Was hat frühmusikalische Bildung mit Gesangvereinen zu tun?

Eine große Chance wird selten ergriffen

SBS-WebDer Wert musikalischer Förderung ist grundsätzlich kaum umstritten, vor allem angesichts der heutigen Alltagssituation und gesellschaftlichen Situation. Aktives Singen, Musizieren und Tanzen ist in den meisten Familien und aus dem Alltag verschwunden, in Kindertagesstätten und Grundschulen wird darum gerungen und es hängt oft an Einzelnen, die genug Mut und Übung mitbringen oder es ist ein lustloser Pflichtteil, um dessen Wert man zwar kennt, der aber nicht wirklich gelebt werden kann. Die Musik als praktisches Tun wird weitgehend ersetzt durch Rezeption und mehr oder weniger unbewusstem Konsum. Das natürlichste und körpereigne Instrument des Menschen, die Stimme, und die erste mögliche Ausdrucksform oder Gestaltungsform von Musik über Stimme und Körper-Bewegungen sind uns mitsamt dem Drang, sie zu nutzen und zu erleben, uns damit zu beleben und beseelen, in die Wiege, ja quasi bereits in den Bauch gelegt. Stimme und Körper, kombiniert mit einfachen Gegenständen, die sich bewegen lassen und Geräusche erzeugen und später kombiniert mit einfachsten Rhythmus- oder Begleit-Instrumenten sind die Basis einer musikalischen Frühförderung. Die live erlebte (Sing-)Stimme mit ihren Schwingungen und ihrem Klang erreicht und bewegt uns und unsere eigene Stimme am direktesten, nicht nur das ganze Kind mitsamt Gemüt und Motorik, auch speziell die Stimmlippen und die gesamte Stimmmuskulatur wird durchs das Singen von außen angeregt und, vereinfacht formuliert, auch passiv geübt.

Das Singen hat in der frühmusikalischen Bildung zunächst natürlicher Weise einen zentralen Stellenwert – und damit sind wir im Zentrum eines jeden Gesangvereines angekommen: beim Singen für und mit anderen. Und unser Körper als Muskelbündel und (Klang-)Träger mit seinen Haltungen, Möglichkeiten der Spannung und Entspannung, mit seinen Muskeleinstellungen und als gestaltender Faktor, über den Musik immer auch visuell wahrgenommen wird, spielt in jeder Chorprobe eine entscheidende Rolle.

Mögliche Angebote der Vereine

Gesangvereine sind mit ihrem Tun der musikalischen Frühförderung also erst einmal am nächsten. Um Eltern UND Kinder wieder mit dem eigenen und alltäglichen Singen vertraut zu machen, gibt es kaum eine besser Chance, als Eltern-Kind-Kurse an zu bieten oder das Singen in örtliche Schwangerschafts- und Rückbildungs-Gymnastik einfließen zu lassen. Auch das Singen und eine altersgerechte Stimmbildung, kombiniert mit Bewegung und Instrumenten im Kindergartenalter lassen sich auf vielfältige Weise realisieren. Die Kinder in diesem Alter sind noch leicht über und für das Singen zu begeistern, unabhängig von Geschlecht und sozialer Herkunft. Gemeinsame Projekte mit dem Kindergarten, wöchentlich im Kindergarten wirkende Singepaten/ ChörsängerInnen oder sogenannte Vorschulchöre sind Beispiele dafür.

Ein erstes Fundament für Nachwuchs schaffen

Eltern-Kind-Kurse können ein sinnvolles Fundament für die Arbeit mit Kindern bilden. Sie haben mit ihrer Erreichbarkeit der jungen Eltern den unschätzbaren Vorteil, dass in mehreren Generationen zugleich Offenheit für das Singen und eine neue Wertschätzung des Singens erwachsen kann:

  • sie haben als singende Zielgruppe sowohl die Kinder als auch die Eltern;
  • Lieder und deren Gestaltung können zuhause wiederholt werden und in den Alltag einfließen;
  • das aktive Singen wird auch von Erwachsenen wieder als Bereicherung und Beitrag zur Lebensfreude wahrgenommen, sie finden evtl. den eigenen Zugang zum Singen;
  • Eltern erleben bewusst das natürlich Bedürfnis ihrer Kinder sich musikalisch und vokal zu äußern;
  • Kinder können bereits in der Spracherwerbsphase qualifiziert ans Singen herangeführt werden;
  • die Kurse können sich durch relativ geringe Kursgebühren finanziell selbst tragen;
  • Eltern, welche bereits einen solchen Kurs besucht haben, sind später häufiger an der Teilnahme ihrer Kinder an vokalen Projekten interessiert;
  • es lassen sich recht unproblematisch Angebote für Kinder im Kindergartenalter und darüber hinaus für ältere Kinder anschließen.

Einige Start-Bedingungen und Vorüberlegungen für die Aufnahme von Eltern-Kind-Kursen in das Programm eines Vereines:

  • geeignete und geschützte Räumlichkeiten;
  • Kursorganisation: z.B. geschlossene Gruppen oder 2-3 Ein- und Ausstiegsmöglichkeiten pro Jahr;
  • Altersstrukturen: z.B. 0-1 ½ jährige, 1 ½ jährige- 3jährige oder andere Kursbedingungen wie die Fähigkeit der Kinder, frei gehen zu können;
  • mögliche oder sinnvolle Kooperationen;
  • nette und inhaltliche Werbung über möglichst viele Einrichtungen und Träger, evtl. Angebot einer Elterninfo durch Verein oder Kursleitung;
  • Vorgespräche mit interessierten Eltern über mögliche Tage und Uhrzeiten;
  • rechtzeitige Suche nach einer Kursleitung.

Als schwierigster Startfaktor kann sich die Suche nach einer Kursleitung erweisen. Aushänge an verschiedensten Ausbildungsstätten (allgemeinbildende Schulen, Musik-, Hoch- oder Fachschulen) oder die Nachfrage im kirchenmusikalischen Bereich und bei Musikvereinen können hilfreich sein, aber z.B. auch das Angebot des Vereines an interessierte Eltern oder Rentner, eine Fortbildung finanziert zu bekommen und die Empfehlung einer Stimmbildung in der näheren Umgebung zu erhalten.

Der Traum eines Chores
kann unter Umständen erfüllt werden: Nachwuchs, womöglich eigener, wird fürs Singen gewonnen – doch zumindest wird ein Samen in den Kindern gesät und Freude am Singen geweckt oder vergrößert. Und vielleicht wird bereits eine Fertigkeit erreicht, welche später die jungen oder älteren Erwachsenen zur Abwechslung einmal sagen lässt: „Ich kann singen!“

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Johannes Pfeffer, 16. Okt 2014, Aus der Geschäftsstelle, Chorjugend im SCV, Eltern-Kind-Musik, Fortbildungen, Nachwuchsarbeit / Werbung, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentare geschlossen.

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