gemischte Chöre

Weinprobe und Gesang

Fahr, 15.10.2008, Chorverband Ludwig Uhland, gemischte Chöre, Männerchöre, Veranstaltungen, Kommentare geschlossen

Weinprobe und GesangEinmal eine ganz andere Veranstaltung bot der Sängerbund Riederich. Konzert und Weinprobe, Information und Beratung über die Weine von den Hanglagen des Ermstales, natürlich Probieren und wie der Fachmann von der Weingärtnergenossenschaft Metzingen sagte: „Schauen, prüfen, blinzeln, riechen, der Duft soll durch die Nase kriechen. Dann im Mund in allen Ecken, kauen, beißen, schmatzen, schmecken.“

Daß es dazu natürlich jede Menge wunderbarer Lieder gibt, konnte der Sängerbund Riederich mit Gemischtem Chor, Männerchor und Jungem Chor Sunday-Singers vortrefflich unter Beweis stellen. Ob „Im Weinparadies“, „Ein König ist der Wein“, „Mit Freunden beim Weine“ und viele andere – es passte alles hervorragend zusammen. Am Ende strahlten Sänger und Gäste und man verabschiedete sich mit dem Lied „Als Freunde kamen wir“.


Filderstadt singt

Fahr, 15.10.2008, Chorverband Filder, gemischte Chöre, Männerchöre, Veranstaltungen, Kommentare geschlossen

Filderstadt singtFilderstadt singtZum zweitenmal hiess es: Filderstadt singt – diesmal war der Liederkranz Plattenhardt Gastgeber in der Weilerhauhalle in Plattenhardt. Vorsitzender Siegfried Kolb konnte mit großer Freude die Chöre aus Bernhausen, Bonlanden, Harthausen, Sielmingen und natürlich Plattenhardt begrüßen. Ein Abend gefüllt mit hervorragendem Chorgesang verschiedenster Musikrichtungen, hoch motivierte Chöre und besonders engagierte Chorleiter beeindruckten die vielen Zuhörer. „Ein bunter Strauß von Melodien“ war das gemeinsame Auftaktlied, geleitet von Verbandschorleiterin Marianne Schauer-Roch. Das folgende Programm wurde dann wirklich zu einem bunten Strauß, der die verschiedensten Facetten der Chormusik streifte.

Der Sängerbund Harthausen mit Chorleiter Alexander Halda hatte sich anspruchsvolle Lieder nach dem Motto „Humor“ im Chor von John Barly und Carsten Gerlitz ausgesucht und in guter Qualität dargeboten. Der Sängerbund Bernhausen, Leitung Martin Koller, gefiel den Gästen mit Liedern von Lorenz Maierhofer und Josef Michel und sprach mit dem Gospel-Chor und „Good News“ wieder ein neues musikalisches Thema an. Filmmelodien (Sister Act) bot der Sängerkranz Bonlanden mit Chorleiterin Barbara Gielow und erhielt für die gute Leistung begeisterten Beifall. Vor der Pause vereinigten sich alle anwesenden Sänger zu einem großen Männerchor und machten das traditionelle Volkslied zu ihrem Thema. „In einem kühlen Grunde“ wurde auch hier wieder einmal gern gehört.

Weiter ging es mit dem Sängerbund Sielmingen. Unter Leitung von Elke Michel gab es ein Lied aus der Operette „Unter Donner und Blitz“ von Joh. Strauß und damit wieder eine neue Richtung. Auch „Freude schöner Götterfunken“ kam gut beim Publikum an. Der gastgebende Verein Liederkranz Plattenhardt mit Dirigentin Gudrun Fahr trat mit Stammchor und jungem Swing-Chor an. Der Stamm-Chor zeigte mit „Freunde, das ist Musik“ seine Freude am gemeinsamen Singen und der Swing-Chor beeindruckte mit auswendigem Singen und choreografischen Elementen bei „Andrew Lloyd Webber in Concert“. Zuverlässiger Begleiter auf dem Flügel war an diesem Abend Andreas Baumann.

