Anatevka – oder The Fiddler on the Roof
Das von Joseph Stein, Jerry Bock und Sheldon Harnick geschaffene Musical, das auf einer Erzählung des jüdischen Schriftstellers Schalom Aleichem basiert, wurde von der Chorgemeinschaft Frohsinn Schramberg (Jugendchor und Confetti chor&more) in Kooperation mit der dortigen Musikschule im Bärensaal auf die Bühne gebracht und mit großem Erfolg vier mal aufgeführt. Was die ca. 30 Akteure und Solisten, der Chor und das 46 Musiker starke Orchester auf die Beine stellten, war eine Meisterleistung, man könnte auch sagen fernsehreif. Es war ein chorischer, solistischer, schauspielerischer und musikalischer Höhepunkt. Ein besonderes Kompliment geht an das Orchester, das die ganze Unsicherheit und Zukunftsangst einerseits sowie eine etwas sentimentale Stimmung, die sich in der Volksmusik der damaligen Ostjuden niederschlug andererseits, gekonnt umsetzte. Bemerkenswert war das ausgezeichnete Zusammenwirken aller beteiligten musikalischen Formationen. Auch die phantasievolle Ausstattung, das Bühnenbild, die Kostüme und die Kulissen wirkten äußerst professionell.
Die Bewohner Anatevkas, eines kleinen jüdischen Dorfes in der Ukraine, die versuchen durch strenges Festhalten an ihrer Tradition alle Bewohner zusammenzuhalten um so in der politisch angespannten Situation, am Vorabend der Revolution des Jahres 1905 zu überleben, sind die Hauptfiguren dieses Musicals, das ursprünglich zur erfolgreichsten Produktion wurde, die der Broadway je erlebt hat. Ohne ihre Tradition, so wähnte die jüdische Gemeinde, wäre ihre Zukunft nicht sicherer, wie die des Geigers auf dem Dach.
Beispielgebend wird die Geschichte des Milchmanns Tevje erzählt, der für seine Frau und seine 5 Töchter von einer besseren Zukunft träumt. Das Stück gibt Einblick in jüdische Sitten und Gebräuche, wie z.B. die Heiratsvermittlung bzw. eine Hochzeit, zeigt jedoch auch dass die Realität häufig einen Strich durch die Rechnung, oder wie in diesem Fall durch elterlichen Pläne macht, als es darum geht, die Töchter gut zu verheiraten.
Anhand der drei ältesten Töchter Tevjes, von denen keine die für sie vorgesehene Verbindung eingehen will, die im Gegenteil ihren Herzen folgen, erkennt man das Aufeinanderprallen von Tradition und neuen Einflüssen. Aber es kommt noch schlimmer. Die Bewohner Anatevkas müssen im Strudel der Pogrome ihr Dorf binnen 3 Tagen verlassen. Tevje hofft, mit dem Rest seiner Familie in Amerika ein neues Leben beginnen zu können.
Viele weitere Persönlichkeiten runden das Bild der Dorfgemeinschaft ab: Da ist der etwas unsicher wirkende Rabbi, aber auch der unglückliche Metzger, der ein Auge auf Tevjes zweite Tochter geworfen hat und trotz des väterlichen Handschlags leer ausgeht, oder Jente die Heiratsvermittlerin, die obwohl sehr beredt und von Tevjes Frau Golda gerne gesehen, keine der Töchter vermitteln kann. Auch die Charaktere der drei Liebhaber hätten unterschiedlicher nicht sein können: Man erlebt den schüchternen, armen Schneider Motel, den intellektuellen Anhänger des Kommunismus Ferchik, der bei einem Putschversuch verhaftet und nach Sibirien verschickt wird und den Russen Fedja, einen orthodoxer Christen.
Regie, Choreinstudierung und Inspizienz hatte Heinrich Hoffmann, die musikalische Leitung unterstand Hans Schmalz. Der Anlass zu dieser Produktion war das 50jährige Bestehen der Musikschule Schramberg.
Alle Fotos: Kasenbacher, Schramberg
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Autor: Hahnel
Seniorenbeauftragte des SCV / Referentin für Öffentlichkeitsarbeit des CVB S-B-H / Notenwartin des Lkr. Gosheim Kr. Tuttlingen
Geschrieben am 13. Nov 2008 21:55, Rubrik: Chorverband Schwarzwald-Baar-Heuberg, Singen und Stimme,
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