Professionelle Sänger müssen jeden Tag in einem Chor singen

Berufsbild Chorsänger

„Es ist eine Katastrophe“, sagt Simon Halsey, Chefdirigent des Rundfunkchor Berlin, über die Ausbildung der Sänger in Deutschland mit Blick auf die professionellen Chöre. In amerikanischen Universitäten, wie in Yale, ist der Ensemblegesang die Regel. Einen Arbeitsmarkt für professionelle Ensemblesänger gibt es nicht. In den profesionellen deutschen Chören sind unzählige Stellen unbesetzt, ein akademisches Studium dafür gibt es nicht. Welche Herausforderungen sich daraus für den Chorverband und die Chöre ergeben, das diskutierte ein Roundtable auf der chor.com.

Einigkeit herrschte darüber, dass eine solche professionelle Ausbildung notwendig ist. Das Berufsbild des professionellen Ensemblesängers ist kaum vorhanden. Die Studenten an den Musikhochschulen werden von Dozenten, die selbst überwiegend solistisch arbeiten, auf eine solistische Karriere vorbereitet. Häufig unterbinden Gesangsdozenten und -professoren das Singen in Chören während des Studiums. Hier, so Prof. Robert Göstl von der Hochschule für Musik, Theater und Tanz in Köln, schwingt oftmals die Angst vor schlechten Chören und schlechten Chorleitern mit, die die gesunde Entwicklung der Stimme beeinträchtigen. Wie wichtig eine gute Kenntnis der eigenen Stimme ist, und damit einer konzertfreifen solistischen Ausbildung, unterstreicht auch Elisabeth Graf, Sängerin im WDR Rundfunkchor.

Die Hochschule Düsseldorf hat nun, als erste in Deutschland, ein professionelles Gesangsensemble eingerichtet, welches Gesangstudierenden im Masterstdium den Schwerpunkt Ensemble ermöglicht. Auf der Seite der professionellen Chöre wurden in Leipzig, Berlin und Stuttgart Akademien eingerichtet, welche Gesangstudierenden ermöglicht den Alltag eines professionellen Chores, sowohl musikalisch als auch sozial kennenzulernen.

Die Schwierigkeit bei der Etablierung der begonnenen Aktivitiäten zeigen jedoch deutlich, dass ein Wandel in den Köpfen noch aussteht. Professionelle Ensemblestellen werden viel zu häufig noch als Notalternative für nicht erfolgreiche Solistenkarrieren gesehen. Andererseits sehen Chorsänger mit den Berufsziel eines professionellen Chores in den Hochschulen noch keine adäquate Ausbildunsstätte. Diesen Wandel in Gang zu bringen und mitzugestalten ist vorallem auch Aufgabe der Chorverbände. Dass der Deutsche Chorverband diese Aufgabe gerne angeht unterstreichen Moritz Puschke, künstlerischer Geschäftsführer des DCV, und Robert Göstl in seiner Funktion als Bundesvorsitzender der Deutschen Chorjugend.

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Johannes Pfeffer, 14. Sep 2013, Chorfest/chor.com, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentare geschlossen.

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