Chor & Comedy – „TV Nonstop“

Wenn die Chorvereinigung zum Konzert lädt, dann trifft sich was in Weil der Stadt Rang und Namen hat: Neben Bürgermeister Schreiber mit Familie nutzte auch der neue Beigeordnete Jürgen Katz die Gelegenheit, sich unters Volk zu mischen. Und beide amüsierten sich königlich. O-Ton Katz: „Eine gelungene Veranstaltung mit intelligenten Texten und einem guten Chor.“

Die Chorvereinigung präsentierte am vergangenen Samstag in der Stadthalle sozusagen ein dreidimensionales Konzert, das sich auf mehreren Ebenen abspielte. Einerseits bildete die Chorebene mit dem Chor auf der Bühne den akustischen Rahmen des Spielgeschehens – wenn auch nicht so ganz klassisch, da der Chor immer wieder auch inszeniert wurde.

Andererseits ging es in der gespielten Rahmenhandlung „TV-Nonstop!“, einem Theaterstück von Thorsten Böhner, mitten hinein ins Wohnzimmer von Jutta (Teil 1 Ursula Miksch und Ulrike Hartmann in Teil 2) und Gregor (Elmar Freitag). Mit großer Leidenschaft sitzt Jutta vor dem Fernseher. Gregor, ihr heimwerkelnder Ehemann, hat allerdings andere Ideen und Pläne hinsichtlich eines gelin¬genden Ehelebens. Er ist damit beschäftigt, das neue Ehebett aufzubauen, um es dann anschließend mit der Ehefrau einzuweihen. Doch während der Gatte hämmert, zappt sich Jutta lieber durch das TV-Programm, welches auf der Bühne gespielt, hinzukommt. Sie schaut sich alles an, was das TV-Programm zu bieten hat: Soaps, Krimis, Musikshows, Actionfilme, Kuppelshows, Werbespots …

Die Bühnendarsteller sind allesamt Sängerinnen und Sänger der Chorvereinigung, die ganz neue Facetten von sich zeigen – was nicht verwundert – denn mit der Sängerin Sigrid Vaas, die Inszenierung und Regie übernommen hatte, hat die Chorvereinigung eine versierte Theaterpädagogin und Amateurschauspielerin in ihren Reihen.

Eröffnet wurde der musikalische Teil des Abends mit „Der Chorprobe“ von Erich Brinkmann, welche plastisch zeigte, wie so eine Chorprobe mit einem leicht genervten Chorleiter aussehen kann …

Schon der Auftakt ins eigentlich Bühnengeschehen mit der Eurovisionshymne stimmte die Zuschauer ein auf die gute alte Fernsehzeit, als noch eine charmante Fernsehansagerin (Heike Wolf) den Zuschauern erklärte, was sie erwartet.

Mit zwei schönen Ohrwürmen „Movie Star“ von Harpo und „Ohne dich“ von der Münchner Freiheit sprang der Funke zum Publikum bereits nach den ersten Stücken über. Und dazwischen wurde das Publikum Zeuge des Ehelebens von Jutta und Gregor …

Auch musikalisch war unter der bewährten Leitung von Chorleiter Kai Müller eine enorme Bandbreite zu hören. Eine ziemliche Herausforderung war der aktuelle Charts-Hit „Uptown Funk“ von Bruno Mars – Chorvereinigung goes Funk – was vom Publikum begeistert (yeah!) aufgenommen wurde. Direkt im Anschluss schaltete Jutta auf Teleshopping um, was der Vorsitzenden Heike Wolf die Gelegenheit gab, ihr komisches Talent zu zeigen. Als urkomische Putzfrau Emely in einer amerikanischen Dauerwerbesendung erntete sie gemeinsam mit ihrem nicht weniger hinreißenden Mitspieler Martin Grausam alias Douglas reichlich Zwischenapplaus für die werbewirksame Präsentation des Doubleflash, einem Wunderwischmop.

Weiter ging es im (TV-)Programm mit Crime zur Primetime: Der Titelsong „Skyfall“ aus dem gleichnamigen James-Bond-Film gelungen und stimmgewaltig in sehr geheimnisvoller Stimmung vorgetragen, gefolgt vom unverwüstlichen Evergreen „Kriminal-Tango“ von Hazy Osterwald, der so manchen Zuhörer beschwingt mitwippen ließ.

Auch Chorleiter Kai Müller war als Darsteller mit von der Partie: Er lieferte sich mit dem Actionheld Gary MacDry (Werner Beck), dessen etwas dämlicher Puppe (Sarah Majeric) und seinem Boss (Martin Baur) einen wahrhaft hochintellektuellen Schlagabtausch, wobei im Stadt-Land-Fluss-Spiel Textpassagen mit örtlichem Bezug (Pfilderstadt!) sehr gut beim Publikum ankamen.

Selbstverständlich hatte in Juttas TV-Programm auch König Fußball (oder in dem Fall eher Königin Fußball) seinen Stammplatz – die schwungvolle „Fußball-Samba“ von Lorenz Maierhofer, war die perfekte Einstimmung auf den „Sozialen Fußball“, einem Spiel der Sozialarbeiterinnen Renningens gegen die Weil der Stadts. Susanne Ehm, Svenja Dziuballe, Kim Schauwecker und Carmen Schippert trieben den Schiedsrichter (Thilo Beck) wortreich in den Wahnsinn.

