Aktuelles Editorial der Zeitschrift SINGEN 7-2015

Seifert2012editLiebe Sängerinnen und Sänger, liebe Vorsitzende,

in diesem Heft nimmt mein Bericht zum Verlauf des Chorverbandstags des DCV breiten Raum ein. Ich habe mich bemüht, die Fakten möglichst objektiv zu schildern. Die Lage ist aber so gestaltet, dass ich sie hier mit einem persönlichen Kommentar versehen will.

Zum ersten merke ich an, dass die Vorbereitung des Chorverbandstags, die Information der Delegierten handwerklich nicht gut war. Einen Jahresverlust von rd. 400.000 Euro bei einem Haushaltsvolumen von 1,8 Millionen Euro nicht zu kommentieren, geht nicht. So herrscht Unklarheit, wie dieser Verlust zustande kam. Und die, die ihn erklären müssten und könnten, haben eisern geschwiegen und den Schatzmeister als Boten vorgeschickt und als Heilmittel eine Beitragserhöhung vorgesehen. Ebenso ungeschickt war es und damit Unmut auslösend, dass die Themen der geplanten Workshops nicht vorab mitgeteilt wurden. Wie soll man denn vorbereitet in ein Gespräch gehen, wenn man nicht weiß, um was es sich handeln soll. Daneben steht dann der Vorwurf der DCV-Spitze, von den Landesverbänden kämen ja keine Gedanken. Dass die Jahresrechnung der DCV-GmbH erst in der Sitzung vorgelegt wurde und somit von keinem Delegierten geprüft werden konnte, rundet das Bild.

Die DCV-Spitze hat keinerlei Mühe unternommen, den sich bereits im Vorfeld abzeichnenden Unmut abzufedern. Bereits im Februar hatten vier bayerische Landeschorverbände zusammen mit dem Badischen und Schwäbischen Chorverband Mängel in Kommunikation und Information benannt. Sie wurden vertröstet und hingehalten. Von den elf Fragen wurden nur wenige zufriedenstellend beantwortet, so dass es zu zwei Anträgen auf bessere Information kam, die im Vorfeld von der DCV-Spitze bekämpft und relativiert, erst als Mehrheiten dafür absehbar waren, akzeptiert wurden. Dafür wurden die Verbände als „Südschiene“ tituliert. Dieser Widerstand der sechs Verbände war das Ventil, über das sich Unmut Luft machen konnte. So wurde aus einem Stimmenanteil der sechs Verbände von etwa einem Viertel insgesamt eine Mehrheit auf dem Chorverbandstag.

Unruhestiftend war auch eine in eine rhetorische Frage gekleidete Feststellung im Geschäftsbericht des Präsidenten und der Geschäftsführer des DCV, ob der DCV, wenn eine von ihm gewünschte Entwicklung nicht mit dem zuständigen Landesverband vorangetrieben werden könne, der DCV „mit anderen Partnern für Abhilfe sorgen“ solle. Eine solche Bevormundung und Ausschaltung seitens Berlin kann ich mir nicht vorstellen. Hier kommt ein falsches Bewusstsein zum Ausdruck: Berlin weiß oben, wo es lang geht, und die Landesverbände machen unten mit oder werden außen vor gelassen. So geht es nicht.

Noch ein letztes: Die DCV-Spitze reklamiert immer wieder Vertrauen für sich und beklagt ein gestörtes Vertrauensverhältnis zu ihr. Vertrauen kann man aber nicht beanspruchen. Vertrauen muss man gewinnen, erhalten und pflegen. Dazu gehört offene Information, Transparenz, gute Kooperation, Behandlung des Partners auf Augenhöhe und nicht zuletzt eine sorgfältige Finanzwirtschaft. Damit sind die derzeitigen Mängel im Verhältnis zum DCV benannt.

Ihr
Eckhart Seifert

Wolfgang Layer, 1. Jul 2015, Editorial, Gaue und Verbände, Themen, Vereinsführung, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentare geschlossen.

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