Workshoptag des Landesmusikverbands und der Landesmusikjugend zur interkulturellen Öffnung in der Amateurmusik

Wo bleiben die MigrantInnen?

Ein Projekt aus den Reihen des Schwäbischen Chorverbandes. Silvia Himmelseher präsentierte ein erfolgreiches interkulturelles Chorprojekt der Chorvereinigung Weil der Stadt. Foto: Isabelle Arnold

Ein Projekt aus den Reihen des Schwäbischen Chorverbandes. Silvia Himmelseher präsentierte ein erfolgreiches interkulturelles Chorprojekt der Chorvereinigung Weil der Stadt. Foto: Isabelle Arnold

In Deutschland leben zahlreiche Menschen mit Migrationshintergrund – teilweise in der zweiten und dritten Generation. Und immer mehr Angehörige anderer Kulturen kommen zu uns. Da wäre es doch naheliegend, dass unsere Vereine der Amateurmusik aus diesem Potential Zulauf bekommen. Schließlich vermag gerade Musik über kulturelle Grenzen hinweg zu verbinden und zur Integration beizutragen. Es bleibt aber bei Einzelfällen.

Der Landesmusikverband (LMV) und die Landesmusikjugend (LMJ) haben dem Thema Interkulturelle Öffnung einen Workshoptag gewidmet, um gemeinsam mit Vertretern der Führungsgremien unserer Vokal- und Instrumentalverbände nach Lösungsansätzen zu suchen. In seiner Begrüßung unterstrich LMV-Präsident Christoph Palm, dass ohne interkulturelle Kompetenz keine wirkliche Integration von Menschen aus anderen Kulturen gelingen kann. Eine wichtige Aufgabe habe dabei die Musik, denn „Kultur und Musik leben vom Austausch“.

Interkulturelle Kompetenz in Musikverbänden war dann auch das Thema eines der beiden Workshops. Die Referentin Meral Sagdic bezeichnet interkulturelle Kompetenz als die Fähigkeit, mit dem vermeintlich „Fremden“ angemessen, souverän und konstruktiv umzugehen und entwicklungsfördernde persönliche Lernerfahrungen zu machen. Interkulturelle Öffnung sei ein Konzept aus dem Bereich der Organisationsentwicklung, das sich mit Veränderungsprozessen befasst. Ziel sei es, Menschen mit Migrationsbiographie den Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen, Diensten und Einrichtungen zu erleichtern und ihre Teilhabe- und Mitwirkungsmöglichkeiten zu fördern. Dass dies nicht dem verbreiteten Wunsch nach reiner personeller Verstärkung der Chöre und Orchester entspricht, wurde in der lebhaften Diskussion rasch deutlich.

Im zweiten Workshop über Ansätze kultureller Öffnung fragte der Referent Dr. René Kegelmann nach Wegen, um interkulturelle Angebote für migrantische Zielgruppen zu gestalten und diese nach innen und außen zu kommunizieren. Die Vorschläge aus dem Auditorium wiesen in die richtige Richtung – nicht Einbahnstraße im Sinn von Assimilation, sondern als echte Interkulturalität mit gegenseitiger Bereicherung. Nicht erschöpfend beantwortet werden konnte die Frage, wie sich das Interesse von MigrantInnen an einer Zusammenarbeit wecken lässt.

Dass es erfolgreich gelingen kann, zeigten die die Präsentationen von drei Best-Practice-Beispielen: im Bund Deutscher Zupfmusiker mit der türkischen Laute Balagma im Musikschuluntericht, das Projekt „Aysenur und Felix singen am liebsten Frère Jacques“ der Chorvereinigung Weil der Stadt und „Cosi fan Tutte goes Syria“ von Cornelia Lanz (Verein Zuflucht Kultur e.V.).

Erst der Beginn eines Prozesses

In der abschließenden Podiumsdiskussion ging es um das richtige Verständnis von interkultureller Öffnung. Von links: Marlene Seckler (Moderatorin), Dr. Max Bernlochner (Ministerium für Integration), Christoph Peichl (Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst), Hans-Martin Werner (Ministerium für Kultus, Jugend und Sport), Tilmann Heiland (Landesmusikjugend), Derya Aydin (Verein Bildung Kultur Musik e.V.), Cornelia Lanz (Verein Zuflucht Kultur e.V.). Foto: Isabelle Arnold

In der abschließenden Podiumsdiskussion ging es um das richtige Verständnis von interkultureller Öffnung. Von links: Marlene Seckler (Moderatorin), Dr. Max Bernlochner (Ministerium für Integration), Christoph Peichl (Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst), Hans-Martin Werner (Ministerium für Kultus, Jugend und Sport), Tilmann Heiland (Landesmusikjugend), Derya Aydin (Verein Bildung Kultur Musik e.V.), Cornelia Lanz (Verein Zuflucht Kultur e.V.). Foto: Isabelle Arnold

In der abschließenden Podiumsdiskussion, an der sich auch Vertreter des Kultusministeriums, des Wissenschaftsministeriums und des Integrationsministeriums beteiligten, ging es immer wieder um das richtige Verständnis von interkultureller Öffnung, die keine Einbahnstraße sein könne. Dies wurde mit manchen konkreten Beispielen untermauert, nachvollziehbare Rezepte ergaben sich jedoch noch nicht. Daher wies der Vorsitzende der Landesmusikjugend, Tilmann Heiland, in seinem Schlusswort darauf hin, dass der Workshoptag als Beginn eines Prozesses zu verstehen sei, an dem es jetzt weiterzuarbeiten gelte.

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