Vom Singen Sprechen – Erfahrungsbericht von der Weiterbildung Chormanagement

 Die Weiterbildung Chormanagement der Deutsche Chorjugend fördert junge Chormanager. Für die Ausbildung 2015/16 läuft derzeit die Bewerbungsphase. In unserem Blog berichtet Anna-Lena Schreier, Teilnehmerin des ersten Jahrgangs von der Ausbildung.

Die Chormanager in Frankfurt. Bild: Chorzeit

Die Chormanager in Frankfurt. Bild: Chorzeit

Kurz vor dem Vierten und leider auch schon letzten Modul bei chor@berlin – des wirklich tollen und sehr inspirierenden Weiterbildungskurs Projektmanagement CHOR – melde ich mich als Stipendiatin des Schwäbischen Chorverbands nun endlich wieder. Mitte September trafen wir uns als angehende Chormanager zusammen mit unseren Mentoren und Dozenten in Frankfurt am Main und Bad Homburg. Im Rahmen von »Schlussakkord Romantik«. Zu Gast waren Folkert Uhde (Konzertdesigner/ Radialsystem Berlin), Nina Ruckhaber (aktive Chormanagerin/Jazzchor Freiburg) sowie Daniel Schalz (Leiter von Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Deutschen Chorverband).

Das Konzert im Wandel

Folkert Uhde zeigte uns anhand der Tradition des Konzertlebens und der ständig währenden Veränderung der Bedürfnisse des Publikums, dass es auch im Konzertwesen eine Veränderung geben kann und diese vielleicht sogar längst überfällig ist. Inwieweit sollte man aber die Funktion des Konzertes an die aktuellen Entwicklungen anpassen? Mit dieser Frage im Hinterkopf wurde uns Chorsänger und Chorleiter bewusst gemacht, wie wichtig Innovation sein kann auch für unsere eigenen Projekte. Um mehr Leute für unsere Konzerte zu begeistern benötigen wir in unserer Zeit vielleicht eine gewisse Inszenierung um für das Publikum ein Erlebnis hervorzurufen, wodurch die Chormusik die Chance bekommen kann neu gehört zu werden. Uhde, der selbst als Konzertdesigner tätig ist und im Berliner Radialsystem mit immer neuen innovativen Ideen das Publikum überzeugt, hat uns dadurch gezeigt, dass man manchmal den Mut zeigen muss zur Innovation und eigene Ideen so in das Konzertformat einbinden sollte, dass das Publikum immer noch die Möglichkeit hat sich darin wiederzufinden und gleichzeitig jedoch auch die Chance bekommt die Musik neu zu entdecken.

Ergänzend zu Folkert Uhde konnte wir durch Nina Ruckhaber aus der Jazz- und Popchor-Szene erfahren, dass auch dort neue Formate wichtig sind und das Jazz/Pop-Konzert neu inszeniert werden kann. Vor allem der wieder neu aufgekommene Trend der improvisierten Konzerte, dem eben auch der Jazzchor Freiburg gemeinsam mit Roger Treece nachkam, und die daraus resultierenden Circle-Songs bei denen das Publikum zuvor nicht weiß, was am Ende erklingen wird und dabei selbst mit eingebunden wird, steht für Innovation genauso wie das wachsende Interesse nach Choreographien und Verbildlichungen der Musik auch in der immer stetig sich ändernden Jazz-Pop-Szene. Innovation im Konzertleben wird benötigt, um möglichst viele Facetten der Musik zu zeigen und sich trotz der langjährigen Konzerttradition immer weiterzuentwickeln und die Verbindung zum aktuellen Publikum nicht zu verlieren und auf deren Bedürfnisse einzugehen.

