Stieler meint – Ehrenamt als Karriereturbo!

S. Hofschlaeger / pixelio.de

Heute geht es um ein paar ganz spezielle Vorteile der Chorarbeit – Ehrenamt und Erwerb von Schlüsselqualifikationen für den späteren Beruf. Für junge Menschen bieten Chorvereinigungen aller Art eine gute Basis für spätere Karrieren.

Ehrenamt ist heute ein wichtiger Bestandteil vieler Bewerbungsgespräche. Engagement neben der Ausbildung bzw. dem beruflichen Werdegang zeugt von Belastbarkeit und Aufgeschlossenheit. Chöre bieten im Vergleich zu anderen Organisationen und Vereinen eine besonders gute Übungsfläche für Nachwuchskräfte.

Wieso?

Weil bei ihnen generationsübergreifende Kommunikation gefragt ist. Wer sich im Sport engagiert, im Handball- oder Fußballverein z.B., bewegt sich meist im Bereich von 15 bis 20 Jahre. Spieler der A-Mannschaft sind im Alter von 18 bis 35 zu finden. Danach wird es schnell dünner. Wer nicht mehr selbst mitmachen darf, hat eben wenig Lust, organisatorisch tätig zu werden. Das bedeutet nicht, dass es keine älteren Sportfunktionäre gibt, aber der Anteil ist deutlich geringer als bei unseren Chören, weil diese auch im fortgeschrittenen Alter ein Hobby bieten, bei dem man mit 40 oder 50 noch lange nicht zum alten Eisen gehört, ganz im Gegenteil!

Vorteil der ehrenamtlichen Chorarbeit
Es ist die Kommunikation mit der Generation, die älter ist als man selbst. Im Berufsleben kann man sich meist nicht aussuchen, mit welchen Kollegen man es zu tun hat. Als Nachwuchskraft kurz nach der Ausbildung bzw. dem Studium ist der Einstieg oft besonders schwer. Das Gespür für den Umgang mit älteren Kollegen und Mitarbeitern wird von vielen dabei unterschätzt. Veränderungen und neue Gedanken müssen behutsam eingebracht werden. Wer zu forsch auftritt, erlebt oft sein blaues Wunder und wird es ungleich schwerer haben als jemand, der sich bereits (beispielsweise in einem Chor) bewährt hat in der Zusammenarbeit mit anderen Generationen.

Wer als Führungskraft die erste Rede an seine Mitarbeiter halten muss, wünscht sich, das schon einmal gemacht zu haben. Da hilft es sehr, früher als Funktionär in Vorstandsitzungen eines Vereins seinen Standpunkt Älteren gegenüber vertreten und nach den Proben eine mündliche Info an den Chor gegeben zu haben. Natürlich ist man im Chor auch aufgeregt, aber da sind die „Auftritte“ nicht existenziell von Bedeutung, weil von ihnen nicht das Vorankommen im Berufsleben abhängt. Kein Rhetorikseminar kann einem die so erworbene Routine ersetzen. Im Verein werden Pannen verziehen, es gibt bald die nächste Chance, Fehler wieder gut zu machen – und schon hat man mehr Routine. Unterm Strich sind das glänzende Übungen für das Berufsleben, in dem ähnliche Herausforderungen  zur Tagesordnung gehören.

Wer schon mal eine Veranstaltung geplant hat, der weiß, worauf es bei einem Projekt ankommt. Und wer als Youngster in einem Verein mit „alten Hasen“ über organisatorische Themen diskutiert und Erfahrungen gesammelt hat, der wird später im Beruf eher in der Lage sein, dem Chef und den Kollegen seinen Standpunkt deutlich zu machen. Wichtig ist der Respekt vor anderen Meinungen und vor der Sichtweise nicht nur älterer Kollegen. Eine interessante Erfahrung kann es dabei auch sein, dass es manchmal besser ist seine eigene Meinung zu hinterfragen.

Unabhängig vom Thema finde ich es besonders hilfreich, dass mit Menschen in verschiedensten Altersklassen „geübt“ werden kann. Das hat mit respektvollem Umgang und Durchsetzungskraft, aber auch mit Nervosität, mit Misserfolg und Erfolgserlebnissen zu tun. Charaktereigenschaften wie Respekt, Durchsetzungsvermögen und Teamfähigkeit sind besonders gefragt. Das sind alles Eigenschaften, die die Personalentscheider gerne sehen.
Wer das gelernt hat, dem werden Fehler leichter verziehen; im Berufsleben bekommt man nicht immer eine 2. oder gar 3. Chance.

So profitieren alle
Die „alten Hasen“ sollten also die neuen Ideen und den Schwung nutzen, um ihre Arbeit weiterzuentwickeln. Der „Neuling“ sollte sich etwas sagen lassen und nicht alles in Frage stellen, was die erfahrenen Kollegen einbringen und seither anders gemacht haben; denn sie sprechen aus Erfahrung.

Hat man es als junger Sportler in erster Linie mit seiner eigenen Altersklasse zu tun, dann bedeutet das in der Regel, dass Geschmäcker und Ansichten nicht ganz so weit auseinander driften wie das in Chorvereinen der Fall sein kann.

Stellen Sie sich vor, es gilt ein großes Jubiläum zu planen. Diskutiert wird vom Rockevent  bis hin zum Liederabend und zum feierlichen Jubiläumsumzug. Je nach Alterskonstellation dürften bestimmte Themen gleich von vornherein rausfallen. Allerdings sollten es sich die Verantwortlichen nicht zu einfach machen und z.B. glauben, dass ein Rockevent zeitgemäßer wäre. Denn wer wird die Veranstaltung besuchen und wer sind die Gönner des Vereins? Die Konsequenz heißt, dass sowohl ein Abend für die jüngere als auch einer für die ältere Generation zu planen ist. Ein Kompromiss also, Basis für viele Entscheidungen im späteren Berufsleben. Grundlage dafür war der Konsens zwischen zwei Generationen. Schön für jeden, der das schon mal geübt hat!

Versuchen Sie deswegen junge Menschen zum Mitmachen in Ihrer Organisation zu gewinnen. Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen: es lohnt sich für beide Seiten!

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Johannes Pfeffer, 31. Mai 2011, Singen und Stimme, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentare geschlossen.

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