Alle gemeinsam sangen am Schluß unter Leitung von Gudrun Fahr „Alles geht vorüber“. Ein abwechslungsreiches Konzert in unterschiedlichsten Klangfarben gab an diesem Abend Einblick in die Arbeit der Chöre. Das begeisterte Engagement der Sängerinnen und Sänger verschiedenster Altersgruppen lässt auch für die Zukunft das Chorsingen in bestem Licht stehen.


Concordia Wäldenbronn e.V. spielte das Weiße Rössel

Labudde-Neumann, 9.10.2008, Chorverband Karl-Pfaff, gemischte Chöre, Kommentare geschlossen

Schlussbild in Wäldenbronn - jedes Paar hat sich nach Verwirrungen gefundenEnde September präsentierten die Sänger der Concordia das bekannte Singspiel in ausverkaufter Halle der Hochschule Esslingen. Gekonnt wurde die Geschichte von Sabine Eberspächer (Gesamtleitung) erzählt. Dieter Aisenbrey hatte eigens eine Overtüre mit acht Themen aus dem Singspiel arrangiert. So war von Anfang an allen Zuhörern die bekannten Melodien schon mal im Ohr. Die bekannte Geschichte konnte ihren Lauf nehmen. Die Solisten passten sich dem Chor an, der unter dem dezenten Dirigat von der Seite gekonnt und mit viel Herz die Melodien sang. Viel Witz und Humor floß auch spontan ein, so dass ein jeder auf seine Kosten kam – Akteure und Zuhörer. Die Concordia Wäldenbronn präsentierte Anspruchsvolles auf hohem Niveau.


Der Ludwig Uhland Chor feiert

Fahr, 30.09.2008, Chorverband Ludwig Uhland, gemischte Chöre, sonstige Chöre, Veranstaltungen, Kommentare geschlossen

30 Jahre Spaß am Singen

1978 bei der Gauversammlung in Pliezhausen durch Gauchormeister Eugen Mayer und Präsident Franz Fendt ins Leben gerufen, ist der Chor heute ein fester Bestandteil im Leben des Ludwig Uhland Chorverbandes. Um nur einige Höhepunkte zu nennen: Auftritte bei den Chorverbandstagen, Teilnahme an den Sängerfesten in Köln und Berlin, Ungarnreise 1986, Romreise im Jahr 2007, Auftritt bei der Bundesversammlung 2008 in Reutlingen. weiterlesen »


Erstes Konzert in der neuen Kulturhalle

Fahr, 24.09.2008, Chorverband Ludwig Uhland, gemischte Chöre, Jugendchöre, Männerchöre, Veranstaltungen, Kommentare geschlossen

Erstes Konzert in neuer KulturhalleGesangverein Harmonie Gomaringen

Zum ersten Konzert in der neuen Kulturhalle kamen zahlreiche Besucher und zeigten sich vom Programm beeindruckt. Unter dem Motto „Kein schöner Land“ wirkten der Projekt-Männerchor mit klassischen Männerchorliedern mit, der neu aufgenommene Jugendchor sang neuzeitlich arrangierte Chorsätze mit choreografischen Elementen und der Gemischte Chor erfreute mit Madrigalen und Volksliedern in modernen Arrangements. In das Programm eingebunden waren einige junge Vokal- und Instrumentalsolisten und die Mitglieder der Jazzband „Vitamin Bb9“. Die Darbietungen wurden sehr gut aufgenommen und bekamen lang anhaltenden Beifall. Vorsitzende Elke Wichmann dankte im Namen aller Sängerinnen und Sänger Chorleiter Gerald Pommranz und seiner Frau Beate für ihren großen Einsatz im Verein. Nach einer Zugabe wurden die Gäste noch bewirtet und es war viel Lob über die gute Akustik in der neuen Kulturhalle zu hören.


