Warum sie erfolgreich sind – Der MGV Lorch

Von anderen lernen – das ist Sinn dieser Reihe. Was machen sie anders, diese Vereine? Wie haben sie die Herausforderungen gemeistert? Wie sahen sie sich gestern, wie sehen sie sich heute, wie blicken sie in die Zukunft? Unsere Mitarbeiterin Heike Weis war diesmal zu Gast beim MGV Lorch und sprach mit der 2. Vorsitzenden des Vereins und Chorvorstand des pop-chörles, Marion Lindenberger.

SINGEN: Der MGV Lorch zählt zu den Vereinen, bei denen ein traditioneller neben einem jüngeren gemischten Chor existiert, und das bereits seit mehr als 20 Jahren. Beschreiben Sie doch bitte kurz, aus welcher Situation heraus 1992 ´s pop-chörle gegründet wurde.

MGV Lorch: Rolf Kocheise, der den gemischten Chor 1990 übernommen hatte, wollte das musikalische Repertoire erweitern. Der „Junge Chor“ wurde gegründet mit elf Leuten, teils aus dem traditionellen Chor, teils neu dazugekommen. Man wollte jazzige, swingende Titel finden, Spirituals und Gospel, so wie es damals „in“ war, dazu Folklore aus fremden Ländern in Originalsprache. Die deutsche Sprache wurde anfangs meist gemieden, man sang auswendig und versuchte sich in rudimentären Anfängen von ein bisschen Choreographie. Ziel war es, junge Leute anzusprechen, Nachwuchs zu finden und den Verein zu verjüngen.

SINGEN: Wurden die damaligen Erwartungen in der Zwischenzeit erfüllt?

MGV Lorch: Das Hauptziel, junge Leute um die Zwanzig in den Verein zu holen, wurde leider so nicht erfüllt. Das „pop-chörle“, wie es nach einem langen Namenssuch-Prozess genannt wurde, hatte enormen Zulauf. Sängerinnen und Sänger kamen nicht nur aus Lorch, sondern auch aus der Region. Damals war die Kategorie „Junger Chor“ in den Vereinen noch nicht so verbreitet. Der Chor wuchs – und schrumpfte wieder. In der „Hoch-Zeit“ waren es um die 50 Sängerinnen und Sänger, momentan sind es knapp über 30. Leider fehlen die ganz jungen Leute, die man so gerne im Verein hätte.

SINGEN: In Lorch ist 2001 etwas gelungen, was vielerorts diskutiert wird, jedoch meist an Egoismen einzelner Vereine scheitert: Männer aus drei Vereinen schlossen sich zu den „Lorcher Männerchören“ zusammen. Wie schwer war dieser Schritt und wie stehen die Beteiligten heute dazu?

MGV Lorch: Der Schritt war schwer, ist aber gut gelungen. Die Egoismen waren vorhanden, vor allem auch, weil es zwischen Teilorten Lorchs nicht immer nur friedlich zuging. Jeder der Orte – Lorch, Waldhausen und Weitmars – hat einen eigenen Gesangverein und hatte einen Männerchor. Es war ja schon schwer, gemischte Chöre zu etablieren, aber nachdem die älteren Männer immer weniger wurden und junge nur ganz spärlich nachkamen, musste man neue Wege suchen – und hat einen sehr guten gefunden: Die „Lorcher Männerchöre“!

SINGEN: Wo sind die Männer organisatorisch angesiedelt und wie werden die Finanzen gehandhabt?

MGV Lorch: Der Chor läuft unter dem Dach des MGV Lorch, der Chorvorstand gehört zum Vorstandsgremium des MGV. Die Männer sind in allen drei Vereinen angesiedelt, singen auch zum Teil in ihren gemischten Chören mit, der Chorleiter wird anteilig bezahlt, der Mitgliedsbeitrag geht an den eigenen Verein.

SINGEN: Muss immer darauf geachtet werden, dass der Chor bei allen drei Vereinen gleichermaßen in Erscheinung tritt und ist das manchmal schwierig?

MGV Lorch: Der Männerchor gestaltet sein Programm unabhängig von den drei Vereinen (abgesehen von Terminabsprachen), tritt als „Lorcher Männerchöre“ in Erscheinung, wird auch so engagiert. Bei passenden Gelegenheiten unterstützt man die einzelnen Vereine.

SINGEN: Wenn man die Terminliste betrachtet, stellt man fest, dass sich die Chöre gegenseitig bei der Bewirtung und Ausrichtung von Veranstaltungen unterstützen. Sind hier die erwachsenen Chöre wirklich zusammengewachsen und liegt darin der Erfolg begründet?