Für einen atmosphärisch interessanten Bruch im Bühnengeschehen sorgte die von Markus Frey, Martin Grausam und Carlo Weller vorgetragene „Ballade vom ertrunkenen Mädchen“ von Kurt Weill und Bertolt Brecht, die die Herren hinter dem Seziertisch einer ziemlich skurrilen Pathologin (Ursula Schmitt) zu Gehör brachten. In „Ein Fall für Dr. Megadeath“ muss die arme Mrs. Widownow (Heike Carbon) ihren verblichenen Gatten infizieren, nein identifizieren – hochnotpeinlich befragt von Inspector Findout (Silke Dingler) – einer Mischung aus Mrs. Marple und Sherlock Holmes. Am Ende wird der Fall in Wer-wird-Millionär-Manier mittels Telefonjoker gelöst – was für viele Lacher im Publikum sorgte.

Auch die Kultur kam nicht zu kurz bei Jutta – die heitere Opernpersiflage „Insalata Italiana“ von Richard Genée wurde vom Chor mit großem Spaß und Einsatz dargeboten – auf das Trefflichste unterstützt von den „Spontansolisten“ Markus Frey, Stephanie Kirchner und Josef Baur, die allesamt divenhaft bzw. als Heldentenor respektive -bariton hervortraten.

Beschwingt ging es nach der Pause weiter: Mit „Nette Begegnung“ trafen sich Sänger und Sängerinnen im Zuschauerraum und vereinigten sich auf der Bühne zu einem gesungenen Zwiegespräch und nahmen das Publikum gleich wieder mit ins Geschehen.

Im anschließenden Sketch „Wahnsinnswerbung“ (Svenja Dziuballe, Markus Frey, Stephanie Kirchner, Sahra Majeric, Kim Schauwecker) konnte sich der Protagonist (Martin Baur) nur mit einem Sprung aus dem Fenster vor den allgegenwärtigen Werbesprüchen retten.

Mit „You’ll never walk alone“ (bekannt als Fußballfan-Hymne von Liverpool und Dortmund) wurde zur nächsten TV-Szene übergeleitet, der „Ich-suche-dich-Show“ mit der bedauernswerten Lisa (Carmen Schippert), die von ihren Eltern (Maria Hildenbrand und Martin Grausam als absonderliches Paar) gleich nach der Geburt weggegeben worden war und die sich stattdessen einen Wellensittich angeschafft hatten. Moderiert von der zynischen Moderatorin (Heike Wolf) entwickelte sich ein wahrhaft irrwitziges Gespräch.

Eine nächste interessante Stimmungsveränderung gab es auf der dann in geheimnisvolles blaues Licht getauchten Bühne bei der äußerst gefühlvollen Interpretation des Chorstücks „The Blue Bird“ von Charles Villiers Stanford, mit den reinen und klaren Sopranstimmen der Solistinnen Silvia Himmelseher und Ursula Miksch. Vor dem inneren Auge entstand ein impressionistisches Bild eines Sees, in welchem sich der blaue Himmel und die darüber hinweg ziehenden Vögel spiegeln.

Dieses Bild passte wunderbar zur Anfangsstimmung des Sketches „Wie es euch gefällt“ ganz frei nach William Shakespeare. Allerdings kommt es im Verlauf zu einem unerwarteten Zusammentreffen aller im Wohnzimmer von Jutta und Gregor, die die Möglichkeiten des interaktiven Fernsehens entdecken und die Akteure Amöne (Stephanie Kirchner) und Claudius (Markus Frey) durch beinahe alle TV-Genres jagen: Western (bei der musikalischen Untermalung des Chors durch die Winnetou-Melodie wurde vielen warm ums Herz), Tragödie, Oper, Daily Soap sorgten für Riesenlacher.

„Warum singe ich eigentlich im Chor?“ – die gegen Ende gestellte musikalische Frage hatte sich der Chor an diesem Abend schon lange selbst beantwortet. Mit „Auf uns“ von Andreas Bourani feierte sich der Chor dann ein bisschen selbst, um schließlich mit „Happy“ von Pharell Williams ein alle begeisterndes Finale abzuliefern.

Nur bei Jutta und Gregor war das Ende nicht ganz so happy, Bett und Fernseher hatten den Abend nicht unbeschädigt überstanden. Alle anderen jedoch waren von dem witzigen Programm und der flotten Inszenierung hingerissen – und wie man hört, hatten die 50 Sängerinnen und Sängern schon bei den Proben jede Menge Spaß.

Zum Sendeschluss war das sehr geneigte Publikum ebenso vergnügt wie die Akteure und spendete reichlich Beifall.

Abwechslungsreich geht es bei der Chorvereinigung Weil der Stadt weiter – nämlich mit Beethovens 9. Symphonie. Projektstart ist am Dienstag, 15. Januar um 20 Uhr im Alten Kloster in Weil der Stadt.

Die nächste Gelegenheit zum Wiederhören besteht am 2. Advent um 15 Uhr bei „Sang & Klang im Klösterle“ in Weil der Stadt.

Weitere Informationen www.komm-singen.de und tagesaktuelle Informationen immer unter www.kai-mueller-choere.de

Text: Heike Wolf
Fotos: Martin Trostel

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