Open Sound und offene Grenzen – ein Festival wird zum Markenzeichen

Wolfgang Layer, 17.07.2008, Chorjugend im SCV, gemischte Chöre, Jugendchöre, Singen und Stimme, sonstige Chöre, Veranstaltungen, Kommentare geschlossen

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Sie sind 20, 40, 60 Jahre und mehr. Sie sind die Zukunft des Schwäbischen Chorverbandes und haben doch schon Vergangenheit. Sie lieben und zelebrieren diese Vergangenheit und deren Lieder und – sie sind längst in der Gegenwart angekommen. Die Jungen Chöre im Schwäbischen Chorverband (SCV) haben ihren „Exotenstatus“ abgelegt, stellen sich nicht nur mit ihren Songs neben die traditionsreichen Liederkränze, sondern immer öfter auch vor sie mit hoher Qualität und ausgefeilten Vocalarrangements. Ihre musikalische Sprache ist raffinierter geworden in den letzten Jahren und sehr oft multikulturell. Sie sind Chöre dieser Zeit und deswegen wird es Zeit, dass der Begriff „Junge Chöre“ bald wieder verschwindet. Die Namen sind Programm, so wie bei den Liederkränzen früher – und es gibt viele hundert dieser Namen. weiterlesen »


Mettinger Oldie Night

Labudde-Neumann, 15.07.2008, Chorverband Karl-Pfaff, gemischte Chöre, 1 Kommentar

MET - elegant und galant in der Oldie-NightEin Konzert der ganz besonderen Art fand am Ende Juni  in Mettingen statt.Der junge Chor MET der Liederlust Mettingen lässt sich für seine Auftritte immer ein besonderes Motto einfallen.  In diesem Sommer hieß es Oldies. Der Saal mit alten Langspielplatten und Covern dekoriert, locker bestuhlt damit sich keiner auf seinem Platz aufhalten musste, wenn es ihn vor Begeisterung auf die Tanzfläche zog. Mit viel Schwung präsentierten sich die 30 Sängerinnen und Sänger in schwarzem Outfit mit orangefarbenen Tüchern und Krawatten.Rock around the clock, ganz zum Anfang und der Funke bei den Zuhörern war sofort übergesprungen. Klatschend wurden wir zum nächsten Titel geleitet,  Monday Monday , At the Hop und einige andere Titel waren im ersten Block des Chores zu hören. Der Dirigent Lothar Sigloch am Keybord,  begleitet vom Schlagzeug und E-Bass hatte seinen Chor bestens vorbereitet. Während der Chor in die Pause ging, traten als Gäste an diesem Abend die Gruppe Carlail Project auf. Ihr Sänger Charlos Griffith ein Vollblutmusiker mit genialer Stimme und die zwei Begleiter griffen die Stimmung gleich auf und brachten die Besucher mit ihren Songs  zum Tanzen. So wechselten sich die Band und der Chor an diesem Abend ab, dazwischen wurde getanzt, gegessen und die coolen Drinks an der Bar ausprobiert. Da wir sehr viel Glück mit dem Wetter hatten, konnten wir auch den Garten des Gemeindehauses mit nutzen und die Stehtische waren auch während es Konzertes immer gut besucht. Ein durchweg gelungener Abend, der allen sehr viel Spaß gemacht hat und mal wieder zum Ausdruck gebracht hat, was für tolle Songs mit der Stimme gesungen werden können. Spätestens bei Marmor Stein und Eisen bricht und der Bohemian Rhapsody von Queen waren die Gäste nicht mehr zu bremsen, der Chor sang mehrere Zugaben und am Schluss gemeinsam mit Charlos Giffith und Band, Day Oh und Island in the sun. Ein gelungener Abend für den jungen Chor der Liederlust Mettingen.


Chor CanTale auf großer Tour!

