Brahms und Bartok, Schumann und Silcher und eine echte Chansonnière

Konzert „Jugend singt“ der Amadeus-Singschule begeistert zwischen heimatlichem Volksliedgut und Weiter Welt mit breitem musikalischem Spektrum.

Wie stets gelingt der Singschule unter der Leitung von Christel Wittmann der Spagat zwischen mit der Heimat verwurzeltem Liedgut und weltberühmten Stücken großer Komponisten. Dabei wird an unterschiedlichen Punkten im Konzert deutlich, worum es allen gemeinsam geht – um die Freude am Singen und die Weitergabe des Feuers. Ob die Vorchorkinder aus allen Ecken des Saales auf die Bühne strömen, ob diejenigen gewürdigt werden, die trotz Schulabschluss lückenlos in den Proben waren oder beim gemeinsamen Singen des „Maulbeerenbusches“ – die Leidenschaft für Musik ist überall zu spüren.

Nach dem gemeinsamen Einzug von Vor- und Hauptchor zum traditionell im Oktober gesungenen „Seid willkommen, liebe Leute“ singen die Vorchorkinder mit leichter Unterstützung des Hauptchores einstudierte Abend- und Schlaflieder. Liedgut wird nicht nur bewahrt, sondern weiter gelebt. Weltbekannte Melodien und Texte wie „Schlaf, Kindlein, schlaf“ oder „Guten Abend, gut’ Nacht“ im Satz von Johannes Brahms werden von den Kindern mit unübersehbarer Freude dargeboten. Weil auch die Kleinsten der Singschule bereits völlig textverständlich singen, entführt „Die Blümelein, sie schlafen“ gesetzt von Johannes Brahms mit träumerisch anmutender Begleitung gar in ein märchenhaftes Szenario.

So besinnlich wie fabelhaft geht es weiter mit dem Gedicht „König Abendlust“ von Christian Morgenstern in der Rezitation der 15-jährigen Johanna Bohnstengel. Alica Strehle und Alice Wannenwetsch verstärken den Fokus auf Abendlieder der Romantik mit dem Wiegenlied „Schlafe, schlafe“ des großen Liederkomponisten Franz Schubert – in perfektem Zusammenklang, ruhig und getragen, dabei mit klaren, offenen Stimmen.

Im Anschluss singt der Hauptchor drei größere Kompositionen – auch hier wurde jedoch der Schwerpunkt auf dem Volkslied gehalten. Denn obgleich „In der alten Mühle“ von Béla Bártok durch ungewohnte und komplexe Rhythmen und Textverteilung auffällt, deren Reiz durch die Interpretation des Chores offengelegt wird, ist der Komponist stark vom Volkslied beeinflusst.

Es folgen Lieder zweier Zeitgenossen – „O sanfter, süßer Hauch“ von Friedrich Silcher, der den Fokus seiner Arbeit auf die musikalische Volkserziehung setzte und „Der Wassermann“ von Robert Schumann, der unter anderem für seine Kunstlieder weltberühmt ist.
„O sanfter, süßer Hauch“ wird vom Mädchenchor mit großer Präsenz, sauberer Intonation und einem unwiderstehlich runden Klang gesungen.

Der komplette Hauptchor wiederum singt 4-stimmig „Der Wassermann“ – in diesem dynamisch höchst anspruchsvollen Kunstlied wird nichts weniger als eine romantisch-dramatische Entführungsgeschichte erzählt – dass dies jedoch auch so ankommt, ist ausschließlich der Fähigkeit dieses Chores zu verdanken, mit Präzision und Leichtigkeit Geschichten zu erzählen.

Vor der Pause spielte der erst 12-jährige Louis Wittmann mit sichtbarer Spielfreude, dabei in sich ruhend mit großem Einfühlungsvermögen und technischer Ausgereiftheit die Ballade Op. 118 von Johannes Brahms – das Publikum darf sich freuen, diesen jungen Musiker am Beginn seiner Laufbahn begleiten zu dürfen, der sich in diesem Alter bereits an solch ein Stück wagt und gewinnt.
Nach der Pause begeistert Patrizia Piras, ein ehemaliges Chormitglied und nun an der Hochschule Stuttgart ausgebildete Sängerin mit drei über alle Grenzen bekannten französischen Chansons „Sous le ciel de Paris“, „La vie en rose“ und „Padam… padam… padam“ das Publikum. Piras geling gemeinsam mit ihrem Begleiter Domingos Costa ein Tanz auf dem schmalen Grat zwischen Klischee und Kitsch der oft gehörten Melodien. Virtuos und federleicht der Beginn von „La vie en rose“ – große Emotion und Fatalismus in „Padam“ – regelrecht entfesselter Beifall war der gebührende Dank.

Nach zwei weiteren Liedern von Silcher „Die Sterne“ und „Auf dem Wasser“ folgt auch schon die „Hymn to Freedom“, das von Oscar Peterson geschriebene Plädoyer für Freiheit und Menschenliebe kann nicht oft genug gesungen werden, vor allem, wenn man wie hier merkt, wie genau auch an Details wie der englischen Aussprache gearbeitet wird, die als Mustergültig zu betrachten ist.

Die Zugabe, das fröhlich-freche „Der Maulbeerenbusch“ von Gunther Erdmann, leidenschaftlich von allen Mitgliedern der Singschule dargeboten, schließt sowohl den Kreis zur Musik der Gegenwart als auch den Kreis großer Komponisten, die sich für Kinder- und Jugendmusik eingesetzt haben.

Wolfgang Layer, 28. Okt 2012, Chorgattung, Chorverband Hohenstaufen, Jugendchöre, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentare geschlossen.

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