Mythos Loreley – Sonderausstellung im Silcher Museum

Zur Loreley-Ausstellung des Silcher-Museums
Am 13. April eröffnet das Museum eine Sonderausstellung zur „Lore-Ley“, dem wohl bekanntesten Werk des Komponisten. Von den fast ausschließlich aus der Sammlung des Museums stammenden Exponaten sind viele zu ersten Mal zu sehen. Sie führen durch die Geschichte des Liedes von seinen Anfängen bis zur Gegenwart.

Mit dem „Mythos Loreley“ haben sich in der Vergangenheit bereits mehrfach literatur- und kulturgeschichtliche Ausstellungen beschäftigt, vor allem im Rheinland. Silchers berühmtes Lied, dessen Melodie bekanntlich nicht am Rhein, sondern am Neckar entstand, wurde dabei zwar stets, aber immer nur am Rande mit aufgeführt. Jetzt ist es Zeit, dass ihm eine eigene Ausstellung gewidmet wird.

Im Silcher-Museum wird es dazu Einiges zu sehen geben – nur eines nicht: den einzigen Autographen von Heines „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten“. Um das wertvolle Dokument vor schädlichem Lichteinfluss zu schützen, wird es vom Heinrich-Heine-Institut in Düsseldorf so gut wie nie ausgeliehen und nur höchst selten ausgestellt. Das gleiche blüht nun auch den beiden bekanntesten Loreley-Handschriften im Silcher-Museum, dem Albumblatt für den Silcherschüler Kapf und dem dreistimmigen Chorsatz von Silchers Hand.
Nachdem diese Handschriften seit 1912 als „Highlights“ fast ununterbrochen in Vitrinen lagen, müssen sie nun in der Dauerausstellung durch Faksimiles ersetzt werden. Doch bevor sie Ende des Jahres ihren dunklen Ruheplatz im Museumsarchiv beziehen, werden sie jetzt sogar noch durch mehrere Originale aus dem Archiv ergänzt. Das Museum zählt nämlich noch drei weitere, bisher kaum beachtete Lore-Ley-Autographen von der Hand des Komponisten zu seinen Schätzen; ab Mitte April sind sie zusammen mit den Erstdrucken des Liedes zu sehen.

Neben diesen Dokumenten wird zusätzlich ein erst vor wenigen Jahren erworbenes Schriftstück mit neuen Informationen zur Loreley ins Licht gerückt: Die Aufzeichnungen des Tübinger Liedertäflers Pressel von 1905. Der Silcher-Schüler berichtet darin, Felix Mendelssohn Bartholdy habe Silcher in einem Brief mitgeteilt, dass er dessen Melodie in seine geplante (aber nie vollendete) Loreley-Oper aufzunehmen gedenke. Silcher muss über diese Anerkennung seitens seines „Lieblings Mendelssohn“ besonders stolz gewesen sein, denn er soll den Brief lebenslang aufbewahrt haben. Ferner berichtet Pressel, dass sich der Dichter Emanuel Geibel, der für Mendelssohns Oper das Libretto schrieb, bei einem Besuch in Tübingen das Loreley-Lied vorsingen ließ.

Nicht nur Mendelssohn und Geibel schätzten Silchers (einzige) Heine-Vertonung, die „Lore-Ley“ avancierte nach ihrer Veröffentlichung 1838 ziemlich schnell zu einem regelrechten Welthit. Sie wurde vielfach bearbeitet, neu arrangiert, aber auch verstümmelt, sentimental verkitscht und zu guter Letzt mehrfach parodiert. Auch dazu gibt es in der Ausstellung Beispiele zu lesen, zu sehen und zu hören.

Gegen den allzu lockeren Umgang mit seinen Liedern hat Silcher zwar oft, aber meist vergeblich protestiert. Eine der Loreley-Verkitschungen hat sogar Heines Text verändert, indem sie aus dem „Märchen aus alten“ Zeiten eines aus „ur-alten Zeiten“ machte; eine Änderung, die häufig Silcher selbst in die Schuhe geschoben wird. Kein Wunder, dass der Komponist bei den Heine-Fans unter den Literaturkritikern bislang keinen guten Stand hatte.

Im Dritten Reich versuchte man schließlich den Namen Heine im Zusammenhang mit der Loreley zu anonymisieren. Die Behauptung, das beliebte Lied sei damals mit dem Vermerk „Dichter: unbekannt“ veröffentlicht worden, gehört allerdings selbst ins Reich der Legende. Aber man hat den Namen des jüdischen Autors bewusst verschwiegen, so z.B. in einer Ausgabe von 1935, die ebenfalls in der Ausstellung zu sehen ist: Dort, wo bei den anderen Liedern des Buches der Name des Dichters aufgeführt ist, findet man bei der Loreley nicht den Namen „Heine“, sondern das Wort „Volkslied“.

Die nationalistische Ideologisierung des „Volkslieds“ hat dem Image dieses Liedguts, auch dem der „Lore-Ley“, nachhaltig geschadet, und es hat lange gedauert, bis sich die jüngere Generation ihm wieder unbefangener zuwenden konnte. Achim Reichels rockige Version des Silcher´schen Liedes (auch sie ist in der Ausstellung vertreten) zeigt, wie mitreißend man die Loreley inzwischen wieder interpretieren kann. „Erstmal musste ein 4/4-Takt her“, so Reichel zu seiner Version, „und da fiel mir auf, wie klasse eigentlich die Harmonien sind. Dann kamen die irischen Einflüsse und das Cajun-Gefühl dazu. Der Germane hängt eben nicht nur am Rhein rum, sondern hat mittlerweile die Welt gesehen.“ Und die Welt spielt, singt und hört seit 1838 Silchers „Lore-Ley“ in unzähligen Variationen.

 

Wolfgang Layer, 10. Apr 2014, Chorverband Friedrich Silcher, Gaue und Verbände, Singen und Stimme, Themen, Veranstaltungen, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentare geschlossen.

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