Labudde-Neumann, 14.07.2008, Chorverband Karl-Pfaff, gemischte Chöre, Singen und Stimme, Kommentare geschlossen

Cantale in ItalienKürzlich unternahm der Junge Chor des Liederkranzes Linsenhofen eine Konzertreise nach Verona. Man folgte der Einladung eines Chores aus San Briccio. Die Idee unserer Reise ging  auf eine Verbindung zwischen unserem 2. Vorsitzenden Dieter Staneker  und einem Mitglied und Sänger des dortigen Chores zurück. Wir freuten uns riesig über diese Einladung und über die Gelegenheit, als Gastchor aus Stoccardo (= Stuttgart) bei der Eröffnung des alljährlichen Chorfestivals in Verona mitzuwirken. CanTale hat sich nach intensiven Vorbereitungen mit seiner Chorleiterin Sigrid Uhle-Wettler am 19. Juni 2008 auf die Reise gemacht. Endlich angekommen wurden wir von den Chormitgliedern bereits erwartet und herzlich begrüßt.  Nach einem kurzen Imbiss begab man sich in die Dorfkirche, wo uns die Gemeinde und der Pfarrer bereits erwarteten. Der Chor „La Fonte“ eröffnete das kleine abendliche Kirchenkonzert. Zur Überraschung der Anwesenden  bedankte sich unsere Chorleiterin in fließendem Italienisch für die Einladung.  Der Junge Chor CanTale sang einige Lieder aus seinem Repertoire, die in die abendliche Stimmung passten. Anschließend ließ man bei einem Gläschen Wein den geselligen Abend ausklingen, bei dem noch viele fröhliche Lieder erklangen. Es zeigte sich, dass man sich nicht unbedingt verstehen muss. Musik spricht ihre eigene Sprache und sie verbindet Menschen mit Menschen ganz ohne Worte.Samstag abends begaben sich die Sänger von CanTale zusammen mit den Projektsängern nach Verona in die „Gran Guardia“, einem alten Palazzo gleich neben der Arena, der heute für öffentliche Veranstaltungen wie Kongresse und Konzerte genutzt wird. Bei der Eröffnung eines italienischen Chorfestivals zu singen war doch etwas ganz besonderes. Der Chor, bestritt einen 45-minütigen gelungenen Auftritt und erhielt viel Beifall. Der Chor CanTale erlebte vier schöne Tage bei herrlichem Sommerwetter und mit einem abwechslungsreichen Rahmenprogramm, wie Stadtbesichtigung von Verona, Aufenthalte am Gardasee in Sirmione und Bardolino.


Anatevka

Labudde-Neumann, 14.07.2008, Chorverband Karl-Pfaff, gemischte Chöre, 1 Kommentar

Anatevka und die JeSingersDie JeSINGERS, der Junge Chor der Eintracht Jesingen, hatten eingeladen zur konzertanten Aufführung des Musicals ANATEVKA. Die Gemeindehalle konnte die Gäste kaum fassen, die dann auch verzaubert waren, von der Kulisse, vom Chor, den Solisten und vom Tevje.  Die Idee zur Musical-aufführung hatte Dirigent Gunther Rall, der auch für die Gesamtleitung verantwortlich zeichnete. Einen Genuss für Auge und Ohr boten „DIE JeSINGERS“. Stil- und zeitgerecht bekleidet, barfuß oder mit Stiefeln, betraten sie die Bühne und überzeugten mit dem ersten Stück „Tradition“, sehr rhythmisch, voller Power und hoch motiviert. Solisten aus eigenen Reihen bereiteten den Gästen einen musikalischen Hörgenuss, der unter die Haut ging. Einfühlsam setzten dann die JeSINGERS mit den Stücken „Sabbat-Gebet“ und „Jahre kommen, Jahre gehen“ einen weiteren Höhepunkt. Der Chor leitete den letzten Teil von „Anatevka“ leitete das Finale ein. Das Publikum war begeistert und bedankte sich durch lang anhaltenden Applaus für die imponierende Leistung des erst seit zwei Jahren bestehenden Chores mit seinem Dirigenten Gunther Rall.

