Anspruchsvolle Unterhaltung im Uhlandbau in Mühlacker

Dem Chor „Ton-Art“ ist es zum elften Mal gelungen, sein Publikum mit einer Geschichte im Musical-Stil zu begeistern.
„Ausverkauft“ hieß es gleich am Freitag zur Premiere der neuen „Ton-Art“-Produktion. 400 „Ton-Art“-Fans strömten in den Saal. Und auch bei den Terminen am Samstag und Sonntag blieb fast kein Stuhl leer. Es waren wie beim Konzert vor zwei Jahren drei Veranstaltungen angeboten worden, weil die rund 55 Sängerinnen und Sänger vor vier Jahren bei ihrer letzten Produktion im Mühlehof bei zwei Vorstellungen schon 1300 Gäste gezählt hatten, so Peter Heinke, Vorsitzender der MGV-Chöre Mühlacker, denen „Ton-Art“ seit 1999 als „Junger Chor“ angehört.

Es ist fast unglaublich, was die Sängerinnen und Sänger des Jungen Chors „Ton-Art“ mit ihrem Chorleiter Martin Falk nun zum elften Mal auf die Beine gestellt haben: „Klassentreffen“ lautete der Titel ihres aktuellen Projekts. Die Story: Viele Rechnungen brachte der Postbote am Anfang des Abends vorbei, einen „Beate-Schmuse-Katalog“ und dazwischen eine Einladung fürs Klassentreffen. Für ein ganz besonderes Klassentreffen: Eines, bei dem alte Wunden wieder aufbrachen, bei dem lange gehütete Geheimnisse ans Tageslicht kamen und eine rätselhafte Geschichte aus der Vergangenheit aufgeklärt wurde.

Alte Einschulungsfotos der Chormitglieder zierten die Wände des Uhlandbau-Saals, ausgediente Schultüten schmückten den Bühnenrand, und auf der Bühne stand quasi die Abschlussklasse des Jahrgangs 1993. Nach 25 Jahren war es also Zeit für ein Klassentreffen.
Mit „September“ stimmte „Ton-Art“ den ersten Ohrwurm an, und schon wurde das Publikum quasi mit der Zeitmaschine in das Jahr 1993 versetzt. Immer wieder ratterte an diesem Abend die Uhr zurück in die Vergangenheit. Auf der Bühne wechselten sich Begebenheiten von einst mit Szenen des in der Gegenwart stattfindenden Klassentreffens ab.

Dazu zählten langweilige Englischstunden, anstrengende Exkursionen in den Wald, verzweifelnde Sportlehrerinnen und ein Abschlussball, an dem sich etwas ereignet hatte, das nie ganz aufgeklärt wurde. Alle waren sie vertreten, die typischen Charaktere, die man in einer durchschnittlichen Schulklasse findet: Die naturbewegte Öko-Tante, die leidenschaftliche Rebellin, der selbstsüchtige Macho und der Computer-Friek mit seinen dicken Brillengläsern.

Das Stück stammte einmal mehr aus der Feder der Sängerinnen und Sänger. Und ihnen war es tatsächlich gelungen, das Flair der letzten Jahrzehnte des vergangenen Jahrtausends zurückzuholen. Die Schüler von einst trugen gebatikte T-Shirts und die Jute-Tasche mit dem Aufdruck „Atomkraft? Nein Danke“. Der Computer ersetzte noch keine Freunde, und der Erfolg des tragbaren Telefons wurde heftig angezweifelt. Nur Außenseiter Robert war sich sicher, dass eines Tages jeder ein Telefon mit sich trägt. Doch seine Klassenkameraden hatten andere Probleme. „Wie unterscheidet man eine Buche von einer Eiche?“, wollte die Lehrerin, Frau Maier-Breitkreutz (Carmen Folta), mitten im Wald wissen. Der unbeliebte Robert (Lukas Knoll), die aufmüpfige, aufreizende Samantha (Silvia Falk), die verunglückte Meli (Pia Gayer), die esoterisch-ausgeflippte Thea (Bettina Forster), der ständig essende „Schnitzel“ (Oliver Böhmerle) – die Autoren hatten insgesamt 15 starke Charaktere geschaffen, deren Schicksale und ein Vorfall bei der Abi Feier für Spannung sorgten. Nicht weniger stark: der Gesang des „Jungen Chores“, der das Publikum von der ersten Minute an mitzog.
Zu jedem Lied war eine Choreographie einstudiert worden, ja selbst ein Tanz, einstudiert von Carola Bopp zu „What a feeling“, begeisterte die Zuschauer. Die sahen neben dem gesamten Chor einen schnippenden Männerchor. Regelrechte Jubelstürme ernteten die Sänger mit „Back for Good“ von Take That. Nicht weniger beeindruckend waren die Sängerinnen, die als reiner Frauenchor „Hungriges Herz“ (Mia) emotional packend einstudiert hatten. Dazu kamen Solisten, die den Saal an diesem heißen Frühlingsabend quasi vollends zum Kochen brachten. Carola Köppl und Oliver Güther, er spielte auch den Tommy, begeisterten mit „Lean on me“.
Vorsitzender Peter Heinke schlüpfte in die Rolle des Rektors, und Chordirektor Martin Falk verwandelte sich in einen Studiendirektor. In seiner „Rolle“ als musikalischer Leiter indes sorgte er mit den Musikern Valentin Becker, Lukas Falk und Andreas Hertzberg souverän für das musikalische Gerüst dieses in jeder Hinsicht beeindruckenden Chorprojekts.

Vor anderthalb Jahren habe man mit den Vorbereitungen für diese Aufführung begonnen, erzählte Peter Heinke, der Vorsitzende der MGV-Chöre: Man habe sich die Story ausgedacht, dazu die passenden Lieder gesucht und vor allem viel geprobt: einmal pro Woche und kurz vor dem Konzert sogar an zusätzlichen Terminen. Es sei zwar nicht leicht, einen solchen Abend auf die Beine zu stellen, gerade weil viele Sänger berufstätig sind und Familie haben, so der Vorsitzende. Aber es mache allen großen Spaß. Das spürte auch das Publikum: Immer wieder spendeten die Zuschauer tosenden Beifall, nicht nur zwischen den Stücken, sondern auch am Ende des fast dreistündigen Konzertabends.
Keine Frage: Chor und Chordirektor Martin Falk haben sich in den vergangenen fast 20 Jahren eine große Fangemeinde geschaffen, und Heinke freute sich zu Recht über „junge Aktive und ein junges Publikum“. „Wir bieten ein Schauspiel mit rotem Faden“, stapelte Heinke eingangs etwas tief. Denn tatsächlich begeisterte die Zuschauer eine Geschichte im Musical-Stil mit jeder Menge Witz und Action – und großartigem Gesang.

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