Aktuelles Editorial der Zeitschrift SINGEN 2-2015

Seifert2012editLiebe Sängerinnen und Sänger, liebe Vorsitzende,

dieses Heft hat einen gewissen Schwerpunkt mit zwei Artikeln zu Vereinsauflösungen. Eine Vereinsauflösung ist immer ein schmerzhafter Schritt und Einschnitt, der dem Schwäbischen Chorverband zunehmend Sorgen bereitet. Der demographische Wandel scheint voll zuzuschlagen. Vereinsauflösungen gab es zwar immer, aber bis zum letzten Jahr haben sie sich mit Neugründungen in etwa die Waage gehalten. Bedauerlich ist, dass nicht nur „Start-Ups“, die vielleicht nur für kurze Zeit vom Charisma des Chorleiters oder der Chorleiterin lebten, betroffen sind, sondern zunehmend Traditionsvereine, die ein ehrwürdiges Alter haben. Beide Erscheinungsformen des Chorgesangs hätten ein besseres Schicksal verdient: die einen, weil sie moderne Formen ausprobieren, deren Erfolg auf Dauer freilich ungewiss ist, die anderen, weil Generationen in diesen Chor investiert haben und wir Heutigen nicht einfach dieses Erbe verspielen dürfen.

So will ich einmal Klartext schreiben: ein Verein gehört nicht einem Vorstand, der nicht mehr kann oder will. Er hat als gewachsene Gemeinschaft Anspruch darauf, dass er weitergegeben und künftigen Generationen vererbt wird, und zwar mit allem Drum und Dran.

Oft wird anscheinend verkannt, dass sich vieles ändern muss, wenn alles so bleiben soll, wie es ist und war. Der Verein muss mit der Zeit gehen, er muss sich selber ständig reformieren. Die Argumente: das haben wir immer schon so gemacht, das haben wir noch nie gemacht, da könnte ja jeder (die Jugend?) kommen, gelten nicht. Wenn wir etwas unseren Nachfolgern übergeben, wissen wir: die machen das anders, zeitgemäßer. Haben wir Angst, dass sie es besser machen?

Warum gibt es im bäuerlichen Bereich Probleme mit der Hofübergabe? Wann bekommt endlich der Winzernachwuchs das Weingut vom Vater? Ist es schlimm, wenn der Nachwuchs „seinen“ Wein macht? Übertragen Sie doch diese Frage auf die Weitergabe „Ihres“ Vereins und halten Sie es annähernd wie die katholische Kirche. Als Vereinsvorstand bieten Sie mit 75 Jahren den vollständigen(!) Rücktritt an, mit 80 Jahren vollziehen Sie ihn ohne Wenn und Aber. Sie werden sehen, welche Kräfte dies frei setzt. Und setzen Sie Ihren Stolz dafür ein, dass die Nachfolge gelingt. Das sollte Ihre vornehmste Pflicht und Ihr bester Dienst für den Chor sein.

Manche Vereine werden auch (nur) noch vom Vorhandensein eines Vereinsvermögens zusammen und am Leben gehalten. Dieses aufzubrauchen ist nicht sehr moralisch. Denn, seien wir ehrlich, ein Vermögen haben nicht wir aufgebaut, damit angefangen haben die Generationen vor uns. Es ist nicht unser Geld, es ist und bleibt das Geld des Chorvereins. Ehe sie es „verfesten“, sollten Sie bessere Ausgabeformen prüfen, z.B. die Finanzierung eines Kinder- oder Jugendchorleiters, die Investition in die Zukunft.

Machen Sie es sich also nicht leicht, wenn Sie an die Zukunft Ihres Vereins denken: Teilen Sie dem Schwäbischen Chorverband nicht traurige Entscheidungen mit, sondern lassen Sie sich helfen. In Schönheit gestorben wird nur in der Oper, vertrauen Sie lieber auf den Nachwuchs.
Ihr
Eckhart Seifert

Schlagwörter:
, , , , ,

Wolfgang Layer, 1. Feb 2015, Editorial, Gaue und Verbände, Themen, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentare geschlossen.

© 2018- Singen-und-Stimme - Weblog des Schäbischen Chorverbandes, Fritz-Walter-Weg 19 70372 Stuttgart, Tel: 07 11 / 46 36 81Die Seite für alle Sänger und Sängerinnen - Chöre, Chorvereine, Chorverbände - Kontakt - Impressum - Datenschutz buetefisch marketing & kommunikation & agentur einfachpersönlich