„Nostalgie pur“ beim Liederkranz Kornwestheim

 Ensemble „Les Favoris“ der PH Ludwigsburg ebenfalls dabei

Den Schatzmeister des Liederkranz dürfte es gefreut haben: Trotz maximaler Bestuhlung platzte der restlos ausverkaufte Martinisaal aus allen Nähten. Die Strategie des Abends war aufgegangen: Hatte man doch unter dem Motto „Nostalgie pur“ dem Publikum gleich zwei Konzerte zum Preis von einem verkauft. Zum Konzert des Liederkranzes kam nämlich noch ein zweites hinzu – nach der Sektpause bot das Männerensemble „Les Favoris“ der PH Ludwigsburg mit seinem professionellen Auftritt ein weiteres eigenständiges Konzert.

Mit „Wochenend’ und Sonnenschein“ – passend zum gefühlten Frühlingsanfang – eröffneten die Sänger unter ihrem umsichtigen Leiter Werner Klein den Abend: Mit der sauberen Intonation, präziser Rhythmik im flotten Tempo und deutlicher Artikulation wurde der Comedian-Harmonists-Evergreen zum stimmungsvollen Auftakt und zugleich Hörvergnügen für mit mitwippenden Zuhörer.

Dass beim Thema Nostalgie auch die herrlichen Filmmelodien als alten UfA-Zeiten nicht fehlen dürfen, bewies der Chor mit einem Medley von Werner Richard Heymann’s berühmten Klassikern wie „Ein Freund, ein guter Freund“, „Es führt kein and’rer Weg zur Seligkeit“, oder „Liebling, mein Herz lässt dich grüßen“. Beim Medley berühmter Gershwin-Melodien zeigte sich der Chor stilistisch wandlungsfähig. Auch die Welt des Singspiels wurde gestreift: Mit den zündenden Melodien aus Ralph Benatzky’s „Im weißen Rössl“ riss der Chor spätestens bei der schunkelnd vorgetragenen Titelmelodie das begeisterte Publikum zu spontanem Beifall hin.

Echte Nostalgie kam dann wieder bei Gerhard Winkler’s bekannten Italo-Schlagern aus den Nachkriegsjahren auf: Dem Charme der Melodien, wie etwa Bella, bella Donna“, oder den „Capri-Fischern“ konnte sich keiner der manchmal leise mitsummenden Zuhörer entziehen.

Dass der Verein über begabte Einzelsolisten verfügt, wurde auch bei diesem Konzert wieder deutlich: Werner Knoll ließ seinen schwarzen Bass erst anrührend lyrisch bei „Heimat, deine Sterne“ ertönen, um dann wieder im berühmten „Ja, das Schreiben und das Lesen“ aus dem „Zigeunerbaron“, seine komödiantische Seite in Kostüm und mit Stoffschwein auszuleben. Andreas Dettke wandelte erst als Violinist auf den Spuren eines swingenden Gypsy-Jazz-Geigers in Benny Goodmans „Stompin’ at the Savoy“, um dann später noch im „Wolgalied“ von Franz Lehár als Tenor zu glänzen. Auch Siegfried Straub ließ seine kultivierte Tenorstimme in Lincke’s „Es war einmal“ solistisch hören. Zum echten Faktotum des Abends wurde Holger Frank Heimsch. Zum einen legte er immer wieder schöne Proben seines stimmlichen und komödiantischen Talents ab, zum anderen brachte er mit seinen witzigen Überleitungen das Publikum zum Schmunzeln.

Mit großem Applaus für Chor, Solisten und die stets einfühlsame Combo mit dem souveränen Harald Sigle am Klavier und den erfahrenen Joe Kukula am Schlagzeug und Thomas Schmitz am E-Bass endete mit dem Medley „Melodien zum Verlieben“ der erste Programmteil eines überaus gelungenen Chorkonzerts mit den 30 Sängern des Liederkranzes, die natürlich nicht ohne Zugabe die Bühne verlassen durften.

Nach der Pause verblüffte das 10 Mann starke und ebenfalls von Harald Sigle begleitete Profi-Ensemble „Les Favoris“ der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg – darunter auch wieder der umtriebige Tenor Holger Frank Heimsch – unter seinem Leiter Andreas Eckhardt das Publikum mit einem Feuerwerk ausgefeilter Arrangements, solistischen Darbietungen, A-cappella-Gesängen, oder Cajon-begleiteten musikalischen Leckerbissen auf höchstem Niveau: Ob Comedian-Harmonists-Nostalgie, Schubert-Lieder, Grönemeyer-Songs, oder der „Mir im Süden“-Hymne der Gruppe Füenf: Plötzlich war man aus „der schönen Welt des Männerchors“ in eine zeitgemäße, witzige und CD-reife, hervorragend dargebotene Performance geraten, die in der Profi-Liga agiert.

Zum gemeinsamen Finale versammelten sich beide Ensembles noch einmal auf der Bühne und verabschiedeten sich mit dem Klassiker der Comedian-Harmonists „Veronika, der Lenz ist da“. Standing Ovations des begeisterten Publikums, begleitet von nicht enden wollendem Applaus und verbunden mit der Forderung nach weiteren Zugaben, die auch gerne gewährt wurden, waren der verdiente Lohn an alle Interpreten des Abends als Dank für ein überaus gelungenes und niveauvolles Chor- und Solistenkonzert.


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Claudia Weise, 21. Apr 2013, Chöre 50+, Chorverband Friedrich Schiller, Junge Chöre, Männerchöre, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentare geschlossen.

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