Baden-Württembergische Amateurmusik ins Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes der Deutschen UNESCO-Kommission aufgenommen

Christoph Palm: Jedes einzelne Mitglied unser Musik- und Chorvereinigungen darf stolz sein

Jedes einzelne Mitglied unserer 6500 Musik- und Chorvereinigungen darf stolz auf diese Auszeichnung sein.“ Mit diesen Worten reagierte der Präsident des Landesmusikverbandes Baden-Württemberg, Christoph Palm, auf die offizielle Aufnahme der baden-württembergischen Amateurmusik ins Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes durch die Deutsche UNESCO-Kommission.

Deren Vizepräsident Christoph Wulf sagte zur Entscheidung der UNESCO, die Amateurmusikpflege in Baden-Württemberg in das deutsche Register Guter Praxisbeispiele der Erhaltung Immateriellen Kulturerbes aufzunehmen, dass fast ein Drittel aller nicht-professionellen Musiker Deutschlands aus Baden-Württemberg stamme. Ein bedeutendes lokales Ereignis ohne die unmittelbare Beteiligung eines Amateurmusikvereins sei im Südwesten praktisch undenkbar. Dies sei ein beeindruckender Beleg für den kulturellen Reichtum des Landes.

Nach den Worten von Christoph Palm sind rund eine Million Baden-Württemberger Mitglied in 12.500 Ensembles von Gesang- und Musikvereinen. Diese sind in drei Chor- und sieben Orchesterverbänden und im Landesmusikverband organisiert. Statistisch gesehen gebe es in jeder der rund 1.100 Städte und Gemeinden im Land also mehr als sechs Amateurmusikvereine.

Auf der offiziellen deutschen UNESCO-Webseite wird die Auszeichnung der „Baden-Württembergischer Amateurmusikpflege“ ausführlich begründet. So heißt es unter anderem:

Proben, Aufführungen, Traditionsfeste, Wettbewerbe, Workshops, Camps und Seminare zur Fort- und Weiterbildung – die Liste der Aktivitäten ist lang. Das generationsübergreifende Miteinander durch alle gesellschaftlichen Milieus und Schichten hindurch zeichnet Musik- und Chorvereinigungen besonders aus. Jüngere lernen im Verein ganz selbstverständlich von Älteren – und umgekehrt. Das gemeinsame Identitätsbewusstsein tritt unter anderem zutage beim jährlich an wechselnden Orten stattfindenden Landes-Musik-Festival mit tausenden aktiv Musizierenden und noch mehr Zuhörenden. Das Festival bringt die ganze Vielfalt amateurmusikalischen Schaffens einmal jährlich exemplarisch auf die Bühne(n).

Auch die professionelle Musikszene profitiert von den Vereinen der Amateurmusik. Ein musikalisch versiertes Publikum, Studierende der Musik oder Arbeitsplätze im Bereich der Amateurmusik sind dafür plakative Beispiele. Musikvereine sind ferner Stabilisatoren der Gesellschaft und des kulturellen Lebens.

So ist ein niederschwelliger Zugang zu Kunst, Kultur, Traditions- und Heimatpflege für jedermann gewährleistet. Öffentliche Auftritte in Form von Konzerten, Veranstaltungsreihen oder musikalischen Umrahmungen von gesellschaftlichen Ereignissen lösen bei Zuhörenden positive Emotionen aus. Die identitätsstiftende Wirkung in einer sehr dynamischen, extrem mobilen und immer heterogeneren Gesellschaft kann als sehr hoch eingeschätzt werden.

Die Amateurmusik-Vereinskultur in Baden-Württemberg vereint sowohl die Erhaltung kulturellen Erbes mit künstlerisch-musikalischer Weiterentwicklung als auch die Bewahrung tradierter Strukturen bei gleichzeitig notwendiger Anpassung an veränderte Rahmenbedingungen und Bedarfe. Die Pflege des musikkulturellen Erbes, die persönliche musikalische Weiterentwicklung in der Gruppe und die musikalische Geselligkeit am Wohnort beziehungsweise in der Heimatregion dürften Hauptmotivation der meisten Vereinsmitgliedschaften sein.

Dabei ist das generationsübergreifende Moment im Musikvereinsleben besonders bedeutsam und dient quasi automatisch der Weitergabe der kulturellen Ausdrucksform über Generationen hinweg und so der Vermittlung von Kontinuität. Dies zeigt sich konkret etwa in den flächendeckenden Konzertangeboten der Musikvereine für alle Altersgruppen oder an den vielfältigen Kooperationsprojekten, etwa mit (Grund-)Schulen, die jährlich bei einem landesweiten „Kooperationskonzert“ Ergebnisse der musikalischen und musikpädagogischen Arbeit präsentieren.

Aber auch dem zunehmenden Qualitätsanspruch der Amateurmusiker und -musikerinnen tragen die Vereine und Verbände Rechnung: das musikalische Aus- und Weiterbildungsangebot wird immer differenzierter. So finden einerseits noch heute vielfältige Wettbewerbe und Wertungsspiele statt – eine Tradition, die bis auf das „Preiswettsingen“ auf den Chorgesang des 19. Jahrhunderts zurückgeht. Andererseits haben die Verbände Strukturen der Nachwuchsförderung geschaffen, die es Instrumentalisten und Instrumentalistinnen innerhalb ihres Vereines ermöglicht, vom Erlernen eines Instruments bis hin zur Dirigentenausbildung alle Stufen der musikalischen Betätigung zu durchlaufen. Der Erfolg dieser ganzheitlichen Systeme lässt sich beispielhaft an den Mitgliedszahlen der Blasmusikverbände ablesen: fast jedes zweite aktive Mitglied in einem Blasmusikverein ist unter 27 Jahren alt.

Weitere Veränderungen, insbesondere der jüngeren Vergangenheit, zeigen sich in den internen Strukturen der Amateurmusikvereine: Vorstandsaufgaben werden immer stärker in Teamarbeit gelöst, die ehrenamtlichen Funktionsträger agieren immer professioneller. Die notwendige Professionalisierung wird von den Fachverbänden und im Zusammenschluss auf Dachverbandsebene vom Landesmusikverband gestützt und vorangetrieben: das breite Fort- und Weiterbildungsprogramm im Bereich Vereinsmanagement ist bundesweit vorbildlich und wird gegenwärtig durch die Akkumulation in einem „Kompetenznetzwerk Amateurmusik“ weiter qualitativ und quantitativ fortentwickelt.

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Isabelle Arnold, 7. Mai 2018, Chorgattung, Gaue und Verbände, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben, Trackback-URL

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