Eine Stadt wird zur Bühne

Chortage bieten auf dem Gartenschaugelände ein Fest für Freunde des Gesangs
von Norbert Kollros

"Mir im Süden" - die A-cappella-Gruppe füenf zusammen mit dem Projektchor des Chorverbands Enz

„Mir im Süden“ – die A-cappella-Gruppe füenf zusammen mit dem Projektchor des Chorverbands Enz (Foto: Kollros)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Von fröhlichen Volksliedern über stimmgewaltige Männerchöre bis hin zur Choralfanfare und der abschließend gemeinsam gesungenen Nationalhymne bei der Schlussfeier – Chorgesang ist vielfältig und muss, so unterstrichen Grußredner wie der Chef der Landtags-CDU, Guido Wolf, keineswegs verstaubt wirken.

Das war es also, das große Sängertreffen des Chorverbands Enz, die Chortage mit dem Schwerpunkt auf der Gartenschau in Mühlacker. 54 Vereine mit mehr als 1600 Mitwirkenden gaben sich in den Enzgärten ein Stelldichein, und das Motto war ganz auf die Gartenschau abgestimmt: eine „Blühende Chorlandschaft“. Und diesem Leitmotiv machten die Sängerinnen und Sänger aus dem Gebiet von Bad Herrenalb bis Sersheim alle Ehre. Die Großveranstaltung kann man locker auch so umschreiben, wie sich etwa der Ötisheimer „Junge Chor“ nennt: „klangtastisch“ (also fantastisch) – oder wie der Schwabe sagen würde: „von allem ebbes“.

Ein ganzes Wochenende lang ertönten auf drei Bühnen Gesangsarrangements aller Stilrichtungen. Das traditionelle „deutsche Liedgut“, wie es über Jahrzehnte in allen Vereinen zuvorderst gepflegt wurde, fehlte zwar nicht, es wurde aber in großer Vielfalt durch moderne Weisen ergänzt, die den Erfolg der „Jungen Chöre“ ausmachen: Schlager, Anleihen aus Pop und Rock oder Musical-Melodien. Da gab es zum Beispiel am Samstag beim Abend dieser Jungen Chöre in der großen Veranstaltungshalle ein Wiederhören mit Queen, den Bee Gees und den Beatles, und selbst Udo Lindenberg blieb da nicht außen vor, allerdings nicht mit nuschelnder Reibeisen-Stimme, sondern vielstimmig von Bass bis Sopran ging’s da „Hintern Horizont“.

Dabei boten diese Formationen nicht nur bemerkenswerte gesangliche Leistungen, sondern auch eine wahre Augenweide in Bezug auf perfekte Choreografien. Richtig in Schale geworfen hatten sich am Samstag die Sängerinnen und Sänger der Eintracht Illingen: Unter der Leitung von Jürgen Huttenlocher trat der Chor in Kostümen im Biedermeier-Stil auf und präsentierte dazu einen bunten Strauß Wiener Walzer-Kompositionen. Es war im übrigen in jener Zeit, in der die meisten Besucher der Gesangsdarbietungen bei Nieselregen unter Sonnenschirmen oder vorsichtshalber mitgeführten Regenschirmen Schutz suchten. Doch alsbald stellte sich wieder das sprichwörtliche Dürrmenzer Festwetter ein, das den Besuchern der später terminierten Acts zudem einen lauen Abend bescherte – beste Voraussetzungen also für eine Sommernachtsparty.

Melodiensträuße gebunden hatte der Chorverband zuvor auch für die Bewohner der Altenpflegeheime in der Stadt. Und diese überbrachten jeweils zwei Chöre – die Ötisheimer und Enzweihinger im Seniorenheim St. Franziskus und jene aus Calmbach und Dennach im DRK-Seniorenzentrum. „Wir wollen Ihnen auf diese Weise ein bisschen Gartenschau-Atmosphäre vermitteln“, meinte etwa der Ötisheimer Vorsitzende Ernst Metzler zu den fröhlich gestimmten Heimbewohnern.

Verheißungsvoll war schon die Einstimmung auf die Chortage beim Eröffnungsabend am Freitag. Da hatte zunächst der Frauenchor des Verbands mit Sängerinnen aus den unterschiedlichsten Vereinen unter der Leitung von Michaela Hartmann-Trummer seinen Auftritt. Nach den Grußworten bestritten die Ortsteilchöre der Gesamtgemeinde Straubenhardt den weiteren Abend. Für Landrat Karl Röckinger war es dabei besonders erfreulich, dass sich die Chöre aus Conweiler, Feldrennach, Ottenhausen und Schwann an diesem Abend wieder einmal zur Chorgemeinschaft Straubenhardt zusammengefunden hatten (lediglich die Langenalber mussten kurzfristig passen). Was wäre trefflicher gewesen, als zusammen das von Wilhelm Ganzhorn getextete Volks- und Heimatlied „Im schönsten Wiesengrund“ zu intonieren, das der damalige Neuenbürger Oberamtsrichter, inspiriert vom Wiesental unterhalb der Schwanner Warte, gedichtet hatte.

