!
– Ich bewege mich zur Musik!
– Ich leite eine Musikgruppe!
– Musik hören und verstehen
– Ich leite eine Gruppe!
– Wir machen Musik, wir leiten Musik
– Verein – wie funktioniert das?
– Singen, Spielen und Stimmbildung

Hinzu kam der Besuch einer Chorprobe beim örtlichen Verein, bei dem die Musiklotsen herzlich empfangen wurden, mitsingen, ja sogar schon den ein oder anderen Titel dirigieren durften.

Urkundenübergabe

Die Abschlussfeier der Musiklotsen am Freitag, dem 11. Februar 2011, bot erstmals den Eltern die Möglichkeit zu erleben, was ihre Kinder gelernt hatten und wie sie sich auf der Bühne vor allen anderen behaupteten. Die Vielfalt war außergewöhnlich. Vom vokalen Beatles-Solo über Singensemble und Chor – natürlich dirigiert von den Musiklotsen selbst – bis hin zur Rockband war alles zu erleben. Nicht nur die Eltern waren angetan. SCV-Präsident Dr. Eckhart Seifert, SCV-Musikdirektor Marcel Dreiling, Hans-Martin Werner vom Kultusministerium und Barbara Weiß als Projektleiterin – sie alle waren begeistert von dem, was 25 junge Haupt- und Realschüler in einer Woche auf die Beine brachten. Dr. Seifert empfahl den jungen Leuten, die Chancen in ihren Vereinen vor Ort zu nutzen, sich später auch so ungeliebten Funktionen  wie dem Amt des Schriftführers nicht zu verschließen, denn „Wer schreibt, bleibt“. Viele Karrieren hätten im Verein begonnen, auch er selbst – fügte der SCV-Präsident schmunzelnd hinzu – habe als Schriftführer sein erstes Vereinsamt ausgeübt. Mit einem gemeinsamen Kanon schloss der offizielle Teil der feierlichen Veranstaltung, bevor die Zeugnisse vergeben wurden. Die Urkunden – unterschrieben von der Kultusministerin selbst – folgen in den nächsten Tagen per Post.

Die Vereine vor Ort, die oft über Nachwuchs klagen, haben ein weiteres Mal die Möglichkeit, jungen motivierten Nachwuchssängern und Instrumentalisten die Chance zu geben, bei ihnen einzusteigen, sie mit kleinen Aufgaben zu unterstützen und im Verein fit zu werden für größere Aufgaben.

Wolfgang Layer

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Wolfgang Layer, 12. Feb 2011, Chorjugend im SCV, Chorpraxis, Jugendchöre, Singen und Stimme, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentare geschlossen.

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