Abschreiben erlaubt – copy & paste verboten

Der Workshop „Singen nach Recht und Gesetz“

Um Urheberrecht, illegales Kopieren von Noten und andere Fallstricke ging es beim Podiums- und Publikumsgespräch mit Christian Krauß von der VG Musikedition, Werner Sikora von der GEMA und Thomas Tietze vom Bärenreiter Verlag als Vertreter des Verbands der Musikverleger, der den Workshop auch präsentierte.

Der Raum hätte dreimal so groß sein und die Zahl der Stühle das fünffache betragen dürfen, denn das Interesse war riesengroß. Die relativ geringe Zahl der festen Anmeldungen für den Workshop konnte freilich nicht darauf schließen lassen. Für Spannung war auf jeden Fall gesorgt; denn mit dem Urheberrecht und dem Kopierverbot standen Dauerthemen des täglichen Musiklebens und Choralltags auf dem Programm. Schade, dass die GEMA nur einen Vertreter aus dem Inkassobereich geschickt hatte, dessen eigentliches Aufgabengebiet natürlich nicht das Urheberrecht sein kann.

Das relativ allgemeine Podiumsgespräch der Dozenten ging sehr schnell in einen Dialog mit dem Publikum über. Die Zahl der Fragen an die Spezialisten war größer, als die zur Verfügung stehende Zeit es zuließ. Nur einige Fragen sollen hier genannt werden.

„Coverversionen“ ja oder nein? Sind Arrangements aktueller Popsongs durch Chorleiter für ihren Chor erlaubt? Ist es erlaubt, Songtexte für den eigenen Chorsatz zu verändern? Dürfen Noten in der Zahl, in der Originale bei einem Chor vorhanden sind, für die Notenmappe beim Konzert kopiert werden…? Dürfen Vereine ihre Konzertaufnahmen ins Netz stellen? Die meisten Fragen hatten die gleiche Antwort und die hieß: Wenn der Verlag Ihnen die Genehmigung gegeben hat! Der Verlag und die GEMA als Rechteinhaber sind der Dreh- und Angelpunkt für die meisten Genehmigungen, nicht der Komponist oder Textdichter. Sie haben die Rechte zur Wahrnehmung ja bewusst weitergegeben. Um das Wohl der Autoren geht es auch bei der Arbeit der GEMA und der Verlage. Mit jedem illegal kopierten Blatt werden die Urheber geschädigt.

Letzte Frage: Gibt es auch im Notenbereich so etwas wie „Privatkopien“, die im Tonträgermarkt existieren? Antwort: Nein!

Und doch gab es ein Lichtzeichen, ausgesandt von Thomas Tietze, der von Verhandlungen der Musikverleger berichtete, die sehr weit gediehen seien und die es in Zukunft – ähnlich dem Tonträgerbereich – ermöglichen würden, sich online Rechte für die 30 Kopien zu besorgen, die man vor der Chorprobe noch schnell macht. Das wäre ja schon ein großer Fortschritt!

Da war es dann schon eine Überraschung zu hören, dass das Abschreiben von Chornoten mit keinem Veto belegt ist. „Ohne Fleiß kein Preis“ möchte man sagen. Das Kopieren einer Abschrift ist freilich strafbar. Sieht so die Zukunft der klagenden Chöre aus? Da möchte man doch lieber auf die berechtigte Gegenfrage von Thomas Tietze zurückkommen, der auf den Einwand, dass Noten „zu teuer“ seien, antwortete: „Was ist Ihnen die Musik wert?“ Man könnte auch allgemein sagen: Was ist uns unser Hobby wert?

Wolfgang Layer

Wolfgang Layer, 24. Sep 2011, Chorfest/chor.com, Singen und Stimme, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentare geschlossen.

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