Wie setze ich im Chor eine Beschallungsanlage ein?

Die Konzerte vieler Vereine werden immer aufwendiger und bühnentechnisch ausgeklügelter. Dazu gehört mehr denn je der Einsatz großartiger Beschallungsanlagen auf. Sei es um in großen und schlechttragenden Turnhallen überhaupt gehört zu werden, oder um gegen eine Rockband durchzukommen.

Im folgenden haben wir für Sie einiges Wissenswertes und Tipps zum Thema Beschallung zusammengestellt.

Beschallung, wozu eigentlich?

Eine Beschallung wird immer dann notwendig, wenn die Gefahr besteht, dass der Chorauftritt aufgrund der akkustischen Situation (sehr großer Raum, schlecht klingender Raum, laute Umweltgeräusche) nicht beim Publikum zu hören ist. Eine Beschallungsanlage kann auch einzelne Solisten oder Instrumente hervorheben um diese präsenter im Raum zu machen. Desweiteren können über die Beschallungsanlage Effekte eingesetzt werden oder Einspielungen gemacht werden. Auch für Ansagen ist eine Anlage von Vorteil.

Technische Grundlage

Jede Beschallungsanlage besteht in den Grundzügen aus drei Teilen, es sind dies:

  1. Signalabnahme und Umwandlung (Mikrofon)
  2. Signalbearbeitung und -verstärkung (Mischpult, Endstufe)
  3. Signalausgabe (Lautsprecher)

Der Chorgesang wird vom Mikrofon in ein elektrisches Signal umgewandelt und durchläuft die Anlage in dieser Reihenfolge.

Kleine Mikrofonkunde

Es gibt bei Mikrofonen zwei Hauptmerkmale zur Unterscheidung, dies sind die Bauart und die Richtcharakteristik.

Es gibt zwei wichtige Bauarten für Mikrofone:

  1. Dynamische Mikrofone: Diese eignen sich hervorragend zur Abnahme von Solisten, auch in lauterer Umgebung. Aufgrund ihrer robusteren Bauweise können damit auch laute Quellen, wie Gitarrenverstärker abgenommen werden. Dynamische Mikrofone sollten etwa 10 cm vom Mund entfernt sein um einen optimalen Klang zu erzielen.
  2. Kondensatormikrofone: Diese sind empfindlicher, auch was die Signalaufnahme anbelangt. Hiermit können gut leisere Instrumente, aber auch eine größere Gruppe von Menschen aus etwas Entfernung abgenommen werden. Kondensatormikrofone benötigen eine Hilfsspannung, die sogenannte Phantomspannung. Diese kann aus dem Mischpult oder von Batterien kommen.

Die Richtcharakteristik beschreibt wo um das Mikrofon herum die Schallquelle am besten gehört wird. Typische Bauweisen sind Kugel (nimmt um das gesamte M. herum gleichmäßig auf), Niere (nach vorne gerichtete Aufnahme) und Superniere (noch zentrierter nach vorne). Je nach Einsatz sollte auf die richtige Richtcharakteristik geachtet werden.

Wie die Mikrofone aufgestellt werden um einen Chor abzunehmen empfiehlt es sich auszuprobieren. Die Situationen sind so individuell, dass hier kein genereller Rat gegeben werden kann. Jenachdem wie viel Signal benötigt wird (z.B. wenn man mit einer Band spielt mehr) muss die Anzahl der Mikrofone geplant werden. Die Mikrofone sollten jedoch (vom Publikum aus gesehen) hinter den Lautsprechern stehen.

Signalbearbeitung, -verstärkung

Im Mischpult laufen alle Signale der Mikrofone oder Instrumente zusammen und hier wird der Mix erstellt, der nachher wieder beim Publikum oder auf den Monitoren* ankommen soll. Hier können auch diverse Effekte eingesetzt werden, wie Hall, Kompressoren* o.ä.

Nach dem Mischpult ist die Endstufe geschaltet, diese verstärkt das Signal so stark, dass aus den Lautsprechern am Ende überhaupt etwas zu hören ist.

In sogenannten Powermixern ist die Endstufe im Mischpult bereits integriert. Diese sind eine sehr praktikable Lösung für kleinere/mittlere Anwendungen, bei denen das Material schnell aufgebaut sein soll und einfacher zu bedienen.

Signalausgabe

Letztendlich landet das Signal beim Lautsprecher um wieder in ein akkustisches Signal umgewandelt zu werden, welches dann zum Zuhörer geschickt wird.

Lautsprecher sollten im Idealfall auf beiden Seiten stehen um den Zuhörern einen ausgewogenen Klang zu bieten. Am besten ist eine Beschallung von leicht schräg oben, also nicht ganz direkt, besonders auch bei sehr lauten Tönen.

Beim Aufstellen der Lautsprecher kann deren Position am besten aufgespürt werden, in dem man eine CD mit bekannter Musik einlegt und die Lautsprecher solange bewegt, bis die Musik überall optimal zu hören ist.

Kleine Helferlein und Tipps

  • Mikrofone am besten am Mischpult beschriften, so findet man während des Konzerts ohne überlegen schnell das richtige.
  • Beim Anschließen von Instrumenten kann ein unangenehmes Brummen entstehen. Um dies zu vermeiden empfiehlt es sich eine D.I.-Box dazwischen zu schalten. Diese trennt die beiden Stromkreise.

Wichtiges für Chöre

Eine Beschallungsanlage sollte gut überlegt sein. Manchmal ist ein naturbelassener Chorklang viel angebrachter, dieser ist dazu noch mit bedeutend weniger Aufwand verbunden. Dabei ist laut nicht immer besser, wichtig ist, dass der Chor überall möglichst gleichmäßig zu hören ist.

Die Beschallungsanlage überträgt alles auf der Bühne also auch Gemurmel, Geraschel und Schuhgeklapper, darauf gilt es alle Chormitglieder hinzuweisen.

Grundsätzlich gilt: Nur wenn ein ausgewogener, kräftiger Chorklang vom Chor kommt, kann dieser auch so verstärkt werden. Eine Beschallungsanlage ersetzt keine Chorprobe und keine Stimmbildung.

Kleines Lexikon

Klinke – Kabel mit einem Stecker, der z.B. in Intrumente passt oder auch in Kopfhörerausgänge, je nach Größe

Monitor – Lautsprecher auf der Bühne, der es den Musiker ermöglicht sich selbst besser zu hören.

P.A. – Damit wird die gesamte technische Einrichtung zur Aufnahme und Wiedergabe akkustischer Signale, z.B. des Chorgesanges beschrieben. ->Beschallungsanlage

XLR – üblicher Steckertyp für Mikrofone

Kompressor – kann das Signal abflachen um eventuell unangenehme Spitzen auszugleichen

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Johannes Pfeffer, 19. Aug 2014, Chorpraxis, Singen und Stimme, Veranstaltungen, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentare geschlossen.

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