Heide Brösamlen  www.eintracht-jesingen.de


Chormusik mit neuen Augen und Ohren sehen und hören

Wolfgang Layer, 19.06.2008, Chorgattung, Chorliteratur / Medien, Fortbildungen, gemischte Chöre, Singen und Stimme, Kommentare geschlossen

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»Wir müssen Chormusik mit neuen Augen und Ohren sehen und hören.« (Simon Halsey, Leiter des Rundfunkchors Berlin) – Bild aus der Probe „Liederbörse 2008“, Foto: Matthias Heyde

Der Rundfunkchor Berlin geht neue Wege in der Vermittlung von Chormusik

»Wir sind ganz Chor« titelt der Rheinische Merkur (22.05.08) in einem Artikel zur Bedeutung des Chorsingens und erklärt den diesjährigen Sommer zur »Saison der Stimmen«. Ganz groß geschrieben werden darin die sich immer breiteren Interesses erfreuenden Massenfestivals, seien es die großen Sommerfestspiele oder die auch in diesem Jahr wieder einmal pompös und keineswegs sang- und klanglos eingeleitete Europameisterschaft. Selbst die Massenware Film mache sich den Chorgesang in diesem Jahr zu eigen, da die Bregenzer Festspiele Drehort für den neuen James Bond abgeben.

Spielraum Gesang

Während Bond & Co sicherlich ihren Beitrag für die Verbreiterung dessen, was man die Event-Industrie nennt, leisten, so stellt sich die Frage, wie es denn mit dem Anreiz zum Selbersingen, zum Mitsingen, zum Chorsingen bestellt ist? – 50.000 eingetragene Chöre zählt die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Chorverbände (ADC). Das ist beträchtlich, könnte aber bei einer Bevölkerung von über 82 Mio. registrierter Bundesbürger noch mehr sein oder werden. Diesem Ziel, Chormusik populär zu machen und zwar bei einer möglichst großen Bürgerschicht, hat sich eine seit einigen Jahren erfolgreich realisierte Initiative des Rundfunkchor Berlins verschrieben. Das Konzept nennt sich »Broadening the scope of choral music«, was übersetzt soviel bedeutet wie „das Feld der Chormusik zu verbreitern in der Absicht, die Potenziale des Chores in ihrer ganzen Vielfalt zum Ausdruck zu bringen“ – und hiermit sind sowohl das Betätigungsfeld als auch der Spielraum gemeint.

Dies klingt zunächst einmal recht allgemein, umso spezifischer und konkreter stellen sich die einzelnen Projekte dar. Am bekanntesten und am beliebtesten darunter sind vielleicht die so genannten Mitsingkonzerte. Seit 2003 findet diesbezüglich eine Zusammenarbeit zwischen dem Rundfunkchor und unterschiedlichen Laiengruppierungen statt. Die Zahl der teilnehmenden Gäste stieg von zu Anfang 200 auf 1500 sprunghaft an und das große Interesse, an diesen außergewöhnlichen Ereignissen dabei zu sein, führte dazu, dass die Plätze bereits ein halbes Jahr vor den Konzerten ausgebucht sind. Nicht zuletzt aufgrund der mitreißenden und motivierenden Weise, in der Chefdirigent Simon Halsey die Proben leitet, wird die Zusammenarbeit mit einem der großen Chöre Deutschlands zu einem unvergesslichen Erlebnis. Die Sängerinnen und Sänger schwärmen vom Gemeinschaftsgefühl, das sich binnen kurzer Zeit ergebe und dabei an der Entstehung von etwas „Ganzem“ mitwirke. Im April diesen Jahres wurde Verdis Requiem mit der Kraft und dem Volumen von 1500 Stimmen im großen Saal der Philharmonie in Berlin zur Aufführung gebracht. Das Projekt für 2009 wird Mendelssohn-Bartholdys »Elias« sein und die Plätze sind zu einem großen Teil bereits belegt. Erstmals sind im kommenden Mitsingkonzert auch 200 Berliner Schülerinnen und Schüler beteiligt.

