Von Rockzipfelsängern und Pizzabäckern

Der Meister legt sich ins Zeug.....

Eine lange Schlange gab es an der Rezeption der Bauernschule in Bad Waldsee am Samstagmorgen des 9. März 2013 für die über 70 Interessenten des Chorwochenendes der Region Biberach. Die Wartezeit konnte aber mit Kaffee und Brötchen locker überbrückt werden und man hatte zudem genügend zu Erzählen bei den vielen Bekannten die sich in der Reihe eingefunden hatten. Die tollen Zimmer der Bauernschule waren schnell bezogen und um 10 Uhr waren alle bereit und Marcel Dreiling wurde mit einem herzlichen Beifall willkommen geheißen.

Um das Instrument (Stimme) ordentlich zu präsentieren wurde zunächst intensiv eingesungen. Do-Re-Mi-Fa-Sol – „Viel zu lätschig, selbst einfache Einsingübungen müssen mit dem Temperament eines Pizzabäckers gesungen werden“, forderte Dreiling die Sänger auf – und es hatte Wirkung. Der Verbandschorleiter des Schwäbischen Chorverbandes hatte sich auf die große Gruppe, das breite Altersspektrum und die unterschiedlichen Chorgattungen bestens eingestellt. Vom aufgepeppten Volkslied über Gospel und Kanons reichte das musikalische Angebot und jede Lerneinheit wurde vom Meister vorgesungen, vorbewegt und erklärt.

Zum ausdrucksstarken Singen gehört Bewegung und Gesang würde vom Publikum zur Hälfte mit den Augen wahrgenommen, führte Dreiling aus, aber es sollte nicht übertrieben werden und nicht aufgesetzt wirken. Da insbesondere die Männer mit dem Bewegen zum Singen ihre Schwierigkeiten haben durften sich die Damen beim Gospel „Jericho“ dem starken Geschlecht zuwenden und die Leichtheit des Hüftschwunges demonstrieren. Das gegenseitige Ansingen und das randomisierte Gruppensingen seien zudem eine gute Übung für die Rockzipfelsänger, die sich sonst immer an den Nebenmann anlehnen, und so gezwungen werden selbst die Initiative zu ergreifen.

Neben der Bewegung war die Aussprache ein weiterer Schwerpunkt. Dreiling hatte in seinem Skript die Grundlagen für richtiges Aussprechen beim Chorsingen abgedruckt. Geübt wurden das gemeinsame Absprechen, Gleichklang der Vokale und singerichtiges Trennen von Silben. Verdammt schwer das Wort Rhythmus, das auf dem Blatt grammatikalisch richtig getrennt war, als Rhy – thmus zu singen, aber Dreiling war beharrlich und schließlich gab es „thmus“.
Die Münder der Wise-Guys und deren Stimmbänder waren die Anschauungsobjekte in einem Film in dem das Organ der Sänger dargestellt wurde. Diese kleinen, schleimigen Stimmlippen sind nicht unbedingt als ästetisch schön zu bezeichnen aber es trifft der Song der Wise-Guys zu: „Über sechzig Muskeln geben Gas, doch das Allerbeste: Singen macht Spaß!“

.... der Sopran muss vorsingen

Diesen Spaß gab es auch noch in der Trinkstube, in der die meisten der Kursteilnehmer den anstrengenden Tag bei einem oder mehreren Getränken mit viel Sing und Sang ausklingen liesen. Hier waren dann die Männer klar im Vorteil, denn es waren keine Bewegungen sondern gemeinsames Repertoire gefragt und das hatten die Männer drauf, wogegen die „Jungen“ gerade mal einen „Lion sleeps tonight“ zu Wege brachten.
Nach einem ausgiebigen Frühstück startete am Sonntag um 10 Uhr das Restprogramm. Motiviert wurde gleich intensiv und lautstark intoniert und Dreiling mahnte: „Im Starken schwach beginnen“, denn schließlich bräuchte man die Kraft noch. Das Gelernte vom Vortag wurde wiederholt und verfeinert. Dreiling erklärte auch, dass in den Noten nur die halbe Wahrheit stehen würde und z.B. das Anschlagen einer Synkope nicht in Notenschrift dargestellt werden könne aber eben das Besondere ausmache.
Dann war auch schon wieder Mittag und ein intensives und abwechslungsreiches Chorwochenende war zu Ende. Der Regionsvorsitzende Andreas Mayer bedankte unter sich unter dem Applaus der Teilnehmer bei Marcel Dreiling und mit dem Kanon „Gu- gu- guten Appetit“ ging es noch einmal in die gute Küche der Bauernschule.

Klaus Haid, 20. Mrz 2013, Chorgattung, Fortbildungen, Oberschwäbischer Chorverband, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentare geschlossen.

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