Öffentlichkeitsarbeit als künstlerischer Prozess

Gemeinsam mit Daniel Schalz vom Deutschen Chorverband führten wir uns dann weiterführend vor Augen wie wichtig die Verbindung zwischen dem künstlerischen Konzept und der Öffentlichkeitsarbeit ist. Dabei wurde wichtig, dass Öffentlichkeitsarbeit wirklich nur mit Inhalt sinnvoll ist und man individuell reflektieren sollte, was man der Öffentlichkeit anbieten kann und was dabei auch noch authentisch bleibt. Wichtig ist auch, dass Öffentlichkeit im Besten Fall ab der ersten Idee aufgenommen wird und immer in engem Zusammenhang mit dem Programm stehen sollte. Nicht zu vernachlässigen ist aber auch die Frage, wie man sein Konzept für die Medien interessant anlegen kann. Beispielsweise durch besondere Orte oder damit verbundenen Aktionen. Doch wie geht man mit der Öffentlichkeitsarbeit am Besten voran? Jeder Chor sollte eine gewisse Strategie und ein Konzept entwickeln indem klar festgelegt wird wer die Zielgruppe und was das Ziel der Arbeit sein soll. Natürlich kann dabei heutzutage auch vor allem die Sparte der neuen Medien wichtig sein. Je nach Projekt und Konzept kann es aber auch der bessere und authentischere Weg sein auf die klassische Pressearbeit zurückzugreifen. Gerade auch in kleineren Orten und Gemeinden ist die Zusammenarbeit mit der örtlichen Presse enorm wichtig für die Öffentlichkeitsarbeit.

Generell sollte man aber sowohl realistisch als auch kreativ sein und mit nötiger Geduld an die Sache rangehen. Ein wichtiger Baustein und unverzichtbar ist dabei professionelles Fotomaterial. Nicht nur weil Zeitungen etc. viel lieber Berichte, Ankündigungen und sonstiges mit einem guten Bild veröffentlichen, sondern auch weil es meist das Konzept des Chores sehr gut widerspiegeln kann. Die Entwicklung einer gemeinsamen Bildidee wird unterstützt von den Fragen, wie der Chor sich selbst sieht und was er vermitteln möchte, was auch für die Identität des Ensembles und die Marke des Chores von hoher Bedeutung ist. Wir durften anhand von unter Zeitdruck erstellten Pressemitteilungen und das gemeinsame Besprechen von zahlreichen Ensemble- und Chorbildern selbst sehen, dass man anhand des ersten Eindruckes vieles schon von vorneherein abstempelt. So viel sei gesagt sein: Ein professionell ausschauendes Bild ist dabei wirklich wichtig, zahlt sich schnell aus und trennt gleich zu Beginn die Spreu vom Weizen.

Marketing? Öffentlichkeitsarbeit? Pressearbeit?

In unserem dritten Modul zu Gast im Radialsystem hatten wir dann die Chance mit Sabine Germann (Marketing) und Rachel-Sophia Dries (Presse und Medienarbeit) vom Rundfunkchor Berlin, das von und mit Daniel in Frankfurt erlernte nochmals zu vertiefen und anhand der Grundlagen uns dann auch mit den fließenden Übergängen zwischen den beiden Bereichen des Marketings und der Öffentlichkeitsarbeit zu beschäftigen. Von den beiden haben wir direkt aus erster Hand von den Abläufen ihrer Arbeit in den beiden Berufssparten erfahren und konnten unser theoretisches Wissen dann in praktischen Übungen nochmals vertiefen. Als dritte Dozentin hatten wir auch noch Bettina Hoffmann aus der Sparte des Fundraisings (Brot für die Welt) zu Besuch, die uns hilfreiche Tipps zur Mittelbeschaffung für Projekte geben konnte. Von ihr wurde uns auf den Weg gegeben keine Scheu zu haben Mittel zu beschaffen und Unternehmen, Firmen und/oder Privatpersonen um Unterstützung zu bitten, um mit möglichst geringen Kosten unsere Konzepte und Projekte gemeinsam durchführen zu können.

Jetzt folgt noch das letzte Modul ebenfalls in Berlin wo wir beim Festival chor@berlin hinter den Kulissen zum Einsatz kommen und unser erlerntes in die Praxis umzusetzen sowie auch erste Praxiserfahrung in die für uns neuen Bereichen eines Festivalbetriebes kennenzulernen.

Ich freue mich darauf und werde hoffentlich viel zu berichten haben!

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