Die Zukunft des Publikums

Simon Halsey, der die Tradition der Mitsingkonzerte aus seinem Heimatland Großbritannien mitgebracht hat, weiß wovon er spricht, wenn er mit Blick auf die Zukunft das Publikum als ersten Ansprechpartner auf die Bühne zitiert: »We need to build up a-cappella-audiences in the future. And we have to do it by making connections with each member of our audience.« („Wir müsssen uns für die Zukunft ein A-Cappella-Publikum schaffen und das geht nur durch Kontakt zu jedem einzelnen Mitglied der Zuhörer.“) Wer eignet sich als Zielgruppe besser, wenn nicht die an den Darbietungen des Rundfunkchors interessierten Gäste? – Möglicherweise diejenigen, die noch zu jung sind, um ein eigenständiges Interesse an Konzert und Konzertbesuchen zu entwickeln, diejenigen, denen es vielleicht schwer fällt zu entscheiden, ob sie das mit dem Singen in der Schule gut finden oder doch eher uncool. Die Teilnahme an der vom Rundfunkchor in Zusammenarbeit mit diversen Schulchören veranstaltete Liederbörse, bleibt da vielleicht als einschneidendes Erlebnis und als „Pluspunkt“ fürs Singen hängen. 500 Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren aus elf Berliner Schulen bestritten Ende Januar diesen Jahres das dritte Konzert dieser Art. Auf dem Programm standen Lieder zu den Vier Elementen Feuer, Wasser, Luft und Erde. Die Schüler hatten fünf Monate Zeit sich vorzubereiten, unterstützt von Sängern des Rundfunkchors. Die Teilnahme an einer Probe des Chors ließ sie außerdem hautnah miterleben, wie die Profis arbeiteten. Am Ende stand eine Tages-Gesamtprobe mit dem Chefdirigenten Halsey, die den Schülern nicht nur einen Einblick gab, sondern sie regelrecht Eintauchen ließ in eine disziplinierte Arbeit an der eigenen Stimme.

»Musik entwickelt Kreativität und Kognition, soziale und psychomotorische Fähigkeiten und fördert Konzentration, Lern- und Leistungsbereitschaft«, so die Motivation des Rundfunkchor Berlins, sich den diversen Schulprojekten zu widmen. Neben der Liederbörse gibt es die so genannten Schülerkonzerte, die in einer Vorbereitungsphase sowohl LehrerInnen- als auch Schüler-Workshops mit einschließen. Monique Mead, die für Konzeption und Durchführung verantwortlich zeichnet, geht es darum, gemeinsam mit den Lehrerinnen und Lehrern Strategien zu erarbeiten, die auch die Projektmotivation betreffen, um ihnen die Arbeit mit den Schülern zu erleichtern. Im Anschluss daran kommen SängerInnen des Rundfunkchors ins Klassenzimmer, stellen ihre Arbeit vor und leisten Hilfestellung bei der Erarbeitung des Konzertprogramms.

„KlangKulturen“

In der Saison 2007/2008 rief die Rundfunk Orchester und Chöre GmbH Berlin, kurz roc Berlin, die interkulturelle Konzertreihe „KlangKulturen“ ins Leben. Die auch von Kulturstaatsminister Bernd Neumann gewürdigte Reihe verbindet Musik aus Orient und Okzident und setzt auf eine Vermittlung zwischen den Musikern beider Kulturkreise. Anfang des Jahres musizierte der Rundfunkchor mit Chor und Orchester des Konservatoriums für Türkische Musik in Berlin, unter der Leitung von Simon Halsey und Nuri Karademirli. Auf dem Programm standen christliche und islamische Feiertagslieder. In der Saison 2008/2009 wird die Reihe fortgesetzt mit zwei Konzerten zu sephardischer Musik im Mittelmeer-Raum und einer europäisch-persischen Musikbegegnung.