Gleich zwei Ehrungen wurden bei der Gelegenheit dem Verbandsvorsitzenden Rolf Czudzowitz zuteil – ganz persönlich von den Straubenhardter Chören für die langjährige Unterstützung bei der Pflege der Vereins- und Chorarbeit und ganz offiziell durch den Vizepräsidenten des Schwäbischen Chorverbands, Wolfgang Oberndorfer, der den Vorsitzenden zum bevorstehenden Ablauf seiner Amtszeit mit der goldenen Verdienstmedaille des Verbands auszeichnete.

Geselliger Höhepunkt mit über 1500 Besuchern war dann tags darauf das Gastspiel des Stuttgarter A-cappella-Quintetts „Füenf“ mit viel Witz und Ironie und wechselweise schwäbisch und hochdeutsch gesungenen Liedern mit zumeist zweideutigem Inhalt. Ihr „Bescht of“-Programm umfasste musikalische Erinnerungen an Wolle Kriwanek ebenso wie einen Crashkurs zum Komponieren eines „erfolgreichen Schlagers“ für Patrick Lindner: Man reihe nur die Titel seiner bisherigen Schlager aneinander und denke sich eine Melodie aus – gesagt, getan: Und nach nur einer Probe mit dem Publikum saß zumindest der gemeinsam gesungene Refrain. Dass zum großen Finale dann auch noch eine große Zahl von Sängerinnen und Sängern aus den Chören mit auf der Bühne stand und „Mir im Süden“ mitsang, war eindeutiger Beweis dafür, dass die Stuttgarter es auch zwei Jahrzehnte nach ihrer Band-Gründung noch verstehen, neue Fans zu gewinnen.

Übrigens: ihren ersten auswärtigen Auftritt hatten „Füenf“ einst im Dezember 1995 bei einem A-cappella-Festival in Pforzheim.Der Landespolitiker Guido Wolf charakterisierte Sänger am Sonntagnachmittag in seiner Festansprache als harmoniebedürftige Personen, von denen sich Politiker ein Stück abschauen könnten: „Vielleicht sollten wir im Landtag auch mehr singen als Reden halten“, meinte er unter großem Beifall der erneut mehreren hundert Besucher der Schlussfeier. Die Musik besitze die Fähigkeit, Menschen zusammenzuführen, äußerte sich der CDU-Fraktionsvorsitzende überzeugt. Und weiter: diese Chortage hätten sicher einer breiten Bevölkerung nähergebracht, wozu Musik und Gesang in der Gesellschaft zu leisten imstande seien. Wobei er ein Stück weit aus eigener Erfahrung spreche, hätten doch seine Eltern Wert auf Hausmusik gelegt. Und spiele er heute mitunter noch auf dem Xylophon den „Zirkus Renz“, dann erobere er damit sicher mehr Menschen als mit Reden, sagte Wolf. Den Vereinen legte er die „klassische Jugendarbeit“ ans Herz und ebenso den Rat, sich in die Gesellschaft einzubringen, denn Vereinsarbeit bringe Wärme ins menschliche Klima. Freilich räumte Guido Wolf „selbstkritisch über alle Parteigrenzen hinweg“ die Notwendigkeit ein, die Vereinsarbeit mit weniger Reglementierungen zu belasten: „Es kann doch nicht sein, dass man beim Verkauf selbst gebackenen Kuchens schon mit einem Bein im Gefängnis steht“, so Wolf, erneut mit viel zustimmendem Applaus bedacht.

Verbandsvorsitzender Rolf Czudzowitz durfte bei der Schlussfeier auch Dank und Anerkennung für seine Arbeit nicht nur von dem Landespolitiker entgegennehmen, sondern auch von Oberbürgermeister Frank Schneider. Dieser bezeichnete die Chortage als „ausgesprochen würdigen Höhepunkt“ zur Halbzeit in den Enzgärten. Diese Chorlandschaften hätten die Gartenschau bereichert, und viele Besucher hätten sich spontan von den Gesangsdarbietungen einfangen lassen.

Wolfgang Layer, 17. Sep 2015, Chorverband Enz, Gaue und Verbände, Kommentare per Feed RSS 2.0, Kommentare geschlossen.

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