Chor Vocal Dream glänzt in Luther-Pop-Oratorium in Buchau

Im Ringen um die biblische Wahrheit: Frech, frisch und zeitgemäß: Chor Vocal Dream glänzt in Luther-Pop-Oratorium in Buchau

Der Junge Chor Vocal Dream aus Schwendi hat am Samstag im Kurzentrum ein Musical vom Feinsten geboten. Zum 500. Jahrestag der Reformation inszenierten rund 60 Mitwirkende das Luther-Pop-Oratorium, in dessen Mittelpunkt Martin Luthers Ringen um biblische Wahrheit und sein Kampf gegen Obrigkeit und Kirche stand. Die moderne Inszenierung brachte die Story der Reformation frisch, frech und zeitgemäß auf die Bühne.

Zusammen mit den erfolgreichen Aufführungen in Wain erreichte der Chor Vocal Dream am Samstag im Kurzentrum Bad Buchau eine Zahl von deutlich über 1600 begeisterten Zuschauern. Zwei Monate intensive Vorbereitungszeit zahlten sich aus, ermöglichten dem Publikum eine Zeitreise in das 16. Jahrhundert und brachten auf musikalische Weise das Wirken Martin Luthers auf die Bühne. Die modernen Kostüme ließen das humoristische Spiel mit aktuellen gesellschaftlich fragwürdigen Gepflogenheiten zu und machte die Charakterzüge der Darsteller auch für das junge Publikum begreifbarer.

Zur musikalischen Untermalung reiste der Chor unter Leitung von Sonja Walter mit Streichern, Bläsern, Gitarristen und einer Rhythmus-Gruppe an.

Mit vollen Stimmen stieg der Chor im Jahr 1521 in die Handlung ein. Mit dem Einsatz der E-Gitarre war das Zeichen für eine moderne Inszenierung gesetzt. Als Jugendfreundin Luthers erzählt Lara von dessen Kindheit, in der er seinem Vater hilflos und ausgeliefert gegenüberstand, ehe nach dieser Rückblende seine Rechtfertigung im Wormser Reichstag mit Spannung erwartet wurde. Im Swing-Rhythmus wurde das rege Treiben und die gute Stimmung in der Stadt dargestellt.

Ein überzeugender Luther

Erstmals stand in der darauffolgenden Ballade Marco Huberle alias Martin Luther im Rampenlicht des Kurzentrums und der Bürger von Worms, der mit der Aussage „mir geht es nur um Gottes Wort“ die Motivation der historischen Figur deutlich machte. Als Sympathieträger hatte der Protagonist das Publikum auf seiner Seite und überzeugte mit seiner Ausstrahlung und kerniger Stimme sowie Sicherheit in allen Lagen. Die musikalische Brandrede gegen Luther durch den Dominikanerpater Faber, der den Ablasshandel verteidigte, wurde von Noah Mayer mit voluminöser Bassstimme und sauberer Artikulation gehalten, wobei er mit aufsteigenden Sequenzen bedrohlich den Druck auf Luther erhöhte. In düsterer Stimmung verkörperte er als Antagonist das Böse.

Genauso passend besetzt war mit Dennis Lang die Rolle des Kaisers Karl V., der als Protz-Kaiser im weißen Anzug, Turnschuhen, Goldschmuck und Basecap auftrat. Das Spiel mit dem Smartphone ließ erkennen, dass es ihm auch beim politischen Machtspiel nur um seinen eigenen Vorteil und damit die Sicherung seines Einflusses ging. Auch dem Einfluss des Bankwesens in diesem Konflikt, das den Ablasshandel unterstützte, war ein eigener Titel gewidmet und erschien im Kontext der Kooperation mit Luthers Gegnern in einem schlechten Licht.

Luthers Phase des Zweifelns inszenierten die Darsteller eindrucksvoll. Wie Dämonen bedrängten ihn die inneren Stimmen, gegen die er sich standhaft wehrte, während seine Aussagen stets vom Sicherheit spendenden tiefen Blech verstärkt wurden. Mit Paulus‘ Worten aus dem erlösenden Römerbrief, die feierlich im Choral besungen wurden, ging er mit neuem Mut in das Verhör, wo er das zweite Mal dazu gedrängt wurde, seine Thesen und die damit verbundene Häresie zu widerrufen. Danach flüchtete Luther auf die Wartburg, wo er die Bibel ins Deutsche übersetzte.

Publikum spendet stehend Beifall

Insgesamt war dem Publikum ein facettenreiches Musical unter Verwendung verschiedenster Genres von Andeutungen gregorianischer Choräle, alter Volksweisen und majestätischer Fanfaren über bekannte sakrale Melodien bis hin zu Swing-, Rock- und Pop-Musik sowie Nutzung musikalischer Stilmittel geboten. Sie unterstrichen mit ihren Effekten sowohl Handlung als auch Aussagen der Texte.

Das Musical aus der Feder von Michael Kunze und Dieter Falk, die bereits für erfolgreiche Musical-Produktionen bekannt sind, lud zum Mitklatschen ein, bot Gelegenheiten zur Interaktion und brachte dem Chor Vocal Dream und seinen Unterstützern Standing Ovations ein. Fans von Musicals wie „Elisabeth“ oder „Tanz der Vampire“ kamen auf ihre Kosten.

Weitere Aufführen sind am 17. Dezember im Ulmer Zelt auf dem Gigelberg in Biberach sowie am 17. und 18. Februar im Kulturhaus Laupheim geplant.

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Klaus Haid, 30. Nov 2017, Chorgattung, Jugendchöre, Oberschwäbischer Chorverband, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentar schreiben, Trackback-URL

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