Melodie trifft Poetry

Eine tolle Kombination aus Ton- und Text-Dichtung, Liedern und Lyrik, präsentierte der Gesangverein Vulkania unter der Leitung von Chordirektor Martin Falk in der Oberriexinger Festhalle. Unter dem Titel „Melodie trifft Poetry“ glänzten nicht nur die verschiedenen Chorformationen mit insgesamt über 90 Sängerinnen und Sängern. Auch die beiden Poeten Jochen Weeber und Miriam Geiger traten am Samstag bzw. Sonntag mit ihrer Sprachkunst auf die Bühne und beleuchteten auf ganz spezielle Weise die Dinge, die sie und die Welt bewegen. oberriexingen

Los ging es mit den Vulkids, die mit dem Titel „Das Wetter“ das erste Thema des Abends einläuteten. Mit Poetry, der aktuell so beliebten Unterhaltungsform, spann dann Jochen Weeber, der in seit zehn Jahren in Reutlingen seine eigene Poetry-Veranstaltung moderiert, den Faden mit leisen, humorvollen Tönen weiter. Miriam Geiger, bei der sich stets alles reimt, formulierte ihre Sicht dann am Sonntag so: „Drum verschont mich mit euren Impressionen, aus allen Ecken der Welt und Klimazonen, Wetter ist das, was wir daraus machen, denn man kann auch im Regen tanzen oder lachen.“ Dem konnte der Junge Chor Lava nur zustimmen und ließ mit „Let the sunshine in“ und „On the sunny side of the street“ die Sonne in der vollbesetzten Festhalle aufgehen.  Weiter ging es mit dem Jugendchor Magma, der sich mit zarter Stimme und „Wind of Change“ in die Herzen des Publikums sang. „Die Zukunft liegt in der Luft. Ich kann sie fühlen, überall. Sie weht mit dem Wind des Wandels“, lautete eine der Strophen, die zwischendurch auf Deutsch wiedergegeben wurden. Mit „Über den Wolken“ entführte schließlich auch der Gemischte Chor die Zuhörer in höhere Sphären, bevor die Poeten zum Thema „Welt“ überleiteten.

Während Jochen Weeber augenzwinkernd seine intereuropäischen Campingerfahrungen zum Besten gab, hieß es bei Miriam Geiger durchaus kritisch: „Wir sind eine Welt, es verschmelzen die Grenzen, aber öffnet man diese, will keiner mehr glänzen, helfen ja, aber mehr so indirekt, man weiß ja nicht, was hinter fremden Gesichtern steckt!“ Da kamen die „Kleinen Europäer“ der Vulkids gerade recht, um für eine vereinte Welt zu werben. Der Nachwuchs der Vulkania durfte übrigens am Samstag seine neue Chorleiterin im Saal begrüßen. Estira Nikkhah wird ab 1. November Nachfolgerin von Martin Falk im Kinder- und Jugendbereich und konnte sich bei ihrem Besuch einen ersten Eindruck von der Leistungsstärke ihrer Chöre verschaffen. „May it be – Möge ein Abendstern auf dich scheinen“, erklangen alsdann Lied und Lyrics von Lava. Nach dieser mystisch-getragenen Weltenmelodie brachte der fetzige Rhythmus von „Rockin‘ all over the world“ die Gäste wieder zurück ins Hier und Heute, bevor die Pause eingeläutet wurde. Das nächste Motto erwies sich als schier unerschöpfliches Thema, das insbesondere Texter zu wahren Wortraketen animiert. „ Männer sind anderes – Frauen auch. Männer haben lange Leitungen, Frauen stehen auf dem Schlauch!“, erfuhr man da zum Beispiel von Miriam Geiger. Oder auch: „Er schweigt, sie schmollt, er hat’s vergeigt, sie hätte gewollt, dass er den Müll mal runterbringt, wobei das Wörtchen `mal` für ihn eher so dehnbar klingt.“ – Der Beifall im Saal zeugte vom hohen Wiedererkennungswert unter den anwesenden Paaren. Und dennoch scheinen seit Anbeginn der Menschheit alle Gegensätze der Geschlechter überwindbar, wie sowohl Magma beim gefühlvollen „Just the way you are“ als auch der Gemischte Chor mit den bekannten Schlagern „Tausendmal du“ und „Er gehört zu mir“ bewiesen. „Du bist das Beste, was mir je passiert ist“, stellte denn auch Lava zweifelsfrei mit dem wunderschönen Liebeslied von Silbermond von fest. Zuvor jedoch präsentierten die „Männer“ der Vulkania mit dem gleichnamigen Grönemeyer-Hit einen weiteren Höhepunkt des Abends und machten sich damit zu Publikumslieblingen. So war ihnen eine der Zugaben am Ende sicher. Was kann vielschichtiger sein als „Emotionen“, dem vierten und letzten Motto des Abends? Entsprechend einfallsreich traten auch Jochen Weeber und Miriam Geiger in Aktion, um die Konzertbesucher in ihre Gefühlswelten zu entführen. Musikalisch beeindruckte der Gemischte Chor mit Grönemeyers höchst emotionalem Lied „Der Weg“, das er seiner verstorbenen Frau Anna gewidmet hat. Leichter und beschwingter ging es zu den Takten der Live-Band mit Lava und „Everything“ weiter. Auch der bekannte Hit „Happy“ fehlte nicht im Programm und zauberte vielen ein glückliches Lächeln ins Gesicht. „Ich glaube, dass unsere Welt groß und reich genug für uns alle sein müsste“, nahm Vulkania-Vorsitzender Axel Hohn in seiner Dankesrede Bezug auf den Finaltitel von Udo Jürgens, zu dem alle Chorformationen gemeinsam auf der Bühne standen. „Ich glaube, dieses Leben ist schön genug, bunt genug, Grund genug, sich daran zu erfreun!“, erklang es gefühlvoll aus fast hundert Kehlen.

Peter Heinke, 4. Apr 2017, Chorgattung, Chorverband Enz, gemischte Chöre, Jugendchöre, Junge Chöre, sonstige Chöre, Veranstaltungen, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentare geschlossen.

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