Der Gesangverein Kressbronn präsentierte ein eigenes Musical

 Drei Veranstaltungen am 8. 9. und 15. November waren ausverkauft

OLYMPUS DIGITAL CAMERADer gemischte Chor „Kresscendo“ des Gesangvereins Kressbronn wagte sich an ein Projekt,das für einen Ort dieser Größe eher ungewöhnlich ist, die Uraufführung eines größeren musikalischen Bühnenwerks. Ein nicht nur finanzielles Risiko, doch die intensive Arbeit aller Akteure und der Mut, Neuland zu betreten, wurde mit stehenden Ovationen des Publikums belohnt. Das Musical „Der glückliche Prinz“ nach einem bei uns eher unbekannten Märchen von Oscar Wilde wurde dem Chor von Chorleiter und Komponist Stefan Marinov auf den Leib geschrieben. In dem Kressbronner Ralph Kolars fand er einen ihm entsprechenden Librettisten. In einem kreativen Dialog übertrugen sie die Geschichte aus dem London des 19. Jahrhunderts in die „Stadt“ Europa der Gegenwart: Eine Schwalbe landet auf dem Weg nach Süden in der Stadt und sucht sich als Nachtquartier den Sockel der Statue des „glücklichen Prinzen“ aus. Er ist der Stolz der Bürger, verziert mit Gold und Edelsteinen. Obwohl es nicht regnet, tropft es von oben – die Statue weint. Ein glücklicher Prinz, der weint?

Jetzt, da er als Denkmal in der Stadt steht, sieht er das Elend der Menschen, mit dem er zu Lebzeiten in seinem Palast nie konfrontiert wurde. Er will helfen, obwohl sein Herz aus Blei ist und er unbeweglich auf seinem Sockel verharren muss. So bittet er die Schwalbe, ihm zu helfen, das Leid zu lindern. Doch der Winter ist nah, sie darf den Abflug nicht verpassen. Dennoch hilft sie ihm. Sie bringt alles, was den Prinzen schmückt zu den Armen. Er schickt sie zu den Roma, die aus Not ihr Kind verkaufen mussten, zu den Bootsflüchtlingen, die vor Lampedusa strandeten, zu einem Banker, der sich aus Verzweiflung über den Finanzcrash das Leben nehmen will. Schließlich ist die Statue völlig unansehnlich geworden und für den Abflug ist es viel zu kalt. Dem Prinzen bricht das Herz aus Blei und einsam stirbt die Schwalbe. Die Bewohner lassen die Statue abreißen, der tote Vogel wird von der Straße gefegt. Was bleibt, ist die Einsicht, dass die Menschlichkeit eines Stücks Bronze und einer Schwalbe größer sein kann als die der Menschen selbst. „Lernt zu lieben, dann werdet ihr uns verstehen“, lautet die Botschaft der beiden im Epilog.

OLYMPUS DIGITAL CAMERADie anfängliche Skepsis der Chorsänger wich sehr schnell der Begeisterung über die wunderschöne, abwechslungsreiche Musik mit verschiedensten Stilelementen von an Barockmusik erinnernden Fugati, Anklängen an osteuropäische und afrikanische Folklore, bis hin zu Jazz- und Rockrhythmen. Auch die anfangs als etwas sperrig empfundenen, wortgewaltigen Texte offenbarten zunehmend ihre Intensität und fügten sich im Lauf des Probenjahrs zu einem runden Ganzen.
Mit Veronika Vetter und Karin Natterer als Schwalbe sowie Martin Mairinger und Marc Schwellinger in der Rolle des Prinzen konnten Solisten gewonnen werden, die in ihren Rollen sowohl gesanglich als auch darstellerisch brillierten.
Das Kammerorchester Tettnang, verstärkt mit Musikern aus der Region, verstand es, ganz wunderbar sowohl den Chor als auch die Solisten zu unterstützen. Die Gesamtleitung übernahm der Leiter der Kressbronner Musikschule und Dirigent des Musikvereins Karlheinz Vetter. Mit seinem großartigen musikalischen Verständnis vermochte er es aufs Feinste, die Arbeit aller Akteure zum großen Klang zusammenzusetzen. Komplettiert wurde die Aufführung durch wechselnde Lichteffekte, die je nach Handlung, die Akteure mal in warmes Rot, dann wieder in kaltes Blau tauchten.
„Mir sind die Tränen gekommen“ oder „Das war Gänsehautfeeling pur“ waren sehr häufige Reaktionen aus dem Publikum. Stefan Marinov und Ralph Kolars ist es gemeinsam mit allen äußerst motivierten Mitwirkenden rundum gelungen, die Menschen mit ihrem Musical zu berühren und zu begeistern.

Klaus Haid, 30. Nov 2014, Chorgattung, gemischte Chöre, Oberschwäbischer Chorverband, Singen und Stimme, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentare geschlossen.

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