MGV Lorch: Anfangs war es ein sehr steiniger Weg. „Könnet ihr net deutsch singa, immer des ausländische Glomp!“ ist nur eines der vielen Vorurteile, die dem „Jungen Chor“ entgegengebracht wurden. Da viele neue Noten angeschafft wurden, man zu den Konzerten eine Band engagierte, die Dirigenten teurer wurden als früher, wurde dem jungen Chor vorgeworfen, lang angespartes Vereinsvermögen zu verschleudern.

Anfangs gab es jedes Jahr ein gemeinsames Konzert der drei Chöre. Es wurde aber zunehmend schwieriger, ein Publikum für solche Veranstaltungen zu finden, da doch jeder Chor sein eigenes Profil hat. Nun ist es so, dass jeder der Chöre eigene Veranstaltungen hat, jeweils vom nicht singenden Teil der Mitglieder tatkräftig unterstützt. So findet auch jede Sparte ihr Publikum. Mit viel Geduld und Fingerspitzengefühl der im Laufe der Jahre agierenden Chorvorstände wuchs zusammen, was sich unter einem Vereinsdach tummelt.

Bei Großveranstaltungen, die der Kasse des Vereins und der Image-Pflege dienen (Stadtfest, Kuttelfest) arbeiten alle zusammen. Mittlerweile unterstützen sich auch die Vereine bei singfremden Tätigkeiten – so hat z.B. der Waldhäuser Verein die Lorcher tatkräftig unterstützt bei der Organisation des „Festivals der Jungen Chöre“.

SINGEN: `s pop-chörle nimmt Termine wahr, die in anderen Vereinen eher den Traditionschören zugeordnet sind, wie z.B. das Singen beim Volkstrauertag. Ist das der Beginn einer „Wachablösung“ oder denken Sie, dass es auch in 10 Jahren noch beide gemischten Chöre nebeneinander geben wird?

MGV Lorch: Wer weiß schon, was die Zukunft bringt? Die Altersstruktur der „Schelmenklänge“ bewegt sich etwa ein bis eineinhalb Jahrzehnte über dem pop-chörle, aber…

SINGEN: Auch sogenannten „Junge Chöre“ werden bekanntlich älter. Wie sieht es bei Ihnen mit dem Nachwuchs aus?

Anstrengung und Bemühung um Nachwuchs, z.B. Zusammenkünfte mit den Musiklehrern der Lorcher Schulen, zeitlich begrenzte Projekte, Chorreisen als Anreiz, Werbung mit Flyern etc. gibt es immer, leider erfolglos. Gisela Gräßle-Derer, die den Chor seit zwei Jahren leitet, sieht die Zukunft so:

„Nach dem 20-jährigen Jubiläum des Chores gilt es nun, für die Zukunft vielfältige Herausforderungen zu meistern. So sind die Zielsetzungen klar definiert: Die Leistungsfähigkeit und der Chorklang sollen weiter gesteigert und neue, auch jüngere Mitglieder gewonnen werden. Die Chormitglieder lassen sich auf viel Neues ein, singen allein genügt heute nicht mehr, um junge Sängerinnen und Sänger anzusprechen. Rhythmische Bewegungen oder Choreografien werden zu den Liedern erarbeitet, professionelle Stimmbildung gehört ganz selbstverständlich zu jeder Chorprobe, ebenso Artikulationsübungen zur besseren Textverständlichkeit. Ambitioniert feilt ´s pop-chörle ständig an all diesen Punkten und gewinnt derzeit bei Auftritten in Lorch und Umgebung immer neue Fans und Mitstreiter.“

SINGEN: In der Vereinschronik wird von einer Kinder- und Jugendchorgründung 1997 berichtet. Was ist daraus geworden?

MGV Lorch: Der Chor hielt sich ein paar Jahre mit schwindenden Zahlen; Jungen waren Mangelware. Trotz zusätzlicher Angebote wie Spielnachmittage, Ausflüge usw. verlief alles im Sande. Das Angebot in Lorch und Umgebung ist sehr groß, die Kids sind zeitlich ausgelastet…

SINGEN: Anfang des Jahres erhielt der gemischte Chor auf Vorschlag aus den Reihen der Chormitglieder den  Namen „Schelmenklänge“. Gibt es auch Überlegungen, den „Männergesangverein“ (MGV) zu ersetzen, der ja die heutige Vereinsstruktur nicht mehr treffend beschreibt oder will man hier eher eine Tradition erhalten?
Man darf die Tradition eines langen Vereinslebens ruhig nach außen tragen. Unser Verein trägt nach wie vor den traditionellen Namen „Männergesangverein Lorch“, hat aber „Unterabteilungen“, wie es z.B. in Sportvereinen auch üblich ist – und so wollen wir das auch vermitteln.
Wir bemühen uns um ein modernes Erscheinungsbild: Logo, website, Teilnahme an „Events“ (z.B. Hochzeitsmesse,  Swinging X-mas), entsprechende Chorkleidung usw. http://www.mgv-lorch.de/

Heike Weis

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