„A Little Jazz Mass“ an Muttertag

Am Nachmittag des Muttertages fand in der Barockkirche St. Michael, die als eine der schönsten Filialkirchen der Erzdiözese Freiburg gilt, ein außergewöhnliches Konzert statt. Dort wo sonst die Orgel das Sagen hat, waren es jazzige Klänge, die den Kirchenraum füllten. Zu diesem Konzert hatte der Jugendchor Regenbogen des Gesangvereins Ostrach eingeladen. Im Mittelpunkt stand dabei die „A Little Jazz Mass“ des britischen Komponisten Bob Chilcott. Neben diesem musikalischen Höhepunkt gab es für die zahlreich erschienen Zuhörer auch noch weitere Lieder aus dem Chorrepertoire sowie klassische Jazz-Stücke der Jazz-Band „No Time On Tuesday“ der Musikschule Sigmaringen zu hören. Vielschichtig in Harmonik und Dynamik servierte der Chor, den einige Sängerinnen des Kirchenchores Einhart verstärkten, den populären Chorsatz des englischen Komponisten John Rutter „Schau auf die Welt“.

Strahlende, gut disponierte junge Stimmen und der sichere, wohlklingende Alt ließen die intensive und erfolgreiche stimmbildnerische Arbeit der engagierten Chorleiterin Irina Maier erkennen. Ausdrucksstark, mit Stimme und Stimmung spielend interpretierten Anna Kerle und Helena Klein als Duett den Folk-Rock-Song „The Sounds of Silence“ – wahrlich die Klänge der Stille. Der Welthit „We are the world“, einst ein gemeinsames Song-Projekt der 45 erfolgreichsten Pop-Stars, um Geld für die Hungerkatastrophe in Äthiopien zu sammeln, war dank der sauberen Intonation und hymnenartigen Dynamik mit ein Hinhörer des Konzertes. Einen weiteren musikalischen Fixpunkt setzten die sechs Instrumentalisten der Jazzband der Musikschule Sigmaringen mit dem Jazzstandard „So What“ und dem durch die Groove und spielerischen Rhythmussektionen geprägten „Straßbourg Saint Denis“. „My Funny Valentine“, eine Ballade aus dem Broadway-Musical „Babes in Arms“ und „Mo better Blues“ rundeten den gelungenen Auftritt der jungen Jazzer ab, bei denen der sechsmalige Teilnehmer an „Jugend musiziert“ und Jungstudent der Musikhochschule Trossingen Jeremias Fangauer seine Virtuosität und sein Talent als Jazztrompeter unter Beweis stellte. Horror für alle Künstler, sind Störungen die nicht vorhersehbar sind. Pünktlich vor Beginn des Hauptwerkes setzte ein großflächiger, Stromausfall die Technik außer Kraft. Als Meister der Improvisation zeigten sich dann der Vorsitzende und Mitorganisator Franz Kerle und sein Team. Zufällig anwesende Elektriker organisierten ein Notstromaggregat und der für den Abschluss vorgesehene Sektempfang für die Besucher wurde einfach vorgezogen.

Doch auch der Stromversorger war fleissig, so dass nach einer halbstündigen Zwangspause die „A Little Jazz Mass“ vor weiterhin vollem Hause aufgeführt werden konnte. Das Aushalten hat sich gelohnt, denn der Projektchor hatte sich mit der Jazz-Messe ein äußerst interessantes, aber auch anspruchsvolles Werk erarbeitet und mit den Musikern der Jazz-Band gute Partner an Bord geholt, die zusammen mit Paul Maier am Piano einfühlsame und präsente Partner waren. „Das spannende und Besondere für die Jugendlichen war hierbei die Auseinandersetzung mit gleich drei unterschiedlichen Welten“ so die Chorleiterin Irina Maier. Zum einen ist die Musik, wie schon der Titel sagt, geprägt von Jazz-Elementen, was sich vor allem in den Harmonien der Musik und des Gesang niederschlägt. Zum zweiten handelt es sich um vier klassisch liturgische Elemente des Gottesdienstes, die den Jugendlichen in der heutigen Zeit in dieser Form nicht mehr ganz so vertraut sind. Und schließlich sind die Texte der Messe auch noch in lateinischer Sprache. Rhythmisch akzentuiert das eröffnende „Kyrie“, jubelnd und schwingend das „Gloria“, ruhige Passagen beim „Sanctus“ und „Benedictus“ von den begleitenden Bläsern im Dialog mit dem Chor eindrucksvoll mitgestaltet, und das vom Blues inspirierte „Agnus Dei“ mit einem schön verklingenden „Pacem“, eine wahrlich gelungene Premiere für den Chor und die Band. Nach einer beinahe andächtigen, dem Gehörten geschuldeten Stille, dann der große Beifall und Standing Ovations des begesiterten Publikums, den sich alle Beteiligten wahrlich verdient haben. Selbst der Himmel öffnete sich und tauchte die Kirche in eine stimmungsvolle Abendsonne.

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