Chor in neuen Kontexten

»Broadening the scope of choral music« ist jedoch noch in einem weiteren Sinne zu verstehen. Zu Bachs und auch zu Mozarts Zeiten, meint Simon Halsey, sei es selbstverständlich gewesen,  zeitgenössische Musik zu spielen. Heute aber müssten wir auf der Hut sein, unsere Kultur nicht zu einer Museumskultur werden zu lassen. Deshalb setze sich der Rundfunkchor Berlin insbesondere auch dafür ein, neuer und aktueller Musik den Weg auf die Konzertbühnen zu ermöglichen. Dies geschieht zum großen Teil in Form von Auftragswerken an namhafte Komponisten aus der ganzen Welt, jedoch mit einem Schwerpunkt deutscher Herkunft, darunter Wolfgang Rihm, Klaus Huber und Christian Jost. In der kommenden Saison werden drei der bereits aufgeführten Werke mit sehr unterschiedlichen Akzenten wieder aufgegriffen. Zum Konzept gehört es, die Werke gerade auch mit ungewöhnlichen Orten zu konfrontieren wie alten Industriegebäuden oder lokalen, kleinen Kunstzentren. Nicht nur wird es auf diese Weise möglich, neue Räume auszuloten, auch ein neues Publikum tut sich auf, das vielleicht seinen Weg nicht in die großen, „heiligen“ Konzertsäle fände.

Drei Beispiele, drei unterschiedliche Verbindungen

In Rodion Shchedrins »Der versiegelte Engel« liegt der Akzent auf der Verbindung von Chorgesang und Tanz. In der Inszenierung des Berliner Choreographen Lars Scheibner wird der Chor selbst zum Akteur, der sich durch den Raum bewegt und die von den Tänzern dargebotene Geschichte mitveranschaulicht. Die in der Nachfolge Rachmaninows stehende, klanglich nicht weniger wuchtige orthodoxe Liturgie wird in der kommenden Saison gleich an zwei Orten zu hören und sehen sein und zwar beim World Symposium on Choral Music in Kopenhagen, bei welchem der Rundfunkchor Berlin als einziger deutscher Chor den professionellen Chorsektor vertritt und im baskischen San Sebastian, jeweils in Zusammenarbeit mit dem KielBallett. Auch hier gilt es, neue Publikumsschichten für das Interesse an Chormusik zu erschließen, gerade auch zumal, Halsey zufolge, die Tanzszene als außerordentlich umtriebig und offen erachtet werden kann.

Ein vollkommen anders geartetes Werk haben wir mit Christian Josts Choroper »Angst – 5 Pforten einer Reise in das Innere der Angst« vor uns, die das komplexe Thema von fünf sehr unterschiedlichen Warten aus dramatisch, dichterisch, dokumentarisch bis hin zu wissenschaftlicher Auseinandersetzung auffächert. Jost hat mit seiner Choroper in gewisser Weise ein neues Genre geschaffen, denn die Darbietung obliegt allein dem Chor, in der auch dessen szenische Kapazitäten hervortreten. Kombiniert wird die chorische Erzählung mit Lichtkunst und Filmausschnitten, so dass die Aufführung zu einem multimedialen Erlebnis wird. Jost, der in der kommenden Spielzeit composer in residence der Komischen Oper Berlin ist, hat mit der vom Rundfunkchor in Auftrag gegebenen Oper ein seitens der Presse vielbeachtetes Werk geschaffen, das in der Neuinszenierung von Jasmina Hadžiahmetovi? zu sehen sein wird.

Das dritte, klanglich und räumlich neue Wege beschreitende Werk, das in der kommenden Saison in der Deutschen Erstaufführung zu sehen sein wird, ist die Johannes-Passion des schottischen Komponisten James MacMillan. Wiederum liegt hierbei ein Akzent auf den chorischen Partien, jedoch nicht allein auf dem großen, üblicherweise den Solisten gegenüberstehenden Chor, sondern ebenso auf einem vierstimmigen Erzählerchor, welchem in MacMillans Werk die Evangelisten-Partie übertragen ist. Daneben findet sich als einzig solistisch besetzte Partie der von dem Bariton Mark Stone dargebotene Christus. Bereits die Aufteilung zwischen nur einem Solist und zwei Chören unterschiedlicher Größe kann als ungewöhnlich angesehen werden. Dazu kommt, dass in der szenischen Uraufführung die von Lars Scheibner choreographierte Passionsgeschichte auch räumlich ausgelotet wird. Auf einem schmalen Bühnengrat thematisiert Scheibner die Problematik von Leib und Körper, darin der christlichen Idee der Doppelnatur Gottes folgend.

www.rundfunkchor-berlin.de/

Mareike Layer exklusiv für SINGEN UND STIMME


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